Datum: 27.9.2025
Ruhetag in Pau
Gelaufen: 5 km
Reine Gehzeit: 1 h
Höhenmeter ↗️ 0 hm ↘️ 0 hm
Wetter: wolkenlos und Sonnenschein, 24° C, in der Sonne 30°C
Nach dem Frühstück machen wir zuerst eine Stadtrundfahrt mit dem Latschari-Zügle durch Pau, die königliche Hauptstadt von Bearn Pyrenees.
Im Anschluss besichtigen wir das Schloss und die Gärten des Königs von Frankreich und Navarra Heinrich IV, „dem Guten“.
Das Schloss war der Grundstein von Pau und Ausgangspunkt für die weitere Stadt Entwicklung.
Zudem ist es das Zeugnis von neun Jahrhunderten bewegter Geschichte.
Hier hat auch das Geschlecht von Bernadotte seinen Ursprung, welches auf der Insel Mainau ebenfalls ein Schloss besitzt, was dann innerhalb der Erbfolge an das schwedische Königshaus übergegangen ist. Dies ist auch der Grund, wieso auf der Insel Mainau eine schwedische Flagge weht.
Gleich neben dem Schloss ist das Parlament von Navarra, mit Sitz in Pau. 1620 erbaut, hat es bis heute keine seine politischen Funktionen eingebüßt. 2012 wurde es aufwändig restauriert.
In unmittelbarer Nähe steht die Martinskirche. Im Jahr 1871 wurde die im neugotischen Stil erbaute Kirche eingeweiht. Als wir eintreten, findet gerade eine Taufe statt.
Nach so viel Historie gehen wir zurück in die Gegenwart und besuchen die Markthalle mit all ihren vielen verschiedenen Ständen wie Fisch, Blumen, Käse, Wurst, Fleisch, Obst und Gemüse. Ein interessanter Geruch liegt in der Luft.
Beim Verlassen der Halle geraten wir in eine Demonstration für mehr Toleranz gegenüber Menschen, die anders sind. Transvestiten, Behinderte, Schwule und Lesben laufen mit lauter Musik durch die Straßen. Teils zu Fuß mit Regenbogenfahnen, teils auf aufwändig geschmückten Wägen oder mit selbstgemalten Schildern in der Hand.
Im Anschluss schlendern wir durch die 1,5 km lange Fußgängerzone bis zur Tourist- Info, um unsere Tour nach Lourdes zu planen.
Eigentlich dachten wir, wir können die Strecke in drei kleinere Etappen einteilen. Doch hier erfahren wir, das das nicht geht. Es fehlt einfach an Übernachtungsmöglichkeiten. Wir müssen eine große Etappe und eine mittlere Etappe zurücklegen.
Okay, es geht halt nicht anders und somit beschließen wir, einen Tag länger im wunderschönen Pau zu bleiben und morgen noch in der Therme Caliceo ein paar Stunden zu regenerieren, um für die 1. große Etappe nach Lourdes fit zu sein.
Jetzt geht’s zurück ins Hotel für ein kurzes Powernap und anschließend in eine Pizzeria, ich freu mich schon auf Spaghetti frutti di Mare!
Datum: 28.9.2025
Ruhetag in Pau
Wetter: sonnig, warm, 25°
Das Frühstück fällt aus, damit wir rechtzeitig um 10:30 Uhr zur Sonntagsmesse in die schöne Martinskirche kommen. Die Messe ist ziemlich gut besucht und auffallend viele Kinder sind da.
Im Anschluss müssen wir uns sputen, dass wir vor Ladenschluss in den Supermarkt kommen, der hat nämlich Sonntags nur bis 13 Uhr offen.
Wir müssen kräftig einkaufen, da morgen weder auf der Strecke noch am Zielort und auch nicht in der Unterkunft etwas zu kriegen ist.
Auf dem Weg zum Supermarkt gehen wir noch mal an der Pizzeria von gestern vorbei, weil ich meine Mütze vergessen habe. Glück gehabt sie ist noch da.
Nach dem Monster- Einkauf setzten wir uns ins Foyer vom Supermarkt und holen unser Frühstück nach. Wohl gemerkt es ist bereits 12.30 Uhr. Während wir so da sitzen, überlegt Sabine bereits, wie wir diesen Einkauf in unseren Rucksäcken unterkriegen sollen.
Zurück im Hotel packen wir unsere Badesachen zusammen und machen uns mit dem Bus auf den Weg ins 5 km entfernte Thermalbad Caliceo.
Überall sprudelt es, und wir genießen es wirklich, während uns die warme Sonne ins Gesicht scheint. Nach 320 km in den Beinen ist das 34° C warme Wasser und die vielen Massagedüsen eine echte Wohltat. Plötzlich können wir uns beide wieder schmerzfrei bewegen. Sabine im Schulterbereich und ich in den Knien.
Während Sabine nach ausgiebigem Whirlen ins Hotbecken ( 38°) steigt, gehe ich für zwei Gänge in die Sauna.
Zum Schluss begeben wir uns ins Ruhebecken. Zu leichter Unterwasser-Musik zeigt uns die Bademeisterin, wie man mit einer Schwimmnudel im Nacken und einer unter den Knien wunderbar entspannen kann. Wie ein Liegestuhl im Wasser. Solche Nudeln werde ich mir selbstverständlich für den Whirlpool zu Hause auch anschaffen.
Nach diesem wohlverdienten Wellness Programm laufen wir wieder zurück zur 1,5 km entfernten Bushaltestelle. Ein kleines warm up für Morgen. Am Sonntag fährt der Bus leider nicht bis direkt vor das Bad.
Wir Lösen an der Bushaltestelle unsere Tickets und los geht die Rückfahrt. Eine Haltestelle später stürmen ( man kann es wirklich nicht anders sagen ) 8 Kontrolleure den Bus, die Türen gehen alle samt sofort zu, und sämtliche Fahrgäste werden auf gültige Tickets kontrolliert.
Dieser heuschreckenartige Überfall sorgt bei mir für einen kurzen Stressmoment. „hast du die Tickets, hast du sie ordnungsgemäß abgestempelt“ frage ich Sabine.
„Selbstverständlich“, sagt sie. Ich bin beruhigt.
Im Grunde waren die meisten Gäste cool, bis auf die zwei Mädels vor uns, die hektisch in ihren Taschen kramen.
Leider finden Sie nichts brauchbares und werden an Ort und Stelle zur Kasse gebeten.
Bei der nächsten Haltestelle verlassen alle Kontrolleure den Bus und somit ist der Spuk vorbei.
Im Hotel angekommen, hängt Sabine schnell die Badesachen auf und schimpft über das unbeschreibliche Chaos im Zimmer. Ich finde’s es halb so schlimm und schlage vor, in die nächste Bar zu gehen, dann sehen wir das Übel nicht mehr.
Gesagt, getan machen wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone, wo wir an einem sonnigen Platz bei Schorle, Cappuccino und Wasser nochmals über die Heuschreckenaktion im Bus lachen.
Heute ist es merklich ruhiger in der Fußgängerzone. Viele Reestaurants und Bars haben heute geschlossen.
Wir finden dennoch ein schönes Restaurant, wo wir gut essen und hinterher räumen wir selbstverständlich das Zimmer auf und packen schon mal die Rucksäcke für morgen zusammen.
Datum: 29.9.2025
Etappe: von Pau nach St. Vincent
Taxi: 6 km
Gelaufen: 20 km
Reine Gehzeit: 5,5 h
Höhenmeter ↗️ 150 hm ↘️ 80 hm
Wetter: morgens frisch, am Mittag warm und sonnig bei 25°C
Wir rüsten uns für die angekündigte Monsteretappe mit mehr als 30 km, vielen steilen An- und Abstiegen und ohne jegliche Versorgungsmöglichkeiten.
D.h., wir sitzen schon um 7:00 Uhr am Frühstückstisch und werden mit dem Taxi um 7:30 Uhr die ersten 6 km bis zum Stadtrand gefahren.
Von dort nehmen wir eine von mir ausgelotete Abkürzung über die Straße, ehe wir nach kurzer Zeit in den Wald und somit auf unsere Route, den „König-Heinrich IV. Wanderweg“ in Richtung Lourdes einbiegen.
Bei bestem Wanderwetter laufen wir auf schönen, breiten Waldwegen in lockerem Auf und Ab durch die verschiedenen Wälder der Region. Wir fragen uns, wie wohl unsere vorgebuchte Location in Saint Vinzent sein wird. Es ist die einzige Möglichkeit, die Strecke bis Lourdes zu unterbrechen. In dem Fall erwarten wir mal nichts und rechnen mit allem.
Vor jede Kurve denken wir, jetzt kommt endlich mal einer der steilen Anstiege.
Wir warten vergebens, es kommen immer nur leichte Wellen.
Entsprechend kommen wir gut voran, mit einem Schnitt von etwas mehr als 4 km/ h. Schließlich ist das Wetter gut, die Wege super und das Streckenprofil einfach. Dazu kommt, dass wir maximal regeneriert sind.
Zu unserem Erstaunen erscheint unsere Location 3 km früher als erwartet. Nämlich außerhalb der Ortschaft in völliger Alleinlage. Die Beschreibung der Tourist- Info war eine ziemliche Fehleinschätzung, was für uns aber kein Nachteil ist, im Gegenteil, es hat für eine positive Überraschung gesorgt.
Wir haben uns alles im Vorfeld viel komplizierter vorgestellt. Uns wurde die Strecke als äußerst schwierig beschrieben.
Wir klingeln also bereits um 13:00 Uhr am Tor der komplett mit einer Mauer eingefassten Anlage. Zwei Hunde kommen wild bellend angeschossen. Oh je, was erwartet uns da wohl ?
Wenige Augenblicke später kommt Silvia - unsere Gastgeberin- um die Ecke und öffnet uns das Tor. Beim ersten Blick nach links ein wahrer Wow- Effekt.
Ein großer, wunderschön angelegter Garten mit zwei Gebäuden.
Im Hintergrund, die etwas in Wolken gehüllten Pyrenäen. Freundlich werden wir empfangen und obwohl wir erst für ca 17.00 Uhr unsere Anreise angekündigt haben, dürfen wir bereits jetzt schon unser Zimmer beziehen.
Silvia erklärt uns noch die Gemeinschaftsbereiche mit Mikrowelle, Wasserkocher, Kaffeemaschine und kleiner Sitzgruppe.
Außerdem zeigt sie uns den Gästegarten mit Fitnessbereich, Sonnenliegen, Lounge Ecke und Pool! Prima, ganz nach unserem Geschmack - 10 / 10 Punkten! Eine halbe Stunde später liegen wir bereits eingecremt, mit einer Tasse Nescafé und Keksen am Pool, mit Blick auf die Pyrenäen. Was für ein grandioser Ausblick.
Ab 17:00 Uhr ziehen Wolken auf und das Wetter wird kühler. Somit gehen wir hinein, um unser 3 Gang Menü vorzubereiten. Gefriergetrocknete Chinese Nudelsuppe mithilfe des Wasserkochers, Reis mit Hühnchen - Fertiggericht für die Mikrowelle - und zum Schluss Nescafé mit Schokonusskeks.
Nach dem Essen kuscheln wir uns in unser schönes Bettchen und schauen Fernsehen: RTL, VOX und n-tv. Ich habe die Fernbedienung unter Kontrolle.
In Anbetracht der einfachen Strecke haben wir für morgen das Frühstück mal ein bisschen später angesetzt, 9:00 Uhr.
Datum: 30.09.2025
Etappe: von Saint Vincent nach Lourdes
Gelaufen: 25 km
Reine Gehzeit: 7 h
Höhenmeter ↗️ 247 hm ↘️ 143 hm
Wetter: wolkig mit sonnigen Abschnitten bei 23 °C
Was für ein Tag heute!
Silvia macht uns ein nettes Frühstück und entlässt uns danach auf die Strecke.
Sie ist der Meinung, in 3 Stunden sind wir in Lourdes.
Zu Anfang gehen wir unspektakulär auf kleinen Sträßchen durch Dörfer und Weiler. Das Highlight war die Begegnung mit einer Pferdekutsche, die allerdings in die falsche Richtung gefahren ist, sonst wären wir glatt ungefragt aufgesprungen.
Im Wald wird es dann schon spannender. Wolfsspuren, Jagdhütte, verschlungene Pfade, umgestürzte Bäume, Mountainbike-Trail, und immer wieder Ausblicke auf Pyrénées, die immer näher kommen, aber Heute den ganzen Tag in Wolken gehüllt sind.
Seit der Wolfs-Spur gibt Sabine richtig Gas. Sie meint, womöglich gibt es hier auch noch Bären, Silvia hat beim Frühstück so etwas erwähnt.
Nach einigen Kilometern treten wir aus dem Wald heraus und steigen hinab zum Lac de Lourdes. Kurz danach sind wir bereits am Stadtrand. Während wir am Straßenrand stehen und die Karte studieren, fährt gegenüber eine Frau rückwärts aus der Garage raus, sieht uns nicht und fährt uns fast über den Haufen. Das war tatsächlich knapp. Man man man.
Es bewahrheitet sich mal wieder, die größte Gefahr für die Pilger von heute sind die Autos.
Wir atmen durch und laufen weiter, bis wir nach circa 3 km linke Hand eine Bäckerei entdecken. Wir kaufen uns Teilchen, Sandwich und Kaffee und setzen uns im Freien an den Tisch. Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass wir sage und schreiben 5 Stunden ohne Pause durchgelaufen sind, weder getrunken noch gegessen haben und bereits 20 km auf dem Tacho haben. Das war uns nicht bewusst. Kein Wunder, haben wir jetzt so viel Hunger und Durst.
Auf der Suche nach unserer Unterkunft haben wir bereits einen ersten schönen Blick auf die Rosenkranz Basilika von Lourdes. Wenige Minuten später kommen wir am Pilger-Büro vorbei und wollen eigentlich nicht hinein, sondern erst in unsere Unterkunft.
Wir sind quasi schon vorbei, da springt der Pilgerbeauftragte aus dem Büro und zitiert uns zurück. Für seine Statistik ist es wichtig, dass wir uns registrieren. Machen wir natürlich. Wir erhalten unseren Stempel und gehen weiter.
Mein Navi führt uns direkt an unser heutiges Domizil. In einem Hinterhof befinden sich drei Wohneinheiten, zwei kleine und eine große. Mehrere Sitzgelegenheiten und ein Jacuzzi im Hof runden das Ganze wunderbar ab. Es ist alles sehr schön angelegt und offensichtlich ziemlich neu renoviert.
Wir betreten unser Haus und sehen, dass auf kleinem Raum alles vorhanden ist, was man braucht. Das Sofa, das zum Bett wird , Küche, Bad und Terrasse. Das Ganze auf weniger als 20 m². Alles top, und Sabine springt als erstes in die 33 grad warmen Fluten. Ich natürlich gleich hinterher.
Wir wirllen 1 Stunde und gehen dann schnurstracks zum Einkaufen.
Ruckzuck ist das Essen gemacht, denn um 20:30 Uhr beginnt bereits die Lichterprozession an der Basilika .
Viele Menschen aus aller Herren Länder strömen auf den Platz. Die Gebete und Predigten werden immer wieder in anderen Sprachen vorgetragen. Es sind sicherlich zehn verschiedene Sprachen, die wir hören. Das ganze dauert ziemlich lange und mir tun mittlerweile echt die Füße weh. Zum Glück ergattern wir einen Sitzplatz, es ist nicht ganz so voll wie in der Hochsaison.
Um 23:00 Uhr entlässt uns der Bischof mit den Worten:
„Go quiet home in peace!“
Das machen wir glatt, und der Platz lehrt sich ziemlich schnell.
Die ganzen Schnellrestaurants und Ramschläden rund um den Platz haben noch geöffnet und die Leute strömen in Scharen hinein. Auffallend viele Asiaten. Sabine sagt, sie hebt sich den Kaufrausch für morgen auf, jetzt geht’s nach Hause ins Bett, wir sind beide totmüde.
Datum: 1.10.2025
Sightseeing in Lourdes
Gelaufen: 10 km
Wetter: sonnig, warm bei 25 °C
Wir schlafen und frühstücken lange und gehen erst um 12:00 Uhr
Richtung „Heiliger Bezirk“.
Dies ist die genaue Bezeichnung für den gesamten spirituellen Bereich, bestehend aus der Oberen-Basilika (Basilika der unbefleckten Empfängnis), Rosenkranz-Basilika, Basilika Pius X und der Grotte Massabielle mit der Quelle und den nebenan liegenden Heilbädern.
Dazu kommen noch 5 Kerzen-Kapellen und die Eglise de Bernadette.
Das ganze befindet sich auf einem 52 ha großen Gelände. Überall sind Plätze mit Statuen, Sitzgelegenheiten, Rasenflächen, Pavillons und ein Informationszentrum.
Doch nun der Reihe nach:
Angefangen hat es im Jahr 1858 mit den Marienerscheinungen der Bernadette Soubirous, in einer Grotte im Wald. Sie war eine unscheinbare Müllers-Tochter mit wenig Bildung. Hier ist ihr die Mutter Gottes 18 mal erschienen.
Angeblich hat Maria Bernadette gesagt, dass über der Grotte eine Kapelle errichtet werden soll. Obwohl die Geistlichen anfangs skeptisch waren, geben Sie schließlich dem Wunsch der Bernadette nach, und es wird mit großer Kraftanstrengung die obere Basilika im Jahr 1860 auf den Felsen gebaut.
Die Schwierigkeit war, dass der Fels so gesprengt werden musste, ohne dass die Grotte darunter einstürzt oder beschädigt wird.
Schon bald war durch unverhoffte Pilgerströme die Kirche zu klein. Eine größere musste her. Der Architekt hat die neue Basilika 1883 so konstruiert, dass sie die alte nicht verdeckt, sondern unterhalb der alten in den Felsen hinein gebaut wurde. Lediglich eine niedrige Kuppel mit vergoldeter Krone ist zu sehen, welche etwas Tageslichtlichteinfall ermöglicht. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk.
In die obere Basilika passen ein paar wenige 100 Personen in die untere bereits 4000.
Die Stadt wächst und wächst weiter. Vielen weitere Hotels werden gebaut und es kam, wie es kommen musste: Auch die neue Basilika wurde mit der Zeit zu klein. Anlässlich des 100. Jahrestag der Erscheinungen rechnete man mit 5 Millionen Pilgern, d.h., eine noch größere Basilika musste her.
Der beauftragte Architekt hatte eine geniale Idee. Das Stadtbild sollte weiterhin geprägt werden von der oberen Basilika. Also baute er eine unterirdische Basilika am anderen Ende des Kirchenvorplatzes, der im übrigen 40.000 Personen fast, mit dem Namen Pius X , für 25.000 Personen.
Dies war nur möglich, weil bei Baubeginn 1957 ein revolutionärer neuer Baustoff zur Verfügung stand: Beton. Durch zusätzliche Benutzung von Spannbeton ersparte man sich zudem auch noch den Bau von Säulen.
Das Ergebnis ist eine riesige unterirdische ovale Halle ohne jeglichen Lichteinfall. Komplett aus Beton und völlig schmucklos. Von außen ist lediglich ein niedriger Grashügel zu sehen. Sabine meint, man fühlt sich wie in einem Bunker.
Sicherlich eine pragmatische Lösung aber schön ist etwas was anders.
1988 wurde dann als letztes die Eglise de Bernadette auf der anderen Seite des Flusses gegenüber der Grotte gebaut. Ein unauffälliger, moderner Bau, der mich an einen Hörsaal erinnert.
Alle anderen Kirchen stellen Maria in den Vordergrund. Diese Kirche wurde nun zu Ehren der heiligen Bernadette gebaut.
Stundenlang halten wir uns auf dem Gelände auf, besichtigen alle Kirchen und die Grotte, und beobachten die Menschenströme die singend, betend, Fahnenschwenkend oder im Rollstuhl geschoben kommen und gehen. Es sind viele Alte und Kranke dabei, aber auch viele Jugendgruppen.
Am späten Nachmittag gehen wir auf die Snack- und Souvenirmeile, um etwas zu essen und ein bisschen zu shoppen. Auf Wunsch von Sabine, ich füge mich eben.
Während sich die Massen auf dem Kirchengelände einigermaßen verteilen, sind hier die Straßen komplett verstopft, zumal auch noch Autos und Reisebusse durchfahren.
Das eigentliche Wunder von Lourdes ist, dass bei dieser Verkehrssituation nicht alle 5 Minuten einer überfahren wird.
Im Anschluss gehen wir zurück in unser Häuschen, erholen uns ein bisschen und packen schon mal etwas zusammen, da wir morgen unsere Unterkunft wechseln müssen, unser Häuschen ist leider keine weitere Nacht verfügbar.
Datum: 2.10.2025
Sightseeing in Lourdes
Gelaufen: Sabine 8 km / Matthias 15 km
Wetter: sonnig, warm bei 25 °C
Um 11:00 Uhr verlassen wir unser Domizil und ziehen um ins Hotel Helios, was ziemlich zentral liegt. Zum einchecken ist es noch etwas zu früh. Deshalb geben wir lediglich unser Gepäck an der Rezeption ab.
Nach einem leckeren Crêpe Frühstück auf der Sonnenterrasse einer Bar direkt am Flussufer geht’s zur obligatorischen Stadtrundfahrt mit dem Latscharizügle.
Danach entscheiden wir, was wir anschauen wollen.
Sabine ist für das eine oder andere Museum, anschließend nochmals in die Rosenkranzbasilika mit ihren riesigen Mosaiken und zum Schluss noch mal auf die Souveniermeile.
Um Gottes willen, das verkrafte ich nicht.
Kunst, Kultur und Menschenmassen, das hatte ich jetzt zur Genüge.
Ich entschließe mich für ein Parallelprogramm.
Ich fahre in aller Ruhe mit der Seilbahn auf den 951 m hohen Berg Pic du Jer, genieße die grandiose Aussicht um dann durch den schönen Wald wieder nach unten zu wandern.
Gesagt - Getan, so machen wir’s.
Wir gehen zunächst gemeinsam zum Bahnhof um unsere Abreise für morgen zu organisieren.
Von hier aus geht jeder seines Weges, Treffpunkt ist zu unbestimmter Zeit im Hotel.
Sabine geht Richtung Stadtmitte, während ich zur Talstation der Bergbahn gehe.
Ich fahre also nach oben und erklimme die letzten Meter zum Gipfel zu Fuß. Dabei stürze ich über meine eigenen Füße und verliere dabei die Brille. Weit und breit keine Sabine, die mich auffängt und meine Brille sucht.
Das Gipfel-Restaurant hat ganz überraschend geschlossen. So oft sind wir die letzten vier Wochen vor geschlossen Restaurants gestanden, dass mich das nicht wirklich wundert.
Nichtsdestotrotz genieße ich die grandiose Aussicht auf die Berge:
Pic d´ Ardidien 2.988 m, Viscos 2.141 m, Vignemale 3.298 m, Cabaliros 2.334 m.
Und natürlich auf das unten liegende Lourdes, wo meine liebe Frau gerade durch die Geschäfte hetzt.
Wir treffen uns am frühen Abend im Hotel und gehen dann gleich zum Essen, da wir beide einen Mordshunger haben.
Im Anschluss ruhen wir noch ein wenig bei ZDF und 3sat ehe wir noch mal zur oberen Basilika gehen, um die tägliche Lichter-Prozession von oben anzuschauen.
Datum: 3.10.2025
Etappe: Lourdes nach Toulouse
Zug: 170 km
Gelaufen: 8 km
Wetter: bewölkt, angenehm warm bei 22 °C
Heute Verlassen wir Lourdes.
Zum letzten Mal gehen wir runter zum Heiligen Bezirk, der heute unglaublich voll ist.
Wir gehen zum Abschluss noch mal in die Grotte und Sabine möchte unbedingt noch einmal in die Rosenkranz-Basilika.
Mit ein bisschen Wehmut verlassen wir dann den Bezirk über den Haupteingang in Richtung Bahnhof.
Nach Paris hat die Stadt Lourdes die meisten Hotels in Frankreich, 180 an der Zahl.
Dazu kommen noch zahlreiche private Unterkünfte. In Summe 12.000 Betten bei 14.000 Einwohner.
Zwischen April und Oktober sind alle Unterkünfte nahezu ausgebucht. Ab 25. Oktober endet die Saison dann abrupt. Nur wenige Hotels bleiben noch geöffnet, alle anderen schließen.
Wahrscheinlich ist es auch zwingend notwendig, da die große Auslastung mit Sicherheit einen großen Verschleiß mit sich bringt und viel renoviert werden muss.
Auch die Workshops und spirituellen Programme werden auf ein Minimum heruntergefahren. Dennoch bleiben alle Kirchen weiterhin rund um die Uhr geöffnet.
Das ganze funktioniert hier nur, weil unglaublich viele Volontäre aus dem ganzen Land mit anpacken und sich vor allem um die Kranken und Behinderten kümmern.
In Bahnhofs Nähe essen wir noch eine Kleinigkeit und machen uns dann auf den Weg. Immer entlang den Pyrenäen fährt der völlig überfüllte Zug 170 km ostwärts nach Toulouse.
Hier angekommen kümmern wir uns gleich um ein Ticket für den Flughafen-Transfer per Bus am Sonntag.
Unser Aparthotel mit 140 Wohneinheiten liegt wenige Gehminuten vom Capitol entfernt. Ursprünglich wollen wir nur kurz ins Zimmer unser Gepäck ablegen, entscheiden uns dann aber, uns kurz hinzulegen.
Wir schlafen satte 2 Stunden, tief und fest. Als wir aufwachen, ist es stockdunkel. Jetzt aber nichts wie raus. Bei lauen Temperaturen von 21° C laufen wir auf zum Capitolsplatz und setzen uns in eines der vielen Restaurants mit Blick auf das beleuchtete Capitol.
Die Bedienung eröffnet uns, dass es nur noch Pizza gibt. Das wollen wir nicht und wechseln in das nächste Restaurant. Hier werden wir gefühlte 15 Minuten nicht beachtet und nicht bedient, also wechseln wir wieder das Restaurant. Im Nächsten, mittlerweile Nr. 3, gibts keinen Campari Orange und für Sabine nicht die richtige Salat Auswahl. Wir wechseln schließlich zu Restaurant Nummer 4.
Hier bleiben wir obwohl der Tisch wackelt, und egal, was es gibt.
Was für ein Geschschiss. Als wir unterwegs waren, waren wir froh, wenn wir überhaupt irgendetwas bekommen haben. Ich glaub, wir sind nicht mehr grossstadttauglich. Zu viel Auswahl tut uns nicht gut.
Der gegrillte Pulpo war gut, und Sabine hat letztendlich keinen Salat genommen und hat sich für ein Omelette mit Champignons Füllung entschieden.
Mit vollen Bäuchen geht’s zurück in unser Studio, vorher noch einen Kaffee in der Lobby und dann aber schnurstracks ab ins Bett.
Datum: 4.10.2025
Sightseeing-Tour Toulouse
Gelaufen: 8 km
Wetter: bewölkt und sonnig, am Abend Regen bei 20 °C
Da wir das Frühstück verschlafen haben, gehen wir als erstes ins Frühstückskaffee direkt um die Ecke. Ein letztes Mal Café au Lait mit Croissant und Jus de Orange.
Danach gehen wir zur Tourinfo. Wir wollen versuchen, für heute Abend Karten im Kapitol zu ergattern. Leider gibts nur noch eine Karte.
Wäre vielleicht eh ein bisschen blöd gewesen, in unserem Outfit in die Oper.
Wir laufen nach zwei weitere Theater an, aber auch diese sind für heute ausgebucht. Ein Versuch war es alle Mal wert.
Weiter geht’s mit dem Latscharizügle zur Stadtrundfahrt, die diesmal etwas länger dauert. Logisch, bei einer Großstadt mit 500.000 Einwohnern.
Während der Rundfahrt entlang dem Canal du midi mit seinen Schleusen, durch die verschiedenen Stadtteile mit historischen Bauten und über unterschiedliche Plätze mit Brunnen und Skulpturen, erfahren wir viel über Land und Leute sowie die Geschichte der Ziegelbauten, die das Wahrzeichen von Toulouse darstellen. Da diese in der Abend- und Morgensonne rosa erscheinen, heißt die Stadt auch
„die Rosarote“.
Zudem beherbergt die Stadt ein großes Luftfahrtzentrum.
Vorbei am Rugby Stadion erfahren wir, dass das Rugby Team von Toulouse
Weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist. Vergleichbar mit dem FC Bayern München bei uns.
Wieder festen Boden Unter den Füßen, gehen wir in die Basilika Saint Sernin, in der anscheinend einen Dorn der Dornenkrone Jesu Christi als Relikt aufbewahrt wird. Wir haben echt lange gesucht, aber nichts gefunden.
Jetzt wird’s Zeit für Kaffee und Kuchen, weshalb wir in die längste Fußgängerzone der Stadt gehen um uns in einem Café nieder zu lassen.
Als es nach unserer Kaffeepause anfängt zu regnen, machen wir uns auf den Heimweg in unser zentral gelegenes Hotel. Schließlich ist es auch Zeit für ein kleines Nachmittagsschläfchen.
Beim Aufwachen regnet es noch immer, deswegen gehen wir zur nächst gelegenen Pizzeria, um unseren spannenden Urlaub ausklingen zu lassen.
Somit ist unsere schöne Reise zu Ende.
Fazit:
ein schöner und herausfordernder Meilenstein unserer Route Rheinfelden- Santiago ist geschafft. Wir haben viel erlebt, und konnten spontan auf die Wetter- Kapriolen reagieren, da da wir weder Unterkünfte noch die Rückreise vor gebucht haben.
Bemerkenswert ist, dass wir dieses Mal kein einzigen Mal in einer Pharmazie waren !!
Alle Kleidungsstücke waren im Einsatz.
Somit ist der Abzweig nach Lourdes ebenfalls geschafft, dies war zweifelsfrei der Höhepunkt dieser Reise!
Ausserdem hatten wir so noch die Möglichkeit, die Städte Pau und Toulouse kennen zu lernen, wobei Pau unser absoluter Favorit ist.
Gelaufen: 416 km
Höhenmeter: ↗️ 5.332 hm ↘️ 5.038 hm
Schaden: 1 Brillenbügel, Rucksackschnalle, Rucksackinnenfutter, Naht IPad Tasche, Ecke IPad Hülle, Dreiangel im Hosenbein, Steckenteller