_______________________________________________________________________________________
Tag 41 22.09.2018
Von Nisi Salamina ( vorgelagerte kleine Insel ) nach Piräus
Gelaufen 17 km
Reine Gehzeit 5 Stunden
Wetter: wolkenlos und warm bei 26 Grad
Heute Morgen laufen wir gleich die letzten 12 km zum Hafen von Salamina.
Wir begeben uns nach einer kurzen Wartezeit auf das Fährboot, das uns direkt in den großen Hafen von Piräus bringt.
Die einstündige Fahrt ist richtig spannend, vorbei an Tankerschiffen, Riesen -Containerschiffen, dem einen oder anderen Kreuzfahrtschiff und Militärschiffen durch den Riesenhafen von Piräus. Echt interessant. Am Ziel
angekommen, klappern wir verschiedene Stellen ab, um ein Schiff nach Haifa zu finden, leider erfolglos. Somit fahren wir zum Flughafen Athen um uns einen Flug nach Tel Aviv zu buchen. Auch dies gestaltet sich ein wenig schwierig, aber Schluss endlich scheint es geklappt zu haben, am Montagabend geht es los in Richtung Israel . Es ist bereits 18:00 Uhr, als wir uns auf die Suche nach einer Bleibe machen. Wir erinneren uns an Hotelgäste von uns, die in Athen wohnen, und die uns gebeten haben, sie zu kontaktieren sobald wir hier sind. Und genau das tun wir jetzt. Spontan laden Sie uns ein bei Ihnen zu übernachten, holen uns vom Flughafen ab und bekochen uns auch noch mit Sauerbraten und Spätzle. Sensationell! Wir verleben einen überaus lustigen Abend, essen und trinken viel und gehen erst spät, weit nach 1:00 Uhr zu Bett. Darum ist der heutige Blog auch ein wenig kürzer – sorry ! Glücklich und stolz, es bis Piräus geschafft zu haben, gehen wir todmüde ins Bett.
Tag 42 23.09.2018
Ruhetag in Athen
Wetter: sonnig und heiss bei 30 Grad
Wir stehen spät auf und unsere Gastgeber servieren uns ein wunderbares Frühstück auf dem Balkon, Meerblick inklusive.
Günther bringt uns gegen Mittag zur U -Bahnhaltestelle und wir fahren in die Athener Altstadt. Im herrlichen langsam-Modus umlaufen wir die Akropolis und genießen die Darbietungen der Künstler und Gaukler und sowie die zahlreichen Cafés und Souvenirstände. Anschließend machen wir in einem offenen Bus eine Stadtrundfahrt. Zum Schluss schauen wir noch die Zeremonie der Wachablösung am Parlament an,ehe wir mit der U Bahn wieder zurück fahren, wo Günther uns wieder abholt. Wir sind nach 4 Std. Sightseeing genauso fertig, wie nach einer 25km Etappe!
Zu Hause angenommen springen wir in den Pool von Susanne und Günther und relaxen noch ein wenig im Liegestuhl. Am Abend laden wir Günther zum Essen ein, Susanne ist bereits geschäftlich auf dem Weg nach Wien, und so geht ein wunderschöner Ruhetag zu Ende. Selbst Sabine war heute ausnahmsweise mal extrem umgänglich.
Tag 43 24.09.2018
Anreise nach Israel
Wetter: gut warm bei 28 Grad
Ausgeschlafen, regeneriert, gut gefrühstückt und alles frisch gewaschen ( Mensch, Rucksack und Klamotten ) fährt uns Günther frühzeitig zum Athener Flughafen. An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an die beiden für die zwei tollen Nächte die wir bei ihnen verbringen durften. Wir fühlten uns wirklich wie im vier Sterne plus Wellness & Spa Hotel.
Am Flughafen angekommen checken wir als erstes ab, ob mit den Tickets tatsächlich alles geklappt hat. Gottseidank, alles ok.
Wir nutzen die Zeit, um uns eine Übernachtungsmöglichkeit in der Pilgerherberge von Tel Aviv zu besorgen. Unsere geplante Ankunft Ist am Abend um 21:30 Uhr. Da wir nicht ortskundig sind und über keinerlei info über Bus und Zugverbindungen verfügen, haben wir auch gleich den Shuttleservice der Herberge mitgebucht. Mal sehen, ob das alles auch so wie geplant klappt. Wir freuen uns wirklich ungemein auf eine einfache Herberge, nach so vielen Hotels in denen wir geschlafen haben. Morgen werden wir dann mit dem Zug oder Bus nach Tiberias am See Genezareth reisen, und übermorgen sind wir endlich wieder auf dem Weg. In 10 Minuten ist Boarding Time, deshalb der Blog heute etwas früher.
Tag 44 25.09.2018
Anreise nach Tiberias
Wetter: sehr heiss bei 35 Grad
Heute Morgen frühstücken wir in der Umgebung vom Hostel und erledigen einige Einkäufe. Wir unterhalten uns noch mit alle möglichen internationalen Mitbewohner und dürfen ein weiteres Mal für sämtliche Fotoapparate Modell stehen. Ich glaube wir werden wirklich noch berühmt. Ansonsten sind wir total konfus und haben wirklich keinen Plan wie wir von Tel Aviv nach Tiberias kommen sollen. Zum Glück haben wir in unserem Hospitalero eine helfende Hand gefunden, die uns detailliert aufschreibt wie wir wann und wo mit Zug und Bus unser Ziel erreichen werden.
Der ganze Transfer dauert circa 4 Stunden. Jedes Umsteigen ist mit einer Passkontrolle verbunden. Der Zug führt erst an der Küste entlang und ab Haifa geht’s ins Landesinnere. Vorbei an Nazareth und einigen ganz ordentlichen Bergen, von denen wir vermuten, dass wir sie überqueren müssen, erreichen wir Tiberias was auf einer Höhe von - 200 m unter dem Meeresspiegel liegt.
Hier angekommen, steuern wir sofort das Tiberias Hostel an, wo wir gerade noch zwei Betten im Vierbett Zimmer erhalten. In Israel sind momentan Ferien, sodass der Urlaubsort ziemlich voll ist. Nach dem wir unsere Sachen im Zimmer verstaut haben, machen wir uns gleich ans Ufer des See Genezareth auf.
Die reinste Vergnügensmeile: Ausflugsschiffe, Karussell, Läden, Restaurants, Bars und ein kleiner Flohmarkt. Das alles mit lauter Beschallung und überall bewaffnete Security. Dazwischen sehen wir Orthodoxe Juden, Muslime, Einheimische, Kinder beim Pony reiten und jede Menge wilde Katzen. Ganz unscheinbar und versteckt hinter einem Hotel entdecken wir die kleine Sankt Peter Kirche. Der Gottesdienst ist bereits in vollem Gange als wir eintreten. Es ist hier wie in einer Ruheoase, bei dem ganzen Lärm draußen.
Wir bleiben bis zum Ende und erhalten vom Pfarrer noch einen Stempel für unseren Pilgerpass. Israel ist bekanntlich teuer, und hier ist es noch ein bisschen teurerer, also nutzen wir die Hostelküche und kochen selbst, und nebenbei legen wir gleich die Route für morgen fest.
Tag 45 26.09.2018
Von Tiberias nach Kibutz Degania B
Gelaufen: 15 km
Reine Gehzeit: 5 Stunden
Wetter: bewölkt und heiss bei 32 Grad
Sehr früh geht’s heute los, und wir laufen erst einmal im Kreis durch Tiberias Stadt, bis wir unsere Frühstücksbar gefunden haben. Nach dem Frühstück ziehen wir dann nochmals Geld, und schon beim dritten Automaten klappt es auch.
Danach geht es endlich los, mit dem Laufen auf dem Israel National Trail ( INT).
Die Strecke führt uns direkt weg von der Straße auf ein schönes Schotterweglein erst entlang vom See, dann durch das Jordantal und schließlich durch einen eingezäunten Park. Am anderen Ende angekommen möchte Sabine die Gatterrüre öffen, aber sie ist verschlossen. Sie rüttelt und reist erbost heftig am Gatter, doch es hilft alles nichts. Schließlich entscheide ich, dass wir das 1,50 m hohe Hindernis überklettern und lasse Sabine lieber mal den Vortritt. Sie drückt mir alles in die Hand, Rucksack, Stecken, Brille und Handy, um elegant raufzuklettern und auf der anderen Seite runter zu springen. Ich überlege mir noch, wie ich das mit meinen abgesägten kurzen Beinen schaffen soll, und versuche deshalb nochmals, das Tor von Hand zu öffen. Und - siehe da- alles eine Frage der Technik. Die Türe lässt sich ganz leicht öffnen und ich laufe ebenso elegant hindurch. Eine arabische Familie die mit Kühltaschen und Klappstühlen den Park besuchen möchte, beobachtet uns und bekommt auf der Stelle einen Lachanfall ! Wir lachen natürlich mit und halten Ihnen vorsichtshalber noch die Türe auf.
Den tiefsten Punkt der Strecke erreichen wir bei Yardenit, mit mehr als -200 m, der angeblichen Taufstelle von Jesus Christus durch Johannes den Täufer. Hier wird natürlich ein Riesen- Hype gemacht. Der Parkplatz ist proppevoll, viele Busse karren hunderte von Koreanern an, die sich laut Halleluja schreiend im am Kiosk gekauften weißen Gewand im Jordan taufen lassen. Ehrlich gesagt haben wir uns das Ganze ein bisschen besinnlicher vorgestellt. Nichtsdestotrotz ist es eine ansehnliche Anlage mit schönem Garten, unzähligen Fischen im türkistrüben Wasser und Tafeln mit der entsprechenden Bibelstelle in unzähligen Sprachen.
Wir packen unser Vesper aus und rasten direkt am Jordan auf einer kleinen Bank und schauen dem Treiben über eine Stunde zu.
Unser Tagesziel Degania B erreichen wir zwei Kilometer später und wir checken mangels Alternative im teuren Kibutz Resorts ein. Bereits eine Stunde später, nach getaner Arbeit natürlich, liegen wir im 30 Grad warmen Pool.
Die kommenden zwei Etappen bis Nazareth werden anspruchsvoll, können aber von der Infrastruktur her nicht anders gelaufen werden. Deshalb buchen wir sicherheitshalber direkt vom Pool aus mit dem gut funktionierenden Internet unsere Unterkünfte um die schwierige und zeitintensive Zimmersuche vor Ort abzukürzen.
Am Abend kochen wir noch in unserer kleinen Küche, die wir im Zimmer haben, und essen im schönen Garten unter Palmen.
Die Grundidee des Kibutz von Gemeinschaft, Teilen und einander helfen ist im Grunde richtig gut, doch leider in der heutigen Zeit nicht mehr umsetzbar.
Tag 47 27.09.2018
Von Kibutz Degania B nach Kfar Kisch
Gelaufen: 25 km
Höhenmeter: von -250 m auf + 350 m dann wieder Abstieg auf 50 m
Reine Gehzeit: 9 Stunden
Wetter: im Jordantal sehr heiss auf den Bergen gut erträglich mit angenehmem Lüftchen bei 30 Grad
Absoluter Wahnsinn !
Heute gibt es Israel pur. Nach aufgebrühtem schnell -Kaffee und kleinem Frühstück im Zimmer starten wir frühzeitig um 7:30 Uhr. Ein aufregender und schöner, harter Tag steht uns bevor. Am Anfang nehmen wir unsere selbst gemachte Route, da wir zum übernachten vom Weg abgegangen sind. In der Theorie ganz einfach, in der Praxis allerdings nicht so ganz. Da wir durch keinerlei Zivilisation laufen haben wir auch keine Orientierungspunkte. Nur Sand und Steine. Trotz allem finden wir relativ schnelle auf unsere Route. Wir verlassen über einen Canyon endgültig den Jordan Graben. Im Grunde heißt es, es geht den ganzen Tag immer Berg auf. Zu Anfang erst mäßig , später später steil, dann mega steil.
Das Landschaftsbild ist genau so wie man sich Israel vorstellt. Sandwege, steinig, braun, Dornenbüsche und Disteln am Wegesrand und natürlich sehr heiss.
Ein Hinweisschild am Anfang des Naturreservats erklärt uns die Verhaltensregeln: Kopfbedeckung, literweise Wasser mit sich führen, nicht an der Kante laufen, vorher das Wetter abfragen und immer wieder die Gruppe auf Vollständigkeit durchzählen. Dies haben wir natürlich als erstes geübt. 1. 2 und Schluss. Sabine hat’s nach mehreren Wiederholungen dann auch kapiert. Anfangs fühlen wir uns alleine in diesem riesengroßen Naturschutzgebiet, kein Mensch weit und breit. Die Hitze wird mehr und mehr, und bei Sabine setzt so langsam der Realitätsverlust ein. Sie sieht auf einmal Dinosaurier links am Wegesrand und rechts eine Gruppe Radfahrer die sich im Nachhinein als Wandergruppe entpuppt. Wir freuen uns ungemein, auf Menschen zu treffen, und quatschen auch ein wenig mit Ihnen. Zum Schluss waren es weit mehr als 10 Wandergruppen, mal größere mal kleinere, dazu noch einzelne Wanderer wie wir. Das macht richtig Laune. Man motiviert sich gegenseitig und kann zudem noch ein kurzes Stück zusammen gehen. Je mehr wir an Höhe gewinnen und aus dem Jordan Graben heraus kommen, desto angenehmer wird die Temperatur. Man kann besser atmen, zumal der Wind auch etwas auffrischt. Auf der Passhöhe bei 350 m wird man mit einem grandiosen und einzigartigen Rundumblick auf die Golanhöhen und ganz Galiläa belohnt.
Was wir mit Sicherheit unterschätzt haben ist die benötigte Trinkwassermenge. Gottseidank fährt ein Rancher mit seinem Baggy durch das Reservat und verteilt großzügig Wasser an die Wanderer. Gerne nehmen wir dieses unschlagbare Angebot an. Auf den Tag verteilt hat heute jeder 5 Liter Wasser getrunken.
Aus Mangel an Gelegenheit rasten wir heute nur einmal, zusammen mit zwei Israelis, wohlgemerkt auf dm steinigen Boden. Wir teilen den Schatten und das Essen, und habens richtig lustig, um 17:00 Uhr erreichten wir nach einer tollen, megaanstrengenden Etappe tatsächlich unser Tagesziel Kfar Kisch. Unsere Gastgeberin holt uns wie besprochen am Ortsrand mit dem Auto ab. Vorbei am Supermarkt, wo wir kurz einkaufen, beziehen wir dann unser schönes Ferienhaus. Ich koche für uns Nudeln mit Tomatensoße, dazu Salat und hinterher Eis mit frischen Früchten.
Jetzt ist es 22:00 Uhr, und wir sind todmüde.
Tag 47 b 28.09.2018
Von Kfar Kisch nach Nazareth
Gelaufen: 15 km + 5 km nach Nazareth City Center
Höhenmeter: von 0 auf 600 m dann wieder Abstieg auf 150 m
Reine Gehzeit: 7 Stunden
Wetter: sonnig und warm, auf dem Tabor luftig, in Nazareth am Abend frisch
Der Wahnsinn geht weiter.
Um 7:00 Uhr war Schicht im Schacht und wir brechen auf. Vorab werden nochmals die Füße gecheckt und eingeschmiert. Meine Blasen sind komplett verheilt und Sabine hatte ja nie welche. Also spricht nichts gegen eine weitere Bergtour. Voll bepackt, jeder hat 3,5 l Wasser an Board ( zum Vergleich, mein normales Gepäck wiegt 8 kg ) geht’s rasch zum 4 km entfernten Berg Mt. Tabor, den wir in einer Stunde erreichen. Weitere 4 km beträgt der Weg zur Bergspitze, wo die Verklärungsbasilika steht. Für diese Strecke benötigen wir Schlappe 3,5 Stunden. Der Einstieg gestaltet sich noch harmlos, doch nach bereits 500 m beginnt die Klettertour. Die Zeichen sind auf irgendwelche Felsen gepinselt, dazwischen ist nicht mal im Ansatz einen Weg erkennbar. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, und nach Luft japsen. Das Mehrgewicht ist auch nicht hilfreich, reduziert sich aber ziemlich schnell. Auf halber Strecke rasten wir auf einem Felsen, aber Sabine mahnt zur Eile, da die Kirche um 12:00 Uhr schließt. Man stelle sich vor, man quält sich hier hoch und steht dann vor verschlossener Türe. Die Laufintervalle werden immer kürzer, und die Stehzeiten immer länger. Gerade als wir denken, dass wir niemals ankommen werden, hören wir die Kirchenglocken 11 Uhr läuten. Dies gibt uns einen enormen Schub. Als wir um die nächste Kurve biegen, sehen wir die Kirche sogar. Sie ist umgeben von einer riesigen Naturstein Mauer, die das gesamte Gelände samt Parkplatz, Café und Souvenir Shop umgibt. Wir sehen alles, nur nicht den Eingang.
Wir laufen erst ein Stück an der Mauer entlang, bis wir an eine Stelle kommen, wo sie etwas ausgebrochen ist. Das ist unsere Chance. Ich mache Sabine vor, wie man mit kurzen zackigen Schritten und einem Sprung in die Tiefe auf der anderen Seite die Mauer überwindet. Und das Ganze mit möglichst wenig Aufsehen über die Bühne bringt. Circa 200 Asiaten beobachten mich bei dieser Aktion. Sabine folgt mir unauffällig und tadellos. Wir spazieren durch die Anlage, sehen uns alles an, und holen uns einen Stempel bei den Mönchen ab.
Der eigentliche Plan ist der, dass wir auf der anderen Seite absteigen und möglichst nahe an Nazareth heranzulaufen, um dann mit dem Bus in das Zentrum zu fahren. Wir unterhalten uns mit zwei israelischen Pilgerinnen und erzählen Ihnen von unserem Plan. Sie meinen, dann müssten wir uns aber beeilen, da ab 16 Uhr wegen des beginnenden Shabats kein Bus mehr fährt. Das heißt für uns, Sabine bekommt keinen Cappuccino, sondern es geht direkt abwärts. Tatsächlich erreichen wir den letzten Bus und können so sicher auf der verkehrsreichen Straße in die Stadt fahren. Nazareth ist komplett arabisch, doch unser Hostel ist unter christlichen Leitung. Wir beziehen ein Stockbett und schlendern anschließend durch die Altstadt von Nazareth, besuchen eine Moschee und die Verkündigungskirche, die über das Haus von Maria gebaut ist. An beiden Orten werden wir für morgen herzlich zum Gottesdienst eingeladen.
Dann schauen wir mal.
Abend geht’s noch richtig arabisch essen, und dann ab in die Koje.
Tag 48 29.09.2018
Ruhetag in Nazareth
Wetter: tagsüber heiss bei 30 Grad, am Abend frisch
Gut geschlafen, trotz Zehnerzimmer, stehen wir um 8:00 Uhr auf und genießen das arabische Frühstück. Äpfel mit Zimt und Kokus, verschiedene Pasten, Pita Brot, frische Tomaten und Gurken, Marmeladen und Obstsaft zieren das üppig gefüllte Buffet. Nur der Kaffee hat nicht die Qualität eines italienischen Cappuccinos.
Im Anschluss planen wir bereits die morgige Etappe, bevor wir uns auf den Weg zum Markt machen. Von unserem Hotel aus erreichen wir sämtliche Sehenswürdigkeiten die wir heute besuchen möchten zu Fuß, da wir mitten in der Altstadt von Nazareth wohnen.
Danach nehmen wir an einer Altstadt Führung teil, die vom Hotel- Rezeptionisten durchgeführt wird. Die Tour gestaltet sich hoch spannend und wirklich interessant, wir bekommen viel zu hören. Über die Geschichte von Nazareth, Bauweisen der Häuser, Lebensweise der unterschiedlichen Kulturen, anstehende Projekte für die Stadtentwicklung sowie die Geschichte des Hostelgründers.
Des Weiteren besuchen wir den orientalischen Basar mit seinen Markthallen, Gewürzeria, Süßigkeitenladen sowie den ältesten Kaffeeladen der Stadt. Überall kosten wir lokale Spezialitäten und erfahren etwas über deren Herstellung. Der Zimttee mit gestoßenem Haselnuss hat mir ganz besonders gut geschmeckt. Das Ganze ist kunterbunt, laut und multikulturell. Wieder zurück im Hostel angekommen, ziehen wir lange Hosen an, und Sabine schnappt sich Ihr Tuch, da wir als Zuschauer in eine Mosche eingeladen sind. Der Imam kommt nach Beendigung der Zermonie direkt auf uns zu und heißt uns in Israel im Allgemeinen und in seiner Mosche im Besonderen herzlich willkommen und beantwortet alle unsere Fragen. Außerdem stellt er sich noch für ein Foto zur Verfügung. Er betont mehrfach, dass sich der Islam von den Terroristen, die anscheinend im Namen von Allah töten, streng distanziert.
Mittlerweile haben wir einen Bärenhunger und gehen im Anschluss zum „Araber“ um die Ecke. So ganz genau wissen wir nicht was wir essen, es ist eine Art Döner ohne Döner Fleisch dafür mit Humus ( passierten Kicherebsen ).
Wieder im Hostel angekommen, geht erst mal die komplette Wäsche in die Waschmaschine und wir führen in unsere Badesachen die finale Etappenplanung für morgen durch. Sicherheitshalber reservieren wir auch gleich wieder ein Zimmer in einer Art Beduinendorf - ich bin gespannt, was uns Sabine da mal wieder eingebrockt hat. Um 20:30 Uhr ist eine Prozession in der Verkündigung Kirche, und zwar in allen Sprachen. Vielleicht sogar auch noch in schwäbisch.
Fest steht, Nazareth ist schwer zu toppen!!
Tag 49 30.09.2018
Von Nazareth nach Hadruf
Gelaufen: 22 km
Wetter: tagsüber heiss bei 30 Grad, am Abend frisch
Um 7 Uhr bringt uns der Bus zurück auf unsere Route, da Nazareth nicht unmittelbar am Weg liegt. Der Abschied fällt uns ein bisschen schwer, ein weiteres Hightlight unserer Reise geht zu Ende.
Gleich am Anfang geht’s steil bergauf, vorher füllen wir aber noch unsere Vorräte in einem Supermarkt auf, heute ist Sonntag, somit hat hier alles geöffnet. Nach 500 Metern möchte ich kurz im Buch nachschauen, ob wir richtig sind, doch -oh Schreck-ich habs im Supermarkt liegengelassen! Jetzt aber nix wie zürück, Sabine macht mir Augen und Beine! Mit dem Buch zurück kann’s endlich richtig losgehen.Auch heute ist die Strecke extrem anspruchsvoll, immer auf und ab, zudem ist es auch noch richtig heiss. Zweimal haben wir aber Gelegenheit, unser Wasser aufzufüllen, der Verbrauch ist hier einfach enorm ( ca. 5 Leiter pro Nase). Es ist aber extrem kurzweilig, weil wir Heute richtig viele Leute auf der gleichen Route treffen, die wir laufen. Immer wieder trifft man sich, meist an den wenigen Schattenplätzen, plaudert, isst und trinkt zusammen. Das letzte Stück laufen wir mit einem Franzosen und einem Holländer, bis zu unserer Übernachtungsmöglichkeit bei einem „Trail-Angell“. Etliche bekannte Nasen sind ebenfalls schon da, wir kochen zusammen und backen Pita-Brot auf dem offenen Feuer. Der Abend wird richtig lustig, zumal unser Gastgeber noch 2 Flaschen Wein beisteuert. Trotzdem gehen wir alle frühzeitig auf unsere am Boden liegenden Matratzen, wir sind 1O „shvilisten“ in der privaten Herrberge.
Tag 50 1.10.2018
Von Hadruf nach Kfar Hasidim
Gelaufen: 15 km
Wetter: tagsüber bewölkt bei bei 30 Grad, extrem schwül und 4 Tropfen Regen
am Abend frisch und Regen
Die Sechsergruppe jung geht bereits um 6:00 Uhr los, die Vierergruppe alt schläft noch eine Runde bis sie dann um 7.00 Uhr Frühstückt.
Danach geht’s dann aber auch für uns auf die Strecke. Deco, unser Gastgeber, läuft die ersten 500 m mit uns mit, und zeigt uns den Einstieg in den Shvil. Wir laufen heute den ganzen Tag zu viert zusammen, bis wir frühzeitig unser Ziel Kfar Hasidim erreichen. Wir belassen es heute bei dieser kurzen Etappe, da danach gleich ein heftiger Anstieg über 7 km von 0 auf 600 m ansteht, das schaffen wir heute nicht mehr. Die anderen beiden gehen etwas außerhalb des Ortes um ihr Zelt aufzuschlagen, während wir uns im Ort auf Zimmer Suche machen. Bedingt durch den heutigen Feiertag gestalltet sich dies mehr als schwierig. Wir sprechen mitten auf der Straße ein eine junge Frau an, die uns spontan für heute Abend ab 20:00 Uhr eine Übernachtungsmöglichkeit in ihrem Haus anbietet. Wir essen erst mal, und da es erst 14:00 Uhr ist, gehen wir noch ein bisschen Richtung Berg. Das Dorf ist wie ausgestorben. Ich spreche wiederum eine Familie an, die gerade in ihrer Hofeinfahrt ihr Auto putzt und frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Spontan lädt uns der Vater zu sich in sein Haus ein. Selbstverständlich nehmen wir diese Einladung an, und werden auch noch köstlich von seiner Frau bekocht. Wir unterhalten uns bei Bier und Wein sowie Lammfilet und grünem Salat , bis wir anschließend totmüde ins Bett gehen.