Tag 41
Datum: 9.10.2023
Etappe: von Gubbio nach Eremo San Pietro Vigneto
Gelaufen: 17 km
Reine Gehzeit: 5 h
Höhenmeter ↗️ 330 hm ↘️ 370 hm
Wetter: warm, sonnig, 25°
Nach einem ausbaufähigen Frühstück verlassen wir das schöne Gubbio.
Wir halten immer Ausschau nach einem Sockenladen, und verlieren dadurch unsere Route. Wir irren ein wenig umher, bis uns letztendlich ein Passant mit Pudel wieder auf den richtigen Weg bringt.
Als wir auf den Weg stossen, verschluckt uns die brasilianische Pilgergruppe ( ca 40 Personen ) aus der Pizzeria von gestern.
Der Weg ist schmal und wir haben keine Chance zu überholen. Deswegen passen wir uns ihrem Tempo an und laufen einfach 3 km mit, als ob wir dazu gehören.
Bei den ersten Bar die kommt, rasten wir sowieso und somit haben wir die Gruppe den ganzen Tag nicht mehr gesehen.
Es geht heute einen ganz ordentlichen Anstieg bergauf und oben haben wir einen
tollen Ausblick auf das Tal sowie zurück nach Gubbio.
Wir treffen heute auf einige Pilger ( Franzosen, Schweizer, Italiener und Portugisen ) und haben genügend Rast-Möglichkeiten, die wir auch entsprechend nutzen. So haben wir das gerne.
Als wir gegen 15:30 Uhr an unserem wunderschönen Domizil, der Einsiedelei San Pietro ankommen, liegt Steffi bereits im Gras und schläft.
Sie sieht meine vielen Tapes und sofort erhalte ich im Innenhof unserer schönen Herberge eine Physiotherapeutische Behandlung. Sie ist sehr streng und ermahnt, mich, mehr zu üben.
Die „Einsiedelei San Pietro“ ist der Knaller. Mönche wohnen hier keine mehr.
Dafür ein überaus nettes, freundliches und lustiges Hospitalero-Ehepaar.
Sie bekochen uns und wir verbringen einen lustigen Abend am großen Küchentisch.
6 Pilger sitzen mit am Tisch.
Das heutige Pilgermenü:
Es ist jetzt 20:50 Uhr. Wie sitzen alle zusammen im Innenhof und quatschen noch eine Runde mit einander. Deutsch, englisch, italienisch, portugiesisch. Alles durcheinander. Ich habe genügend Rotwein getrunken und verstehe daher alles😀
Tag 42
Datum: 10.10.2023
Etappe: von Eremo San Pietro Vigneto nach Valvabbrica
Gelaufen: 22 km
Reine Gehzeit: 6,5 h
Höhenmeter ↗️ 330 hm ↘️ 420 hm
Wetter: warm, sonnig, 26°
Wir waren alle im selben Zimmer und haben trotzdem sehr gut geschlafen.
Um 7:30 Uhr gibt es Frühstück. Danach gehen wir alle getrennt voneinander los.
Nach 6 km treffen wir uns alle in der einzigen Bar des Tages wieder. Auch die zwei Schweizer, die wir gestern schon einmal getroffen haben, stoßen dazu.
Vorbei ist die Zeit der komfortablen Wege der letzten Tage.
Die Wege werden abenteuerlich. Schmale Steige, bockige Karrenwege, das volle Programm.
Zeitweise ist der Weg trotz wochenlanger Trockenheit total aufgeweicht. Er führt durch Matschlöcher und einen Bach, der Gott sei Dank wenig Wasser führt.
Schließlich müssen wir wegen eines aufgestauten Stausees, den Weg komplett verlassen und einen Umweg von mehreren Kilometer in Kauf nehmen. Und das auch noch auf der Pferderoute. Rösser haben wir allerdings keine gesehen, dafür aber jede Menge Pferde Äpfel.
Wir überwinden kleine Schluchten, giftige Anstiege, Geröll, losen Schotter und asphaltierte Straßen.
Mir kann allerdings heute nichts passieren. Da Steffi seit der Bar mit uns läuft, habe ich sowohl meine Krankenschwester als auch meine Physiotherapeutin greifbar dabei. In der Pause machen wir prompt eine kleinere Einheit „Stretching“.
Bald sehen wir unseren Zielort vor uns, der allerdings auf dem Berg liegt. Ein letzter kurzer Anstieg steht an, den wir locker meistern.
Im Zentrum angekommen steuern wir direkt die erste Bar an.
Steffi ext ein kleines Bier, Sabine ihren EisKaffee Spezial und ich einen Aperol Spritz. Man, hat das gut getan.
Danach checken wir im Pilger Ostello „San Francesco“ ein, wo Sabine und ich ein Doppelzimmer erhalten.
Wie rasten jetzt erst eine Runde, bis es um 19:30 Uhr zum gemeinsamen Abendessen geht.
Assisi ist zum Greifen nahe!!!
Tag 43
Datum: 11.10.2023
Etappe: von Valvabbrica nach Assisi
Gelaufen: 16 km
Reine Gehzeit: 5 h
Höhenmeter ↗️ 490 hm ↘️ 420 hm
Wetter: warm, sonnig, 26°
Die heutige Etappe nach Assisi ist zwar kurz, hat es aber in sich. Kurze, heftige An- und Abstiege wechseln sich ab. Der Untergrund ist meist loser Schotter, und man muss vor allem bergab höllisch aufpassen.
Wir begleiten Steffi, die sich gewünscht hat, nicht alleine auf ihrer letzten Etappe nach Assisi zu gehen zu müssen. Sie ist zwar viel schneller als wir, wartet aber immer wieder auf uns.
Schon früh sehen wir die Silhouette von Assisi auf einem Berg in weiter Ferne, im Tagesverlauf kommt sie dann schnell näher und näher.
Bei Sabine geht es heute richtig schwer. Vor allem der letzte steile Anstieg bis zum Stadttor der Altstadt macht ihr richtig zu schaffen.
Hier fließen dann auch ein paar Tränchen.
Auf der letzten Rille erreichen wir die Basilika de San Francesco, suchen sofort das Grab auf und lassen uns den Stempel geben. Im angrenzenden Pilgerbüro gibt’s dann später noch das Testimonium für die Fusspilgerschaft auf dem Camino de Assisi.
Das Minimal Ziel unserer Pilgertour ist erreicht !!
Wir beglückwünschen Steffi, die ihren Camino hier und Heute beendet, und gehen anschließend alle zusammen in eine Bar, um eine Kleinigkeit zu essen.
Die Brasilianer mit den vielen Blasen laufen kurz darauf tatsächlich auch noch an uns vorbei. Sie haben es in dem Fall ebenfalls geschafft. Auch Ihnen herzlichen Glückwunsch. Wir werden sie hoffentlich noch ein paarmal sehen, denn sie gehen wie wir weiter bis Rom.
Nach dem Lunch sucht jeder seine Unterkunft auf, und wir verabreden uns für den Abend zum Abschiedsessen.
In unserem schönen Hostel angekommen- wie soll es anders sein- schlafen wir erstmal ein bisschen, wir sind sowas von platt!
Sightseeing gibt’s dann morgen.
Tag 44
Datum: 12.10.2023
Etappe: Ruhetag in Assisi
Gelaufen: 7 km Sightseeing-Tour
Reine Gehzeit: den ganzen Tag
Höhenmeter ↗️ 0 hm ↘️ 0 hm immer Auf und Ab, die Altstadt liegt am Hang
Wetter: warm, sonnig, 28°
Erst mal lang und gut geschlafen.
Danach geht’s zum Pilgerbüro neben der Basilika de San Francesco. Wir müssen noch unsere Personalien dort abgeben. Anschließend erhalten wir die Urkunde über die Fusspilgerschaft nach Assisi.
Im Anschluss besichtigen wir nochmals ausführlich und in aller Ruhe die wunderschöne Basilika, mit ihren tollen Wandmalereien und Fresken aus dem Leben des Franziskus. Bis auf die Malereien ist die Kirche ziemlich schlicht gehalten.
Unten in der Krypta befinden sich die Gräber des Franziskus und einigen seiner Minder-Brüder.
Spannend und interessant ist auch die Reliquienkapelle mit verschiedensten Stücken aus der Zeit Franziskus und Claras.
Im Schlepptau von Sabine, schlendere ich in Gottes Namen auch noch durch die Souvenirmeile. Ein Laden gleich dem anderen.
Vor allem kann man überall das „TAU“-Zeichen in allen Variationen kaufen.
Franziskus verwendete das „TAU“ immer als Abschluss unter seinen Briefen und Segenswünschen.
Es ist der letzte Buchstabe im hebräischen Alphabet und bedeutet „Rettung/ Erlösung“.
Heute ist das „TAU“ das Symbol der franziskanischen Spiritualität, die sich in der Liebe zum Frieden, dem Frohsinn und der Bewunderung für die Schöpfung ausdrückt.
Nur mit Mühe kann ich Sabine von einem Kaufrausch abhalten, mit dem Hinweis wir müssen alles bis nach Rom tragen und auch im Flugzeug ist das Gewicht vom Gepäck limitiert.
Immerhin bekommen wir auch noch ein paar Socken für mich. Sabine sagt, wenn ich die wieder verliere, gibt’s keine mehr!
Die Meile endet auf der großen Piazza del Comune, mit schönem Rathaus und Springbrunnen. Gleich um die Ecke befindet sich die „Chiesa di santo Stefano“, wo der Legende nach, die Glocke beim Tode von Franciskus von selbst angefangen hat zu läuten.
Wir könnten hier im Zentrum ungefähr noch sieben weitere Kirchen besichtigen, ziehen es aber vor, einen ausgiebigen Mittagsschlaf zu halten.
Wieder aufgewacht, trinken wir auf der belebten Piazza einen Cappuccino, bevor wir um 18:00 Uhr in die Pilgermesse gehen.
Es ist unfassbar, wie viele Leute in der Stadt sind. Die engen Gassen sind voller Menschen und Autos fahren auch noch durch.
Gestern Abend haben wir eine Friedensprozession eines kompletten Gymnasiums mit 800 (!!) Schülern aus Osnabrück durch die Straßen gehen sehen.
Jeder hatte eine brennende Kerze, und sie haben auch gesungen. Das war wirklich ergreifend.
Hoffentlich hilft es, denn die Welt ist gerade dermaßen aus den Fugen.
Ansonsten ist die Stadt am Abend ziemlich leer, d.h. es sind überwiegend Tagestouristen hier.
Nach der Kirche gibt’s das zweite Abschiedsessen mit Steffi, und morgen geht es für uns weiter in Richtung Rom.
Tag 45
Datum: Freitag, den 13.10.2023
Etappe: von Assisi nach Foligno
Gelaufen: 20 km
Reine Gehzeit: 6 h
Höhenmeter ↗️ 30 hm ↘️ 100 hm
Wetter: heiß, wolkenlos, sonnig, 29°
Der Ruhetag war wichtig und hat uns beiden gut getan.
Da Sabine erfahrungsgemäß trotzdem immer nach einem Ruhetag schwächelt, wählen wir heute die „Easy Going“ Route.
Wir steigen also hinab ins Tal statt auf den Berg, vorbei am großen Busparkplatz, wo bereits die ersten Reisegruppen eintreffen.
Die Route führt durch die Ebene, auf Radwegen, Fußgängerwegen und auch mal ein Stück auf der Straße. Aber man spart 3 km und mindestens 1.200 Höhenmeter.
Landschaftlich gibt der Weg Heute natürlich nicht viel her. Dafür haben wir immer wieder schöne Rückblicke auf das am Berg liegende Assisi. Man hat das Gefühl, der Hang dreht sich immer in unsere Blickrichtung. Ständig bleiben wir stehen und schauen immer wieder zurück.
Wir laufen hin und wieder durch kleine Ortschaften, somit gibt es auch genügend Bars zum Rasten und wir brauchen keinen Proviant und kein Wasser mit uns zu tragen.
Im Ort Spello, das ähnlich wie Assisi in einen Berghang hineingebaut ist, treffen beide Routen ca 6 km vor unserem Zielort wieder zusammen.
Hier läuft man tatsächlich ca. 3 km unmittelbar neben der Autobahn entlang, bis zur Unterführung die direkt an den Stadtrand von Foligno führt.
Sabine quasselt ununterbrochen und wird dabei immer langsamer. Ich weise sie an, sich auf den Verkehr zu konzentrieren, weniger zu quaken und schneller zu laufen.
Worauf sie sagt „als Frau kann ich alles drei gleichzeitig:
„konzentrieren, quaken und laufen“ 😬 haha ~ haha ~ haha
Entlang des Weges sehen wir einige Oliven Heine, die langsam zur Ernte vorbereitet werden. Der Rasen wird niedrig gemäht und die Netze werden ausgelegt.
Die Stadt ist lang gezogen, es dauert einige Kilometer, bis wir im Stadtzentrum sind.
Am Piazzo Repubblica treffen wir auf eine französische Pilgerin, die genau umgekehrt läuft, nämlich von Rom nach Assisi. Wir unterhalten uns kurz, dann geht jeder seines Weges.
Unweit der Piazza finden wir das Ostello „Palazzo Pietrantoni“, wo wir gleich einchecken können. Das Zimmer hat den Charme einer Gefängniszelle.
Der Garten dagegen ist sehr schön.
Während wir im Garten Vespern und unsere Wäsche aufhängen, kommen auch die beiden Brasilianer an. Wir hoffen, dass noch einige weitere Pilger hinzu kommen.
Tag 46
Datum: 14.10.2023
Etappe: von Foligno nach Settecamini
Gelaufen: 22 km
Reine Gehzeit: 7 h
Höhenmeter ↗️ 290 hm ↘️ 280 hm
Wetter: teils bewölkt, warm, 26°
Schon heute Morgen hat’s angefangen, ich komme nicht so richtig in die Gänge, da
Ich im „Knast“ ziemlich schlecht geschlafen habe.
Auch die Stadt Foligno wirkt etwas unsympathisch, ist laut und dreckig. Die Steigerung aber war gestern Abend die Pizzeria, die Sabine ausgesucht hat. Es kachelt und scheppert unterbrochen aus der halb offenen Küche, dazu laute Musik, lautes Personal und die Gäste schreien auch wild durcheinander. Ständig fällt etwas auf den Boden und die Stühle haben keine Filzgleiter.
Der Gag war allerdings, dass man die Pizza meterweise bestellen kann. Zudem gibt es auch noch glutenfreie Pizza.
Wie dem auch sei, Sabine sagt, das ist alles Schnee von gestern und macht mir Beine. Ich drehe mich ein paar mal im Kreis und suche irgend wie immer irgendetwas. Sabine kapituliert, und geht in voller Montur zurück ins Bett.
Schließlich bin auch ich bereit fürs Frühstück. Überraschenderweise ist es Heute für italienische Verhältnisse richtig gut.
Gestärkt gehen wir ziemlich spät los und verlassen die Stadt durch die Süd Porta.
Es dauert einige Kilometer über Hauptstraßen, Ampeln und Kreisel, ehe wir die Stadt hinter uns lassen.
Schon aus der Ferne sehen wir unser Zwischenziel „Trevi“, dass, wie viele Altstädte hier in Umbrien, oben auf dem Berg thront. Das heisst, ein ordentlicher Anstieg steht an.
Oben angekommen, streuen wir die erste Bar an und treffen prompt auf die Brasilianer, die immerhin 1 Stunde vor uns los gelaufen sind.
Steil bergauf heißt, es geht auf der anderen Seite auch wieder steil bergab. Gar nicht gut für meine Knie. Dafür ist der Blick auf halber Höhe zurück unschlagbar. Ebenso der Panorama Blick ins Tal. In der Ferne sehen wir zudem Assisi und Spello.
Der Weg geht jetzt wellig auf und ab, durch kleine Weiler und unterhalb der Burganlage von Pissignano durch.
Im Tal angekommen machen wir 2 km vor dem Ziel eine weitere Rast in einer Bar.
Ab jetzt geht es auf einem Fußweg entlang der Hauptstraße, vorbei an den Quellen „Fonti del Clitunno“. Ein ehemaliges, römisches Quellheiligtum. Früher standen hier Tempel und Villen. Heute ist es ein Vergnügungspark.
1 km weiter erreichen wir unser Tagesziel Settecamini und ich bekomme sofort einen Nervenzusammenbruch.
Unser Quartier, das einzige im Ort, steht direkt an der viel befahrenen Hauptstraße.
Und die Senora gibt uns auch noch ein Zimmer zur Straße. Da ich schon gestern schlecht geschlafen habe, mache ich, laut Sabine, einen „Zwergenaufstand“.
Trotz ausgebuchtem Haus, gibt uns die Gastgeberin nach kurzem Zögern doch noch ein Zimmer nach hinten raus. Gott sei Dank. Die nächste Unterkunft ist nämlich erst in 12 km, und es ist bereits 17.30 Uhr.
Heute bin ich dran mit Restaurant aussuchen. Blöd nur, dass es nur ein Einziges gibt.
Irgendwie ist heute nicht mein Tag.
Datum: 15.10.2023
Etappe: von Settecamini nach Spoleto
Gelaufen: 16 km
Reine Gehzeit: 4 h
Höhenmeter ↗️ 120 hm ↘️ 10 hm
Wetter: leicht bewölkt, windig, 24°
Passend zum gestrigen Tag, war das einzige Restaurant vor Ort, was ich ja aussuchen durfte, ausgebucht.
Ich spreche nochmals mit meinem tollen Italienisch mit dem Wirt von Gastronom zu Gastronom, und siehe da, er findet ein Plätzchen für uns und platziert uns im Billardraum. Na also, wir sind zufrieden.
Das Essen war fein und geschlafen haben wir in unserer umstrittenen Unterkunft auch gut. Nur leider gibt es hier, so wie im ganzen Ort, kein Frühstück. Somit machen wir uns halt ohne auf den Weg.
Der Camino heute ist einfach und anspruchslos, erst auf dem Radweg und später auf einem Schotterweg. Immer flach geradeaus. Hin und wieder kommt mal eine Kurve. Das ist schon ein bisschen zäh.
Und es kommt, wie befürchtet, auf der ganzen Strecke keinerlei Versorgung- und Rastmöglichkeit. Somit laufen wir 12 km am Stück durch, bis zum Stadtrand von Spoleto.
Wir setzen uns sofort in die erstbeste Bar und kombinieren Frühstück mit Lunch. Das spart Zeit und Geld.
Nach der wohlverdienten Pause meistern wir die letzten Kilometer bis ins Zentrum ohne Mühe. Allerdings liegt die Altstadt, wie immer, oben auf dem Berg.
Aber unten, direkt hinter der Stadtmauer, finden wir unsere heutige Unterkunft, das „Casa Ospitalita Nazareno“.
Es handelt sich um ein Altersheim, das auch einfachste Zimmer für Pilger anbietet.
Wir fragen an, schließlich sind wir ja auch nicht mehr die Jüngsten, und sie haben ein Zimmer frei.
Wir legen unser Gepäck ab und steigen leichten Fußes zur Altstadt hinauf, bis zum Dom „Santa Maria Assunta“.
Hier wurde Antonius von Padua im Jahr 1232 - ein Jahr nach seinem Tode - von Papst Gregor heiliggesprochen.
Die Kirche ist geschlossen. Sabine ist sauer, mir ist es eigentlich Wurst.
Heute Abend ist der Plan, dass wir in der Neustadt essen, um diesen Anstieg, und vor allem auch den Abstieg, nicht noch einmal bewältigen zu müssen. Denn morgen steht wieder eine Tour mit vielen Höhenmetern an.
Tag 48
Datum: 16.10.2023
Etappe: von Spoleto nach Ceselli
Gelaufen: 19 km
Reine Gehzeit: 8 h
Höhenmeter ↗️ 730 hm ↘️ 800 hm
Wetter: bewölkt, 22°
Auch heute gibt es wieder ein ansprechendes Frühstück vom Buffet. Die Frühstücksfrau steht hinter dem Tresen und bedient einen, so dass man nicht zu viel nimmt.
Wir werden dennoch satt.
Der Aufstieg beginnt sofort und macht uns schwer zu schaffen.
Zuerst durch die Altstadt, anschließend zum Eremo „Monte Luco“ mit kurzer Rast. Anschließend geht’s weiter zum höchsten Punkt des Tages „Forcella Castel Monte“ auf 950 m.
Wir sind eigentlich schon fix und fertig, doch das Schlimmste steht uns noch bevor.
Zunächst laufen wir relativ eben durch einen wild romantischen Steineichenwald.
Die langsam wachsende Eichenart ist nur bedingt winterhart, weswegen sie nur in den südlichen Regionen wächst. Sie hat ein tiefes, üppiges Wurzelsystem (das haben wir gemerkt). Dazu kommt, dass sie egoistisch ist und viel Platz braucht. Ein sogenannter Solitärbaum, der auch noch leicht giftig ist.
Und dann kommt er, der unfassbar steile, bockige Abstieg voller Wurzeln und Steine.
Jeden Schritt muss man bewusst setzen. Blicke ins Tal sind verboten, weil man sonst sofort ins stolpern gerät, sobald man sich nicht auf den Weg konzentriert. Ohne Stöcke ist man hier verloren.
Mann, Mann, Mann.
Als es grad besonders schwierig ist, hat ein netter Künstler an den Ruinen eines verfallenen Dorfes viele Steine entlang des Weges nett bemalt, man läuft von Blume zu Blume.
Bestimmt wurde das zur allgemeinen Aufmunterung gemacht. Hat bei uns schonmal geklappt, wir kriegen grad einen Motivationsschub !
In Ceselli angekommen, checken wir gleich bei der ersten am Weg liegenden Herberge „Locanda Il Ruscello“ ein, die zwar ihre Saison bereits beendet hat, aber für Pilger ganzjährig geöffnet ist.
Entsprechend ist auch das Restaurant geschlossen und einen Supermarkt im 250 Seelendorf gibt es auch keinen.
Gerne nehmen wir das Angebot unserer Gastgeberin an, die uns heute Abend ins 3 km entfernte Restaurant fährt.
Anscheinend erwartet sie noch zwei weitere Pilger. Während wir auf der Terrasse sitzen und relaxen, kommen die beiden auch schon angelaufen: Es sind unsere altbekannten Brasilianer.
Tag 49
Datum: 17.10.2023
Etappe: von Ceselli nach Arrone
Gelaufen: 17 km
Reine Gehzeit: 4 h
Höhenmeter ↗️ 200 hm ↘️ 160 hm
Wetter: sonnig, locker bewölkt, 24°
Wir wachen auf, und auf das Dachfenster über unserem Bett tropft der Regen.
Schnell die Augen zu und weiter schlafen. 1 Stunde später hört der Regen auf, und bis wir Abmarsch bereit sind, ist der Himmel blau und die Sonne scheint.
Das war heute eine Etappe nach unserem Geschmack.
Der Weg schlängelt sich mehr oder weniger eben durch das Neratal, und rechts und links türmen sich die Berge auf, auf die wir heute nicht hinauf steigen müssen.
Wir sehen von unten, wie die Ortschaften wie Adlerhorste in die Berge hinein gebaut sind. Wahnsinn. Hier in Umbrien haben wir das schon des Öfteren gesehen.
Die alten italienischen Siedlungen wurden traditionell auf Anhöhen, Hügeln und Bergen gebaut. An Orten also, die sich gut verteidigen ließen und die trocken und nebelfrei waren. Auch die Römer bewohnten zuerst die Hügel Roms, da die Täler oft sumpfig waren.
Trotzdem ist es für mich unbegreiflich, wie man so einen Aufwand betreiben konnte.
Die Städte sind dann später nach unten gewachsen, so dass die Altstadt und das Zentrum immer oben liegen. Sieht cool aus, ist aber wahnsinnig unpraktisch.
Der Weg ist wirklich kurzweilig. Hin und wieder sehen wir große Olivenplantagen und wir kommen an Ortschaften und Weilern vorbei. Ab und zu lässt sich zudem der Fluss Nera neben uns blicken.
Nach 10 km stoßen wir im Ort Ferentillo auf einen Alimentary, der direkt neben einer Bar liegt. Draußen Tische und Stühle in der Sonne. Ich stürme in den Laden, während Sabine in die Bar rennt. Auf dem Tisch ist nachher ein buntes Durcheinander an Essen und Getränken.
Wir verweilen fast 1 Stunde an diesem sonnigen Platz.
Da langsam Wolken aufziehen, mahne ich zum Aufbruch. Die letzten Kilometer laufen wir mit 5 km/h wirklich schnell, da laut meinem Wetter App bald der Regen einsetzt.
Früh erreichen wir unseren wunderschönen Zielort Arrone.
Unser Hostel mit tollem Blick auf die Stadt unter uns und die Stadt Montefranco im Berg gegenüber, liegt oben in der Altstadt. Dieser kleine Anstieg stellt für uns nach der heutigen Flachetappe kein Problem dar.
Später geht es zuerst durch die Altstadt und dann da runter in die Neustadt, wo wir einige Besorgungen machen und in einer Pizzeria zu Abend essen.
Die Wolken haben sich zwischenzeitlich wieder verzogen, Regen hat es auch keinen gegeben. Für morgen ist er allerdings wieder angekündigt, wir werden sehen.
Tag 50
Datum: 18.10.2023
Etappe: von Arrone nach Piediluco
Gelaufen: 16 km
Reine Gehzeit: 5 h
Höhenmeter ↗️ 150 hm ↘️ 100 hm
Wetter: bewölkt, regnerisch, 22°
Heute bin ich als Erster wach, stehe auch gleich auf, weil meine Wetter App für 15 Uhr Regen meldet.
Sabine schläft noch ein bisschen länger und ist aber trotzdem vor mir fertig.
Bis heute verstehe ich nicht, wie so etwas möglich ist.
Wir verlassen gegen 8.30 uhr ziemlich früh unser Casa.
Wir suchen eine Frühstücksbar, einen Geldautomaten und die Kirche zum abstempeln unseres Pilgerpasses. Schließlich sehen wir noch einen vermeintlichen Sockenladen, der dann doch keiner ist, drehen uns dreimal im Kreis und sind 1 Stunde später immer noch am gleichen Punkt, haben aber schon 2 km auf dem Tacho.
Jetzt geht’s aber wirklich los.
Am Ortsende steht uns ein garstiger Hund im Weg. Sabine hat bereits den Rückwärtsgang eingelegt. Ich sag zu ihr:“Stell dich nicht so an, stell dir einfach vor, es ist ein Rindvieh!“
Ich halte also den Hund in Schach, bis Sabine an ihm vorbeigelaufen ist.
Ab jetzt laufen wir zügig die ersten 7 km bis kurz vor Marmore.
Es folgt ein satter 1,5 km langer Anstieg bis ins Ort.
Hier gibt es einen 165 m hohen Wasserfall der bereits 290 v.Chr. von den Römern angelegt wurde.
Leider sind wir 10 Minuten zu spät, denn um 12:00 Uhr wird er abgeschaltet. Zudem kostet die Besichtigung auch noch zehn Euro Eintritt. Wir sparen uns das Ganze und setzen uns in eine kleine Bar am Ortsausgang.
Ein Blick zur Uhr, es ist jetzt 12:30 Uhr, die letzten Kilometer schaffen wir locker bis um 15:00 Uhr der Regen einsetzt.
Ich rufe gleich noch bei der Pilgerherberge an, um die Übernachtung zu buchen.
Just in diesem Moment fängt es an zu regnen. Meine App hat mich ver- Appelt.
Und das nicht zum ersten Mal.
Jetzt wird es doch noch hektisch. Wir packen hurtig zusammen, Sabine muss noch bezahlen, während ich die Rucksäcke Regendicht einpacke.
Schnellen Schrittes geht’s dann auf die letzten 5 km immer am See entlang.
Um 14.45 Uhr sind wir leicht durchnässt am Ziel ( wir hätten es also vor dem Regen geschafft) und warten in der Kirche auf unseren Mitpilger, der uns in die Herberge hinein lässt, da der Pfarrer verhindert ist. Wir belegen ein Zimmer mit Stockbett und da es eine Küche gibt, koche ich heute Abend für uns drei.
Als der Regen aufhört, gehen wir noch in die Bar am See auf einen schnellen Drink.
Danach geht’s zum Einkaufen in den Alimentari am anderen Ende des Ortes. Der Laden gibt ziemlich viel her, Nudeln, Tomaten, Mozarella, Kopfsalat, Meeresfrüchte, Äpfel, Salami, Parmesan, Rotwein, Wasser und Brot.
Gut, dass Sabine mit dabei ist, das hätte ich alles gar nicht alleine tragen können!
Ich freu mich auf das Essen und einen lustigen Abend.