Tag  11 - 20


Tag 11-11.8.2016 
Von Montjovet-Berriaz nach Pont Saint Martin
Gesamtstrecke: 25 km 
Reine Gehzeit:   6,5 Stunden
Wetter: durchweg sonnig, 25 Grad, leichtes Lüftchen
Trotz Straßenlärm schlafen wir bis 9 Uhr! Hurtig gehen wir frühstücken, packen anschließend zusammen und sind um 10.30 startklar. Die ersten 10 km geht's erstmal steil bergauf und bergab, was mal wieder mächtig anstrengend ist. Nach der Hälfte der Strecke rasten wir in einem schönen, riesengroßen Restaurant ausgiebig ca. 1,5 Std! Da es schon 15 Uhr ist, sind wir ganz alleine im Lokal. Nach der Pause läuft sich der Weg wunderbar. Relativ eben, nur mässige Auf- und Abstiege, die Berge um uns herum werden deutlich niedriger. Da wir spät los sind und lange pausiert haben, sind wir erst kurz nach 19 Uhr an unserem Tagesziel Pont Saint Martin. In einem Haushaltswarenladen am Weg kaufen wir uns zwei Stücke Gardinenstoff, die wir in der Poebene als Moskitonetz verwenden wollen, das war ein guter Rat von Maria, der flotten Holländerin. Hoffentlich treffen wir sie nochmal wieder. Als wir aus dem Laden kommen werden wir aber erstmal von unserer altbekannten italienischen Gruppe begrüßt. Sie empfehlen uns ihr Hotel als Übernachtungsmöglichkeit und wir fackeln nicht lange und quartieren uns dort ein. Nach dem Essen sitzen wir noch mit ihnen zusammen und unterhalten uns blendend. Zudem kriegen wir noch ein Konzert eines spanischen Orchesters, das direkt vor dem Hotel aufspielt (Matze hat noch beim Aufbauen der Trommeln geholfen!)
Als letzte verlassen wir erst spät das Restaurant und schauen noch ein bisschen Olympia, heute haben wir nämlich einen Fernseher!

Tag 12-12.8.2016 
Von Pont Saint Martin nach Ivrea
Gesamtstrecke: 27 km 
Reine Gehzeit:   6 Stunden
Wetter: durchweg sonnig, 25 Grad, am Morgen teilweise heftiger Gegenwind 

Das Frühstücksbuffet schliesst um 9:00 Uhr, wir kommen erst um 9:15 Uhr.
Die Frühstücksfrau  mahnt uns zur Eile. In Turbogeschwindigkeit schlingen wir das trockene Croissant und den Kaffee hinunter.
Um 10:30 Uhr geht's los. Das Aostatal neigt sich mehr und mehr dem Ende zu, dennoch müssen wir heute noch einmal ein paar heftige Anstiege bewältigen.
Ansonsten ist die Strecke sehr gut zu gehen, wir kommen gut voran.
Trotz Konditionsaufbau steckt Sabine die gestrige Strecke immer noch in den Knochen. Ich dagegen fühle mich schmerzfrei. 5 km vor dem Tagesziel essen wir wir noch ein Eis, und freuen uns bald da zusein. 
Dem ist leider nicht so, aus den letzten 5 km werden nämlich 10 km. Die Via Francigena meint es mal wieder gut mit uns, und führt uns an zwei Seen sowie einem Schloss vorbei.
Alles sehr schön, aber irgendwie dennoch unnötig. Ein Pilger mit noch 900 km vor sich  hat, möchte nicht jeden Tag ein Schloss besichtigen. 
Beim Abgleich der gelaufen Kilometer stelle ich fest, dass meine Uhr plötzlich die Angabe in Meilen anzeigt. Es wird selbstverständlich heute Abend korrigiert.
Wer erreichen dennoch unser Tagesziel Ivrea um 19.15uhr.
Die Zimmersuche gestaltet sich mal wieder schwierig. Aber eine freundliche Hoteliersfrau bietet uns ihre Hilfe an und telefoniert mit mehreren Unterkünften.
Schließlich kann sie uns zwei Betten in einer richtigen Pilgerherberge reservieren.
Ich bin begeistert, endlich finde ich eine Küche vor , in der ich selbst kochen kann.
Ich kaufe ein und koche, laut Sabine, als wäre Napoleon mit seiner gesamten Armee ebenfalls zu Gast am Tisch. 
Alles kein Problem, wir treffen auf alt bekannte Gesichter: die italienische Gruppe, das holländische Ehepaar welches sich am St. Bernard verlaufen hat und der junge Hausbursche sitzen letztendlich alle mit am Tisch - und alles wird ratzebutz verspeist. 
Wir verbringen einen geselligen Abend und es wird mal wieder spät, so wird das wieder nichts mit dem Frühaufstehen!

Tag 13 - 13.8.2016 
Von Ivrea nach Viverone
Gesamtstrecke: 26 km 
Reine Gehzeit:   6 Stunden
Wetter: durchweg sonnig und heiß, 30 Grad 


Super geschlafen bei offenem Fenster und rauschendem Bach. 
Wir wachen erst auf , als alle Pilger bereits das Hostal verlassen haben. 
Wir machen uns ein schönes und ausgiebiges Frühstück zurecht, die Hospitalera hat einiges für uns im Vorfeld hergerichtet.
Erst um 11.00 Uhr ziehen wir los. In Ivrea zeigt die Via Franciena in alle möglichen Richtungen- frei nach dem Motte: Alle Wege führen nach Rom! Das kann einen auf Dauer ganz schön verwirren. 
Gefühlsmäßig such Sabine einen Wegweiser aus, dem wir folgen. Es ist keine schlechte Entscheidung - nicht einmal haben wir uns verlaufen und sind entsprechend immer auf der richtigen Spur. Das Streckenprofil ist einfach und so kommen wir gut voran.
Erst nach 17 km rasten wir in einer kleinen Bar und treffen auf unsere Zimmergenossen  vom Ostello in Ivrea. Die Frau ist ziemlich KO, sodass sie entscheiden die heutige Nacht in Piverone zu verbringen. Auch Sabine zeigt erste Verschleißerscheinungen an den Füßen, dass sie zum wechseln der Wanderschuhe gegen die Sandalen veranlasst.
Zum Glück hast sie sich beim Kauf der Trecking- Sandalen für die teuere und bessere Variante entschieden, was ihr nun zu Gute kommt. Die letzten 9 km gehen sich wie von selbst. Es steht für uns außer Frage, dass wir die kommende Nacht direkt am Ufer vom Lago Viverone verbringen werden, was einen Umweg von 1 km bedeutet- dank Sandalen ist das aber kein Problem. Wir quartieren uns in einem Campingplatz ein, wenngleich das Innenleben vom Caravan nicht gerade der Brüller ist - aber für € 9,00 pro Person inkl.  Poolbenützung und Wäscheservice ist das mehr als ausreichend.
Wir dösen und baden noch eine Stunde am Pool ehe wir am Abend die Promenade entlang flanieren und das Abendessen in einem schick-feinen Restaurant einnehmen, welches auf Stelzen gebaut im Wasser steht. Dies ist nur deshalb möglich, da noch Luft im Tagesbudget vorhanden ist.
Auf dem Rückweg zum Campingplatz nehmen wir noch einen letzten Gute Nacht Cappuccino.

Tag 14 - 14.8.2016 
Von Viverone nach Santhia
Gesamtstrecke: 21 km 
Reine Gehzeit:    4,5 Stunden
Wetter: heiß, 32 Grad 
Bis morgens um 4.00 Uhr ist an der Strandpromenade Live- Musik. Entsprechend unruhig schlafen wir und verschlafen auch prompt am nächsten Morgen. 
Wir nehmen nur ein kurzes Frühstück auf dem Campingplatz und schauen, dass wir loskommen. Ein letzter Blick zum See, und um 11:00 Uhr geht's los. Nach 1 km sind wir wieder auf der richtigen Spur. Die letzten Anstiege vom Aostatal lassen wir hinter uns, und tauchen in die Poebene ein: Flach, heiß und monoton. Endlose Reisfelder, Maisfelder, Kiwi- und Obstplantagen. Ein Eldorado für Frösche und Stechmücken,  die uns den ganzen Tag über begleiten. In weiser Vorahnung, haben uns gut mit Autan einen Tag vorher eingedeckt. Die angepeilte Mittagspause in Cavaglia- dem einzigen Ort an der Strecke heute ,nach 10 km-  fällt leider aus, da alle Bars und Läden geschlossen haben. Bravo. Zwischen zwei Höfen legen wir uns ins Gras und essen unsere kargen Vorräte aus dem Rucksack. Rechts und links von uns werden wir mit dauerndem Gebell von den Hofhunden beschallt. Somit ist auch diese Rast von kurzer Dauer. Nach nach 30 Minuten brechen wir wieder auf. Die Strecke zieht sich endlos, und unser Wasservorrat geht langsam aber sicher zur Neige. Schatten gibt es quasi keinen. Endlich erscheint Santhia am Horizont. Die letzten 2 km laufen wir auf der heißen Hauptstraße, weil wir aus versehen dem Zeichen der Radpilger gefolgt sind. Wir wissen jetzt:  rot - weiß - rot ist das Logo für Fusspilger und blau mit der Felge für Radpilger.
Wir laufen durch den völlig ausgestorben Ort bist zum Kirchplatz. Während Sabine sich auf eine Parkbank legt und keinen Mucks mehr von sich gibt, kümmere ich mich mit Hilfe von zwei Turiner Passanten um das Quartier bei der Kirchengemeinde. Der freundliche Küster zeigt mir ein wunderschönes Zimmer - leider im 4.Stock- dass wir für diese Nacht ganz für uns alleine haben. Die Bezahlung erfolgt auf Spendenbasis. Ganz gut!
Wie werden gebeten uns ins Pilgerbuch einzutragen und erhalten eine freundliche Einladung zum Gottesdienst, der wir gerne nachkommen. Der monotone Singsang und der übertrieben viele Weihrauch lassen uns beide beinahe einschlafen. Die älteren Damen hinter uns schauen etwas pikiert drein.
Nach der Kirche gehen wir ins erstes beste Wirtshaus und Essen heute richtig viel zu Abend.
Beim ausziehen meine Schuhe stelle ich fest, dass ich mir eine Blase gelaufen habe. Sabine sticht sie auf und versorgt sie professionell.

Tag 15 - 15.8.2016 
Von Santhia nach Vercelli
Gesamtstrecke: 27,5 km davon 15 km mit dem Zug und 12,5 zu Fuß
Reine Gehzeit:    3 Stunden
Wetter: sehr heiß, 36 Grad 

Heute möchten wir sehr früh losgehen, ein langer Tag mit einer Gesamtstrecke von knapp 30 km quer durch die Reisfelder liegt vor uns.
Um 7.00 Uhr stehen wir auf, verpflastern unsere Füße und um 8.00 Uhr stehen wir startbereit auf der Straße. Sabine kommt einmal mehr nicht in Ihre Wanderschuhe, da ihre Füße stark angeschwollen sind und läuft deshalb in Sandalen los. Auch heute ist die Stadt wie ausgestorben, aber ein Café hat dennoch offen, wo wir unser Standartfrühstück zu uns nehmen. Je ein Cappuccino und Croissant.
Eigentlich möchten wir im örtlichen Schuhladen für Sabine neue Treckingschuhe kaufen, laut Aushang öffnet der Laden erst um 10.00 Uhr. Solange möchten wir aber nicht warten und laufen los.
Der Schotterweg quer durch die Reisfelder ist voller Geröll und deshalb für Sabine schwer zu gehen. Die Sohle ist viel zu dünn und absolut ungeeignet für einen Untergrund wie diesen. Sie spürt jeden Stein. Im einzigen Dorf nach 12 km wollen wir pausieren und uns verpflegen. Aber auch hier kein Mensch auf der Straße, alle Läden und Bars haben geschlossen. Wir laufen am Bahnhof vorbei und entscheiden in Anbetracht der Situation, dass wir noch knapp 800 km vor uns haben, die restlichen 15 km nach Vercelli mit dem Zug fahren.
Während wir versuchen den Fahrplan zu lesen und zu verstehen kommen zwei Radfahrer vorbei, die uns behilflich sind. Ich möchte festhalten, dass auch sie als Italiener sich sehr schwer tun, den Plan zu kapieren. 
Nebenbei erfahren wir von Ihnen, dass heute Feiertag ist- logisch- Maria Himmelfahrt! 
In Vercelli angekommen suchen wir ein nettes Hotel, da wir morgen nach bisher gelaufenen 350 km einen Ruhetag einlegen werden. 
Nach einem richtig ausgedehntem Mittagsschlaf flanieren wir durch die Stadt und gehen essen. 

Tag 16 - 16.8.2016 
Ruhetag in Vercelli
Gesamtstrecke: 7 km 
Reine Gehzeit:    Ganzer Tag
Wetter: sehr heiß, 36 Grad 

Wir schlafen tief, gut, fest und lange bis 9.15 Uhr.
Nach ausgiebigem Frühstück, beginnen wir unsere heutige "to do Liste" abzuarbeiten:
Bank, Apotheke, Sportladen, Supermarkt und Post.
Irgendwie hat man das Gefühl, dass sich Italien selbst blockiert. Es war nicht möglich, in einer öffentlichen Bank sFr. 200 in Euro umzuwechseln.
Und um 12:00 Uhr schließen wieder die meisten Geschäfte wegen Siesta bis 16.00 Uhr. Zudem hat man das Gefühl, dass mehr oder weniger alle Schuhläden im August wegen Urlaub geschlossen haben. Aus unserer Sicht als Tourist schwer nachvollziehbar, muss man aber akzeptieren. Wir sind in Deutschland halt schon gut aufgestellt. Andere Länder, andere Sitten.
Tatsache ist: wir brauchen neue Schuhe für Sabine ! 
Von einem der Bänker erfahren wir, dass "weit außerhalb" der Stadt im Industriegebiet ein großes Outdoor- Center durchgehend geöffnet hat. Das hört sich doch gut an. Wir laufen ca 2 km zum Taxistand am Bahnhof, da es nicht möglich ist, ein Taxi telefonisch zu bestellen - unglaublich. Das "weit außerhalb" entpuppt sich als ganze 2 km. Anstatt zum Bahnhof, hätten wir gleich dorthin laufen können.
Macht nix, der Laden dagegen  ist eine Wucht. Riesengroß mit einer immensen Auswahl.
Sabine probiert gefühlte 400 Paar Schuhe. Meine Aufgabe besteht darin, sie ständig mit neuen Modellen zu versorgen. Ich kenne jede Regalreihe mittlerweile auswendig. Zum Schluss kann sie sich zwischen zwei Paar nicht entscheiden, also kaufen wir beide Paar. Eins der Paare ist allerdings mit € 15,00 sehr günstig. Weitere Kleinigkeiten kommen hinzu wie Creme, Pflaster, Nagelschere, Tape und Mückenschutz. Kurzum, unser Tagesbudget für die nächsten drei Tage ist vollkommen ausgeschöpft.
Zurück laufen wir natürlich, hierbei können wir in den mittlerweile wieder geöffneten Geschäften unsere restlichen Besorgungen machen.
Wieder im Hotel angekommen, machen auch wir Siesta. Es ist ja schließlich unser Ruhetag. Anschließend machen wir Sabines alte Schuhe versandtfertig, der freundliche Hotelier bringt sie morgen zur Post. Das Abendessen haben wir im Supermarkt besorgt und dürfen es im Frühstücksraum verzehren. 
Der Ruhetag ist dringend nötig, wir regenerieren gut und morgen geht's mir neuem Elan und neuen Schuhen weiter!

Tag 17-17.8.2016 
Von Vercelli nach Robbio
Gesamtstrecke: 23 km 
Reine Gehzeit:    5 Stunden
Wetter: sehr heiß, 35 Grad 

Den Luxus eines TV auf dem Zimmer haben wir voll ausgenutzt. Die halbe Nacht glotzen wir Olympia: Fußball, Bahnrad, Reck, Wasserball, Beach Volleyball, Turmspringen - wir waren ja richtig erfolgreich. 
Die zweite Hälfte haben wir gut geschlafen. Um 7.45 Uhr sind wir verpflastert, gesalbt und verpflegt auf dem Weg zu unserem heutigen Etappenziel Robbio. 
Wir möchten vor der großen Hitze ankommen. Das Streckenprofil ist einfach und flach und die Etappe relativ kurz. Sabine läuft in ihren neuen 7 Meilen Stiefel ( die teurere Variante ) hurtig los. Anfangs kann ich ihrem Tempo nicht folgen, weiß aber, dass dies von kurzer Dauer sein wird - wie immer halt. Die Schwierigkeit heute ist, dass zwischen dem Anfang und Ende der Etappe keine Rastmöglichkeit besteht. Überall nur staubige und scharfkantige Schotterwege , links und rechts Reisfelder mit Bewässerungsgräben, Milliarden von Stechmücken, kein Schatten und kein Lüftchen. 
Nach ca 12 km wagen wir eine Rast an einer Steinbankgruppe. Binnen kürzester Zeit werden wir von einer schwarzen Stechmückenwand angegriffen. Dem können wir nur dank Autan und Gesichtsschutznetz widerstehen.
Gerade als wir die Rast vorzeitig beenden, rauschen im Stechschritt 3 Pilger an uns vorbei. Zwei Italiener und eine Bulgarin. Voller Panik rufen sie uns zu, dass in Robbio alle Betten restlos belegt sind und die nächste Möglichkeit ist erst nach weiteren 16 km besteht. Sie haben bereits alle Herberge telefonisch kontaktiert. Als routinierte Pilger mit Jacobsweg Erfahrung bleiben wir dennoch gelassen - zumal Sabine eh immer langsamer wird - war ja klar. 
Mit dem Ziel einen Kilometer vor Augen kommt der Totaleinbruch von Sabine. 20 km ohne Pause hinterlassen eben ihre Spuren, ihr Akku ist einfach leer. Aber wir habens ja gleich geschafft. Am Ortseingang wechselt Sabine wieder auf ihre geliebten Sandalen - dennoch sind die neue Schuhe super gut. 
Im Stadtzentrum angekommen erkundigen wir uns bei Passanten über eine Übernachtungsmöglichkeit. Ein junger Mann rät uns im Rathaus ( Municipio ) nachzufragen. Der Dorfpolizist welcher gerade an der Pforte verweilt, sieht uns, zückt sofort einen Schlüssel und führt uns in ein ausrangiertes Büro. Dieses befindet sich im Obergeschoss vom Rathaus. Es ist mit zwei Notbetten ausgestattet. Neben an ein Bad, eine Küche und noch ein weiteres Büro mit zwei Notbetten. Pilgerherz was willst du mehr. Die Übernachtung ist auf Spendenbasis - wir geben € 10,00 pro Person.
Im örtlichen Supermarkt besorgen wir unser Abendessen - Insalata Mista- Nektarinen- Brot und Käse- welches wir im Stadtpark verzehren. Auch hier sind wir einigen Stechmücken -Attacken ausgesetzt.
Im gegenüberliegenden Café des Rathauses lassen wir den Abend bei einem Glas Vino ausklingen.
Das Frühstück ist auch gerettet - das Café öffnet bereits um 5.00 Uhr. 


Tag 18-18.8.2016 
Von Robbio nach Montara
Gesamtstrecke: 20 km 
Reine Gehzeit:    5 Stunden
Wetter: bedeckt, 30 Grad 
Bereits um 7:15 Uhr machen wir uns auf den Weg. Es ist bewölkt und vereinzelt sehen wir Regentropfen auf dem Boden, es scheint, dass es letzte Nacht etwas geregnet hat. Entsprechend ist es auch etwas kühler als sonst. 
Forsch gehen wir los, und erleben das gleiche Bild wie gestern. Reisfelder, Bewässerungsgräben und Mückenschwärme. Die Poeben ist lang, das Bild wird sich also in den nächsten Tagen nicht ändern. Das  einzige Dorf, durch das wir nach ca. 10 km kommen, ist wie ausgestorben und alles ist geschlossen.
Wir rasten auf einer Bank vor der Kirche und verzehren unsere mitgebrachten Vorräte.
Bereits um 13:00 Uhr haben wir unser Tagesziel Mortara erreicht.
Wiederum fragen wir bei der lokalen Policia nach dem Weg. Wir möchten heute in der Abtei Sant Albino übernachten. Der freundliche Polizist ist sehr hilfsbereit, teilt uns mit, dass die Abtei etwas außerhalb der Stadt liegt und reserviert uns auch gleich zwei Schlafplätze. Da das Kloster erst ab 15:00 Uhr geöffnet sein wird, essen wir in der Stadt noch eine Kleinigkeit.
Obwohl wir eine halbe Stunde zu früh da sind, werden wir sofort hereingelassen.
Der Schlafsaal, welcher auch gleichzeitig als Speisesaal dient, kann bis zu 10 Pilger beherbergen und wird heute ganz voll. Wir sind mit Abstand die ältesten Gäste, das restliche Publikum besteht aus vorwiegend junge Studenten. Kein Wunder, die Übernachtung ist auf Spendenbasis.Nach Erledigung unserer Pilger-Aufgaben ( Wäsche waschen, duschen, Füße salben, Mittagsschlaf ) sitzen wir im schönen Klostergarten, ehe wir um 19:00 Uhr in den Schlaf-Speisesaal zum gemeinsamen Abendessen gehen. Wir sind eine lustige Runde und nach dem Essen gibt's noch ein bisschen Smaltalk.

Tag 19 - 19.8.2016 
Von Montara nach Garlasco
Gesamtstrecke: 24 km 
Reine Gehzeit:    5 Stunden
Wetter: bedeckt, 27 Grad 

Mit einer herzhaft und rauchig unterlegten Stimme werden wir freundlich und bestimmt mit einem "Bonjorno" aus unsern Träumen gerissen.
Nach einem gemeinsamen Frühstück verlassen wir als letzte der 8 Mann -Truppe um 7.45 Uhr die schöne Herberge.
Es läuft sich heute wunderbar auf weichen sandigen Wegen. Außerdem gibt es viele Rastmöglichkeiten. Bereits an der ersten - nach 7 km - treffen wir auf unsere lustigen Zimmergenossen. Sie sind dabei, telefonisch die Herberge für die kommende Nacht zu buchen. Sie fragen ob wir auch Interesse haben - dankend nehmen wir das Angebot an, da auch unser Tagesziel Garlasco ist.
Die Gruppe zieht weiter während wir noch einen Cappuccino trinken.
Nach weiteren 10 km werden wir in einem Ort von einem wild fuchtelnden und gestikulierenden Mann "eingefangen" und zu seinem Innenhof geführt.
Wer sitzt da schon bei Wasser und Kuchen? Unsere gemischte Pilgertruppe.
Während wir da sitzen ,smaltalken und die gereichte heimische Wurst verzehren, bekommt der Mann einen Anruf mit der Nachricht "weitere Pilger im Anmarsch" auf sein Handy.
Er stürmt wiederum auf die Straße, schwingt sich auf sein in ital. Farben bemaltes Klappfahrrad um der belgischen Pilgertruppe entgegen zu fahren um sie einzufangen.
Anstandshalber stehen wir auf um Platz zu machen und ziehen weiter. Wir lassen die Gruppe ziehen und gehen unser eigenes Tempo. Im Ort angekommen fragen wir einen Passanten nach dem Weg zur Pilger Herberge "Exodus".
Mit großen Augen fragt er: " Waas, nehmen die dort jetzt auch Pilger auf ?"
Er erklärt uns den Weg und wir gehen mit gemischten Gefühlen dort hin.
Ca 1 km außerhalb liegt das Anwesen mit großem Garten und vielen Tieren. Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Beim Einchecken erklärt uns die Hospitalera , dass dies ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche Jungs ist, und die Versorgung von Pilgern Teil des Programms ist. Ok. Wir lassen uns nichts anmerken und beziehen unsere Zimmer, Männer und Frauen getrennt. Wir erledigen unsere Routine-Pilgeraufgaben und unterhalten uns wunderbar mit den Anderen. Um 19.30 werden wir lautstark zum Essen gebeten. Die Jugendlichen haben gekocht und den Tisch hergerichtet. Sie bedienen und bewirten uns vorbildlich und wir essen alle zusammen an einer endlos langen Tafel. Pilger, Jugendliche, Betreuer. Die Stimmung ist super und das Essen vorzüglich! Nach dem Essen quatschen wir noch ein bisschen, ehe wir zu Bett gehen.


Tag 20 -20.8.2016 
Von Garlasco nach Pavia
Gesamtstrecke: 25 km 
Reine Gehzeit:    6 Stunden
Wetter: bedeckt, leichter Regen 30 Grad 

Um halb acht gehen wir ohne Frühstück  vor der Gruppe los. Kurz vor der ersten Ortschaft holen Sie uns ein und wir frühstücken alle gemeinsam. Alice hat einen wunden Zeh und zieht in Erwägung, von hier aus mit dem Zug nach Pavia zu fahren. Sabine versorgt sie mit Voltaren Tabletten, und nach dem Frühstück entscheidet sie sich doch, zu laufen. Sie läuft mit uns, da wir doch etwas langsamer sind als die anderen. Wir unterhalten und super und laufen locker flockig durch die Reisfelder und an kleinen Weilern vorbei. Die Landschaft gibt auch Heute nicht viel her und die Moskitos sind nach wie vor in Scharen unterwegs. An den Rastplätzen treffen wir immer wieder die restliche Gruppe. Bei solch einer Rast erfahren wir ganz nebenbei, dass in Pavia bereits Betten in einer von Nonnen geführten Herberge für uns alle reserviert sind. Bravo, super Service!! Wir beschließen, am Abend nochmal alle gemeinsam zu essen, da sich die Gruppe morgen auflöst: Einer der Italiener und Alice beenden ihren Camino hier, die beiden Holländer bleiben einen Tag in Pavia, Paul fährt ein Stück mit dem Zug, da er es sonst nicht nach Rom schafft. Nur Nico und wir gehen morgen weiter. 
Nach der letzten Rast gehen wir mit Alice vor der Gruppe los, und wir gehen ziemlich zügig, wie ich finde. Nur den letzten Kilometer fällt Sabine in ihren obligatorischen Langsammodus, aber die anderen überholen uns nicht mehr. An der Herberge angekommen, sind die aber schon da! Wie geht das denn? Sie meinen, das liegt an ihrem niederländischen Reiseführer. Wers glaubt, die sind doch geflogen! Wir checken bei einer Nonne ein, die mit uns allen ein bisschen überfordert ist. Zuerst will sie Frauen und Männer in getrennten Räumen unterbringen, dann will sie doch die Ehepaare zusammen haben. Wir müssen alle ein paar mal die Zimmer wechseln, bis sie mit der Verteilung zufrieden ist. Alles super, die Zimmer sind ganz neu und Sabine und ich haben eins für uns alleine. Am Abend gehen wir alle zusammen in eine Pizzeria, wo wir gemeinsam essen, nachdem wir den Wirt mit unserer Bestellung in den Wahnsinn getrieben haben. Danach gehen die Mädels brav nach Hause, während die Jungs noch das olympische  Fussballfinale in einer Kneipe anschauen.
Beim Stande von 1:0 für Brasilien nach einem Wahnsinn Freistoß von Neymar beschließe ich auch ins Bett zu gehen - für mich reicht eine Silbermedaille vollkommen aus. Schauen wir mal wie's ausgeht.