Tag 21
Datum: 19.09.2023
Etappe: Ruhetag in Bologna
Gelaufen: 5 km
Höhenmeter ↗️ 0 m ↘️ 0 m
Reine Gehzeit: 5 Std.
Wetter: sonnig, warm 28°
Wir schlafen bis um zwölf, der Körper sagt danke.
Heute ist natürlich Sightseeing angesagt.
Wir beginnen mit der Basilika San Domenico, die direkt neben unserem Hotel steht.
Ein riesiger Bau 60 m lang und 45 m hoch. Gefüllt mit Gemälden, Skulpturen und anderen Kunstschätzen.
Wir klopfen an der Sakristei, um nach einen Stempel zu fragen. Der Priester öffnet uns, fragt nach dem Woher und Wohin und bittet uns dann herein.
Wir erhalten unsere Stempel und werden dann an das in der Sakristei aufgebaute Mittags-Buffet eingeladen. Circa 20 Geistliche verbringen hier ihre Mittagspause bei Pizza, Käse, Thunfisch, Brötchen, Rotwein und Bier - und wir mittendrin.
Die Einladung kommt uns nicht ungelegen, da wir noch nichts gegessen haben.
Logo - wir sind ja auch erst aufgestanden.
Weiter geht’s zu den zwei Geschlechter Türmen Garisenda 97 m und Arsinelli 47 m.
Eigentlich würden wir gerne hinauf steigen, aber die Anmeldung erfolgt online über eine App und ein definiertes Zeitfenster. Das ist uns schlicht zu umständlich.
Stattdessen machen wir eine Stadtrundfahrt im Latscharizügle.
Während wir auf unseren City Zug warten, treffen wir auf eine Gruppe Deutscher Rom Pilger aus Münster. Wir haben sie sofort an den gekreuzten Schlüsseln auf ihren Rucksäcken als Rom-Pilger identifiziert und sprechen Sie an. Wir unterhalten uns eine Weile, leider werden wir die sympathische Truppe nicht mehr treffen, da sie eine andere Route über Florenz gehen. Buon Camino und ultreia!
Wir haben somit doch schon den ein oder anderen Rom Pilger angetroffen.
Die Stadtrundfahrt ist sehr interessant, wir sehen viel und erhalten noch mehr Informationen.
Mozart wurde hier unterrichtet
Verschiedene kulinarische Köstlichkeiten wurden hier erfunden
( Tortellini, Tagliatelle, Lasagne, Mortadella, Bolognese Soße, Reis Kuchen, Makkaroni, Lambrusco )
Es gibt unzählige Kirchen mit gotischen Rundbögen
Hier steht seit 1088 die älteste Universität der westlichen Welt
Es gibt eine lange Tradition des Violinenbaus
Die Stadt verfügt über ein unterirdisches Kanalsystem, was auch Heute noch teilweise zur Stromerzeugung genutzt wird
Aufgrunddessen wird die Stadt auch die Fette, die Gelehrte ( La Dora ) und die Künstlerische genannt.
Die wichtigsten Personen sind allerdings:
Luigi Galvani ( 1780 ) - der per Zufall mit dem Froschschenkel Experiment den Galvanismus erfand - Stromnachweis
Guglielmo Marconi ( 1897 ) der Mann, der das Radio erfand.
Nach der Stadtrundfahrt besichtigen wir die Basilika San Pedronio ein ebenso gewaltiger Bau, wie die Basilika Domenico mit ebenso vielen Kunstschätzen.
Wir schlendern noch ein wenig über Plätze und durch Gassen, essen ein Eis, ehe wir ins Hotel gehen, um vor dem Abendessen, noch ein bisschen zu schlafen.
Wir sind beide etwas angeschlagen mit einer leichten Erkältung ( ich hab Sabine angesteckt) und brauchen Kraft für Morgen, da steht die erste Bergetappe durchs Apennin an, und das nach wochenlangem Flachlandlaufen.
Tag 22
Datum: 20.09.2023
Etappe: von Bologna nach Settefondi
Gelaufen: 20 km
Höhenmeter ↗️ 480 m ↘️ 190 m
Reine Gehzeit: 6,5 h
Wetter: bewölkt, ein paar Tropfen Regen, 25°
Vom Zentrum nehmen wir den Bus zum räußeren Stadtring, wo es ruhiger und vor allem sicherer zu laufen ist. Schnell finden wir dann den Weg.
Ich fühle mich nach dem Ruhetag top ausgeruht und stark wie ein Bär, während Sabine, wie nach dem letzten Ruhetag, Anlaufschwierigkeiten hat und meinem Tempo nicht annähernd folgen kann. Komischerweise sind wir trotzdem gleichzeitig am Ziel angekommen.
Nachdem wir Bologna endgültig verlassen haben, geht es durch einen großen Nationalpark, abwechslungsreich über Strässchen und Schotterwege, Pfade und auch einmal entlang der Hauptstraße.
Wir pilgern durch die Collie d Imola, eine Hügellandschaft am Rande des Apennin.
Anfangs geht’s noch flach. Gegen Ende sind dann aber doch ordentliche Anstiege zu bewältigen.
Angekommen am höchsten Punkt sehen wir auf der rechten Seite, das Apennin und auf der linken Seite die Poebene. Bei klarem Wetter sieht man anscheinend bis zur Adria.
Am Ortsschild Settefonti suchen wir verzweifelt den Ort, finden ihn nicht und lassen uns von einer örtlichen Beschilderung täuschen. Somit laufen wir 1,2 km in die falsche Richtung. Irgendwann bemerken wir unseren Irrtum und korrigieren ihn sofort.
Settefonti ist kein Ort, sondern eine Streusiedlung ohne Zentrum ohne Geschäft und ohne Bar.
Wir finden dann aber ohne weitere Schwierigkeiten unser Quartier, wo wir auch das Abendessen bekommen.
Unsere Gastgeberin Claudia ist perfekt auf Pilger vorbereitet. Sie weiß, dass es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt, und begrüßt uns mit Wasser und einem kleinen Snack. Es gibt einen Wäsche Raum, genügend Wäscheständer und ein großes Pilgerzimmer mit Fernseher und Bad, genügend Sitzgelegenheiten und draußen eine Hollywoodschaukel.
Für unsere Ansprüche genügt das völlig. Die normalen Urlauber sind etwas komfortabler im Gästehaus neben dem Haupthaus untergebracht.
Im Zimmer gibt es vier Betten, wir sind gespannt, ob heute noch jemand kommt. Wir hoffen es, dann könnten wir uns noch ein bisschen mit Gleichgesinnten austauschen.
Um 19:00 Uhr sollen wir uns zum Abendessen im Pavillon vor dem Haus einfinden.
Aber vorher schlafen wir noch eine kleine Runde, zumal es eh grad zu regnen beginnt.
Tag 23
Datum: 21.09.2023
Etappe: von Settefondi nach San Martino in Pedriolo
Gelaufen: 20 km
Transfer: 4 km
Höhenmeter ↗️ 430 m ↘️ 650 m
Reine Gehzeit: 6,5 h
Wetter: sonnig, locker bewölkt, 25°
Heute geht’s früh los, bereits um 8:15 Uhr sind wir auf der Piste.
Es geht wieder munter auf und ab durch schöne Landschaften ohne jegliche Markierungen. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und in unserem Buch lesen, wo der Weg langgeht.
Weingüter, Olivenplantagen und landwirtschaftliche Flächen auf der einen Seite, schroffen Felsen auf der anderen Seite.
Die zum Teil steilen, riesigen Äcker werden mit schweren Kettenfahrzeugen bewirtschaftet. Keine leichte Aufgabe für die Bauern hier.
Das schönste Weingut, das mir aufgefallen ist, hatte sogar ein kleines Kolosseum in der Mitte, wahrscheinlich für Events.
Nur einmal haben wir die Möglichkeit zur Einkehr. Deshalb müssten wir relativ viel Wasser und Verpflegung mit uns tragen. Claudia hat uns ein schönes Lunchpaket gemacht. vielen Dank.
Seit ein paar Tagen bin ich mit Batscher und Berni in Kontakt, die zur Zeit Urlaub in Süd- Italien machen.
Seit vorgestern sind sie auf der Rückreise und wollen versuchen, uns heute zu treffen. Ich gebe immer wieder unseren aktuellen Standort durch, damit sie wissen, wo wir uns gerade bewegen.
Tatsächlich haben sie uns einige Kilometer vor unserem Ziel Ort in Empfang genommen. Die Freude ist natürlich riesengroß. Man muss halt erst nach Italien reisen, um sich mal wieder zu treffen.
Sie packen uns in ihr Auto und wir fahren gemeinsam zu unserem 4 km entfernten Ziel Ort - direkt in die einzigste Bar im Umkreis. Dort verbringen wir einen außer-ordentlich lustigen Nachmittag bei Snacks, Drinks und Kaffee.
Nach 3 Stunden nehmen die beiden ihre Heimreise wieder auf, während wir noch 1 km zu unserer heutigen Unterkunft im Casa Pellegrini im Pfarrhaus der Kirchengemeinde laufen.
Hier gibt es alles: Wohnzimmer, Küche, zwei Schlafzimmer, Waschmaschine und ein Bad. Der Kühlschrank und Vorratsschrank für das Abendessen und das Frühstück ist reichlich gefüllt und dies alles gibt’s auf Spendenbasis.
Aus Mangel an anderer Gelegenheit nehmen wir das Angebot gerne an.
Heute Abend gibt’s Spaghetti Napoli a la Matthias. Schade, dass nicht noch weitere Pilger da sind. Ich hätte gerne für mehrere Personen gekocht.
Morgenfrüh gibt’s Toast, Butter und Marmelade.
Wir haben großzügig gespendet, Signora Morena ist mit uns sichtlich zufrieden 😀
Den Blog kann ich erst morgen nachreichen, sobald ich mich irgendwo ins WLAN einwählen kann. Hier gibts nämlich keines.
Tag 24
Datum: 22.09.2023
Etappe: von San Martino in Pedriolo nach Tossignano
Gelaufen: 26 km
Höhenmeter ↗️ 680 m ↘️ 520 m
Reine Gehzeit: 8 h
Wetter: bewölkt und Regen, 22°
Heute Morgen mache ich uns zum Frühstück Spiegelei mit Speck. Lecka 😀
Danach gehen wir leicht verspätet los und müssen gleich wegen einem Aggro Hund,der seinen Hof verteidigt, einen Umweg von 2 km laufen. Das fängt super an.
Danach läuft es sich sehr gut obwohl es stetig bergauf geht.
Das Wetter ist noch trocken und wir haben nach wenigen Kilometer bereits 250 Höhenmeter geschafft.
Immer wieder haben wir tolle Aussichten auf die außergewöhnlichen Berge.
Wie rasten nochmals nach 8 km im idyllischen Vallselustra und essen zur Stärkung noch ein Eis.
Dann geht es abermals ganz gut bergauf.
Am entscheidenden Punkt fängt die Diskussion an. Wir können entweder die Straße 4 km bergab gehen - wie langweilig. Alternativ wäre eine Abkürzung über den Berg, in nettem auf und ab, wo wir anderthalb Kilometer einsparen können.
Sabine ist natürlich für die Sicherheitsvariante, zumal es nun leicht anfängt zu regnen. Laut Buch soll die Bergstrecke bei Regen nicht begangen werden.
Ich persönliche bevorzuge die Abkürzung, zumal uns laut Buch ein spannender Ritt bevorstehen wird. Sabine folgt mir wiederwillig,
Am Anfang geht sich der Weg noch ganz gut. Dann überqueren wir ein freies Feld und unter unseren Schuhen bilden sich wegen dem immer stärker werdendem Regen dicke Matschstollen. Leider gibt es von diesem Streckenabschnitt keine Bilder, da ich wegen dem Starkregen das iPad tief im Rucksack verstauen musste.
Sabine ist still wie ein Mäuslein nur ab und an höre ich einen wüsten Fluch hinter mir.
Dabei wollte sie doch unbedingt hier lang gehen……
Nach Ende des Feldes wird’s doch langsam auch noch ein wenig gefährlich. Nah an der Kante zum Abgrund müssen wir einen schmalen Steig bewältigen. Ich wundere mich immer wieder, warum außer uns hier überhaupt niemand läuft ???
Schlussendlich kommen wir wieder auf einen breiten Wanderweg und von dort aus wieder auf die Asphalt Straße.
Wir stellen fest, dass wir für die anscheinend nur 3 km lange Strecke schlappe 3 Stunden gebraucht haben. Da kann ja wohl was nicht stimmen. Tatsächlich, der Kilometer Zähler zeigt 5 km mehr an, also in Summe 8 km statt 3 km.
Das nenn ich mal eine Abkürzung! Sehr seltsam. Wir wissen echt nicht, wo wir falsch gegangen sind. Ist ja auch egal, jetzt sind wir kurz vor dem Zielort Borgo Tossignano angekommen.
Wie gehen zum Albergo Richi und stellen fest, dass es mittlerweile ein Altersheim ist. Ganz toll.
Gut, dass um die Ecke eine Eisdiele ist. Wir setzen uns fix und fertig auf die überdachte Terrasse, es regnet ja immer noch in Strömen. Zwischenzeitlich ist es bereits 17:00 Uhr und wir haben noch keine Unterkunft für die heutige Nacht. Wir tragen dem Eisdielenwirt unser Anliegen vor und er greift sofort zum Telefon und führt das eine oder andere Gespräch. Dann kommt er freudestrahlend auf die Terrasse und teilt uns mit, dass er uns im Ostello ein Zimmer gebucht hat. Super. Es sind nur noch 3 km bergauf nach Tossignano. Wir packen zügig zusammen und sind 1,5 Stunden später am Ostello. Es ist schön, günstig und wir erhalten die Nummer vom Pizzaservice, so dass wir das Haus nicht mehr verlassen müssen.
Wir sind echt platt 🙂
Abpfiff in Stuttgart
3:1 gegen Darmstadt
Tabellenführer - jetzt schläft sich’s noch besser !!
Tag 25
Datum: 23.09.2023
Etappe: von Tossignano nach Brisighella
Gelaufen: 15 km
Bustransfer: 9 km
Höhenmeter ↗️ 360 m ↘️ 490 m
Reine Gehzeit: 5 h
Wetter: sonnig warm 29°
Um 3:30 Uhr heute Nacht wache ich auf und denk: ich stopfe lieber die Schuhe nochmal mit neuem Zeitungspapier aus, die waren ja richtig nass gestern.
Sabine verkennt die Situation, steht sofort auf und fängt an zu packen. Ich sag ihr, es ist noch mitten in der Nacht, darauf hin geht sie sofort wieder ins Bett und schläft weiter. Faszinierend, von 0 auf 100 und von 100 auf 0 und das in 2 Minuten!
Um 7.30 Uhr stehen wir dann endgültig auf und sind nach kurzem Frühstück um 8.30 Uhr abmarschbereit.
Bereits gestern Abend haben wir versucht, auf der Etappe nach Brisighella nach ca. 20 Km eine Übernachtung zu buchen. Es gibt genau drei Albergos unterwegs, und alle sind geschlossen! Somit bleibt eigentlich nur die Möglichkeit bis Brisighella (30 km ) durch zulaufen. 1000 m hoch und 1200 m runter.
Für uns definitiv nicht machbar. Trotzdem laufen wir erst mal los und beschließen, am einzigen Ort durch den wir laufen ( ca 10 km ) einen neuen Plan zu machen.
Zu Anfang 160 m Abstieg im Anschluss 360 m Aufstieg und das Ganze auf schmalen Pfaden mit losem Geröll, Wurzeln und Steinen. Teilweise fast zugewachsen. Höchste Konzentration ist gefragt, zumal manche Stellen vom gestrigen Regen noch nass sind.
Den Gewaltmarsch von gestern immer noch in den Beinen kommen wir heute sehr schwer voran. Als wir am höchsten Punkt angekommen sind, geht alles wieder nach unten bis zum bis Ort Borgo Rivola.
Hier setzen wir uns in die einzigste Bar am Weg. Es ist bereits 12:30 Uhr. Somit haben wir für die 10 km 4 Stunden benötigt. Es wären jetzt nochmals 20 km und nochmals zwei solcher Berge. Schon allein zeitlich geht sich das nicht aus.
Wenn wir jetzt wieder auf den nächsten Berg gehen, kommt keine Ortschaft mehr. Wir müssen jetzt entscheiden, was wir machen: Durchlaufen auf der Route, Berge und schöne Landschaft inbegriffen, auf der Straße weiterlaufen, da sind es nur 10 km ohne Berge, dafür mit viel Verkehr und ohne Fußgängerweg, oder den Bus nehmen.
Wir überlegen kurz, und beschließen dann ausnahmsweise mal einstimmig: Wir nehmen den Bus, wir sind Heute einfach zu langsam und zu kaputt.
In Brisighella angekommen, laufen wir vom Busbahnhof ins Zentrum, schauen uns ein bisschen um und suchen uns dann eine Unterkunft. Nach kurzer Zeit werden wir im Internet 2 km außerhalb fündig. Gottseidank gibt’s hier auch etwas zu essen, dass wir nicht zurück in den Ort laufen müssen.
Morgen müssen wir schauen, wie wir wieder auf unsere Route kommen.
Tag 26
Datum: 24.09.2023
Etappe: von Brisighella nach Modigliana
Gelaufen: 16 km
Höhenmeter ↗️ 490 m ↘️ 420 m
Reine Gehzeit: 4 h
Wetter: bewölkt, Regen, wenig Sonne, 22°
Um 7:00 Uhr steht Sabine als erste auf und öffnet den Fensterladen. Es gießt in Strömen. Was bedeutet, wir können noch eine Runde schlafen.
Um 9:00 Uhr stehen wir schließlich auf und gehen gemütlich frühstücken. Wir reihen uns am Buffet in die Holländer Gruppe ein, als wären wir mit ihnen im Urlaub.
Die Wetter App gibt Entwarnung ab 10:30 Uhr.
Um 10.45 Uhr geht’s dann tatsächlich los. Wir finden unsere Route bald, und es geht sofort bergauf. Auf einer Anhöhe schauen wir zurück auf auf den Ort Brisighella und die Berge, wo wir herkommen. Wir haben das Gefühl, dass wir mutterseelenallein auf der Welt sind, wir begegnen heute keiner einzigen Menschenseele.
Unterwegs sehen wir die riesigen Schäden, die die diesjährigen Unwetter im Frühsommer und Anfang August angerichtet haben. Berghänge sind abgerutscht, Straßen abgebrochen und Häuser stehen plötzlich am Abgrund. Einige Passagen und Wege sind verschlammt und noch immer nicht begehbar. Es finden nach wie vor Aufräumarbeiten statt.
Beim Abstieg haben wir einen schönen Blick auf unseren Zielort Modigliana und die Berge die wir noch durch wandern werden.
Ich mach ein bisschen Dampf, weil hinter uns bereits dicke schwarze Wolken aufziehen und wir erreichen früh um 15.00 Uhr unseren Ziel- Ort. Die Etappe Heute war kurz und knackig, und wir sind sie aus Mangel an Gelegenheit ohne nennenswerte Pause durchgelaufen.
An der großen Piazza setzen wir uns in eine Bar und essen genüsslich zum Mittag.
Wir nutzen die Zeit um uns für morgen im Refugio in Marzanella anzumelden und erfahren dort, dass es wegen des vor einigen Tagen stattgefundenen Erdbebens nicht bewohnbar ist. Auch weitere Herrbergen sind anscheinend davon betroffen, so dass wir die nächsten Tage wohl öfter mit Schwierigkeiten zu rechnen haben.
Für morgen buchen wir uns das „Albergo Marzanella“, das hat immerhin schon mal funktioniert.
Nach dem Essen beziehen wir unser Zimmer im B&B mit Sternenwand und Wölkchen an der Decke.
Sabine findet es „entzückend“, ich finde es voll kitschig.
Mir dagegen gefällt das Bad, ich fühle mich wie im Wohnmobil.
Klein, praktisch, Dusche und Klo in einem und man kann auf keinen Fall umfallen.
Jedenfalls ist es für unsere Zwecke völlig ausreichend, und unsere Gastgeberin wäscht auch noch unsere Wäsche, mille Grazie!
Tag 27
Datum: 25.09.2023
Etappe: von Modigliana nach Marzanella
Gelaufen: 20 km
Höhenmeter ↗️ 700 hm ↘️ 290 hm
Reine Gehzeit: 6,5 h
Wetter: bewölkt, später sonnig, 23°
Um 7.00 Uhr sind wir wach. Um 8:00 Uhr gehen wir zum Frühstücken in die Bar. Und um 8:30 Uhr sind wir in der Apotheke. Danach geht’s endgültig los.
Obwohl wir wissen, dass der Weg über die Burg schlecht zu gehen ist, nehmen wir ihn trotzdem, da wir uns nicht wieder verlaufen wollen.
Erst geht’s noch ganz gut, dann übertrifft der Weg unsere schlimmsten Befürchtungen. Dornen, Büsche, Gestrüpp, und umgefallene Bäume, Löcher und ein Hausdach müssen überwunden werden. Der Weg ist eigentlich gar nicht mehr vorhanden.
All das sind noch Schäden von den vorangegangenen Unwettern. Für mich als Jäger und Treiber stellt dies keine Schwierigkeit da, bei Sabine siehts natürlich ganz anders aus.
Normalerweise hab ich ja immer eine Motorsäge im Lada, aber der ist heute leider nicht hier.
Unter hohem Energie- und Zeitaufwand meistern wir dennoch diese Strecke.
Der restliche Weg ist gut begehbar und geht stetig bergauf und bergab. Lediglich einige Passagen sind noch etwas verschlampt, oder es liegen noch Hindernisse im Weg, die man aber gut umgehen oder übersteigen kann.
Heute gibt es Natur pur. Keinerlei Dörfer oder sonstige Zivilisation und vor allem keine Versorgungsstelle sind am Weg. Zudem sind auch heute wieder keine anderen Menschen unterwegs.
Wir rasten einmal kurz bei einem kleinen Hexenhäuschen, ansonsten heißt es durch-marschieren.
Die letzten 3 km geht’s mäßig auf und ab in einem Nationalpark mit duftenden Kieferwäldern.
Die Strecke zieht sich mehr und mehr, zumal uns so langsam der Magen in den Kniekehlen hängt.
Nach Verlassen des Parks liegt rechter Hand plötzlich unser wunderschönes Agroturismo. Wir sind uns erst mal gar nicht sicher, ob es sich überhaupt um unsere Location handelt und fragen erst mal nach. Sie ist es. Juhuu.- was für ein Glück.
Zum Empfang erhalten wir erst mal etwas zu trinken und ein Sandwich.
Danach geht’s zu den üblichen Pilgeraufgaben und um 19:00 Uhr gibt das Essen.
Die Flasche Wein für das Pilgermenü am Abend mach ich bereits jetzt schon mal auf.
Heute tun uns richtig die Füße weh.
Tag 28
Datum: 26.09.2023
Etappe: von Marzanella nach Premilcuore
Gelaufen: 24 km
Höhenmeter ↗️ 610 hm ↘️ 780 hm
Reine Gehzeit: 7 h
Wetter: bewölkt bis sonnig, 23°
Langsam geht’s zur Sache. Wir laufen allmählich auf den Hauptkamm des Apennin zu. Zwei Berge sind zu überwinden.
Den ersten, Monte Busca ( 710 m ) nehmen wir relativ schnell, wir sind ja auch noch frisch, der Berg ist auch nicht übermäßig steil.
Da es hier auf Asphalt-Straßen nach oben geht, sehen wir viele Radfahrer Gruppen.
Außerdem treffen wir hier noch auf einen Trüffelsucher, der mit seinen speziell ausgebildeten Trüffelhunden unterwegs ist. Wir unterhalten uns ein wenig und erfahren so mehr über seine Vorgehensweise. Sehr interessant.
Kaum auf dem Berg angekommen, müssen wir auch schon wieder runter.
Und zwar mehr, als wir aufgestiegen sind.
Das Knie meldet sich und das Gewicht schiebt.
Nach der dritten Serpentine kommt das Highlight des Tages: das „Loch des Teufels“.
Es handelt sich um einen aus der Erdtiefe kommenden Gas Ausbruch, den „Volcano del Diavolo“.
Die Einheimischen versichern uns, dass das Feuer immer brennt, egal zu welcher Jahres Zeit und bei welchem Wetter. Echt cool der Mini-Vulkan.
Unten angekommen werden wir mit dem schönen mittelalterlichen Dörfchen Portico belohnt, wo wir auch in einer Bar rasten können.
Nach der ausgiebigen Rast verlassen wird das Dörfchen über die Ponte de Maesta, einer Bogenbrücke aus dem 14. Jahrhundert.
Im Anschluss geht es sofort steil bergauf, auf den Monte Orlando ( 750 m ).
Wir schnaufen beide wie Dampflokomotiven.
Oben angekommen haben wir einen atemberaubenden Blick auf das Tal, und den Berg Monte Busca, den wir bereits überstiegen haben.
Die Landschaft ist eine komplett andere als noch vor ein paar Tagen.
Die kargen, unbewachsenen Gipsfelsen sind verschwunden. Dafür sehen wir saftige grüne Wiesen und Wälder. Fast wie im Schwarzwald oder im Allgäu. Man hört sogar die Kuhglocken in der Ferne!
Leider müssen wir auch diesen Berg fast wieder komplett hinunter bis zu unserem Zielort Premilcuore. Im Tabakladen erhalten wir den Schlüssel für die Pilgerherberge.
Wir sind fix und fertig, da wir auch heute wieder, wie fast jeden Tag, einen Halbmarathon gelaufen sind. Danke Batscher für den Hinweis.
Und morgen geht die Berg- und Talfahrt weiter.
Tag 29
Datum: 27.09.2023
Etappe: von Premilcuore nach Corniolo
Gelaufen: 21 km
Höhenmeter ↗️ 820 hm ↘️ 660 hm
Reine Gehzeit: 7 h
Wetter: warm, sonnig, 25°
Heute Morgen ist es richtig frisch.
Man sieht den eigenen Atem und die Wäsche ist auch nicht trocken.
Es hilft nix, rein in die feuchten Klamotten, Achillessehne abgetaped und los geht’s.
Nach kurzem Einlaufen entlang der Fiume geht es steil bis megasteil bergauf, bei bis zu 35° Steigung, auf 1070 hm, auf den Berg Monte della Fratta.
Wir schnaufen so, dass wir uns nicht unterhalten können. Nur meine linke Achillessehne spricht mit meinem rechten Knie.
Beim Aufstieg geht es immer wieder über Hindernisse und hohe Tritte, so dass die mit den kurzen Beinen und viel Körper klar im Nachteil sind.
Aussicht gibt es auch keine, weil wir den ganzen Tag im Wald sind.
Mir scheint, der Wald ist hier dicht und intakt. Es ist kein Waldsterben zu sehen.
Oben angekommen, gibt es dann doch noch einen schönen kurzen Blick ins Tal und schon geht’s wieder Berg ab.
Der Abstieg ist genauso bockig wie der Aufstieg. Steil, Steine, Wurzeln, Geröll.
Auf halber Strecke Abwärts, Treffen wir doch noch auf andere Lebewesen.
Eine kleine Herde frei laufender Rindviecher stehen mitten auf dem Weg.
Sabine ist begeistert von den, wie sie findet , „bildschönen Tieren“. Sie sind massig, Schneeweiß und haben schwarze Nasen.
Ohne zu zögern läuft sie auf die Herde zu. Ich bin einigermaßen fassungslos. Wenn ein kniehoher Wauzi - wiff, wiff macht, macht sie auf dem Absatz kehrt und läuft lieber 2 km Umweg. Und hier läuft sie ohne mit der Wimper zu zucken an 500 kg Rindviechern mit Riesenhörnern cool vorbei.
Ich schaue vorsichtshalber erst einmal von hinten, mit griffbereiter Kamera und Sicherheitsabstand, was passiert.
Die Rinder laufen in wilden Sätzen rechts den Abhang runter und links den Abhang hoch und machen Sabine den Weg frei. Sie ist halt eine Rinderflüsterin.
Jetzt aber schnell hinterher, bevor die Viecher zurück kommen.
Schon fast am Ziel Ort angekommen, kommt mit Riesenschritten von hinten Alex, ein weiterer Rompilger aus Basel, förmlich angeflogen.
Die Freude ist groß, wir unterhalten uns gleich ein bisschen. Da wir den gleichen Ziel-Ort haben, laufen wir den letzten Kilometer zusammen.
Wir übernachten im Casa Pellegrini und Alex im Gasthof. So geht jeder erst mal in sein Quartier, aber wir verabreden uns für später zum gemeinsamen Pilger Menü.
Wir werden Alex nur heute sehen, denn er läuft viel schneller und macht viel längere Etappen als wir. Er wird voraussichtlich 14 Tage vor uns in Rom angekommen.
Tag 30
Datum: 28.09.2023
Etappe: von Corniolo nach Campigna
Gelaufen: 13 km
Höhenmeter ↗️ 690 hm ↘️ 230 hm
Reine Gehzeit: 4 h
Wetter: warm, sonnig, 25°
Wir hatten gestern mit Alex einen wirklich lustigen Abend, bei einem tollen Pilger Menü. Auch er hatte bereits Erfahrung mit einem Feueralarm im Hotel und das gleich am ersten Abend seiner Reise in Innsbruck.
Heute zieht er locker mit 30 km und 1.250 Höhenmeter über den Pass. Anschließend muss er noch 1.000 hm absteigen. Boah-ey😎.
Wir dagegen hören auf unseren Körper und wählen die Schneckenvariante:
Wir gehen den Pass nur bis zur Hälfte hoch.
Der Tag heute war wunderschön.
Wir schlafen etwas länger, frühstücken ausgiebig in einer Bar und gehen um 10:30 Uhr erst los.
Den ganzen Tag mehr oder weniger steil bergauf, durch die schönen Wälder des „Parco Nationale Delle Foreste Casentinesi“.
Nach der Hälfte der Route rasten wir an einem wirklich schönen Rastplatz eineinhalb Stunden. Wir dösen in der Sonne, trinken das frische Quellwasser aus dem Brunnen und beobachte die vielen Eidechsen.
Der zweite Teil der Strecke ist etwas steiler, aber gut begehbar.
Plötzlich schreit Sabine: „Schwarze Tiere“ - ich beeile mich, um um die Kurve zu kommen, aber das Schauspiel ist bereits vorbei. Sabine meint allen Ernstes, sie hat ein Rudel Wölfe gesehen. Ich dagegen bin mir sicher, es war eine Rotte Wildschweine, da die ganze Zeit am Weg entlang frisch gebrochen ist.
Kurze Zeit später hören wir vom Gegenhang Hirsche röhren. Klar, wir befinden uns ja mitten in der Brunft. Ich antworte immer wieder mal und erhalte tatsächlich auch mal eine Antwort. Sabine glaubt es nicht und schüttelt nur mit dem Kopf.
Ich habe nicht nur Wildschweine gefährtet und Hirsche rufen gehört, sondern auch noch einen Stachel von einem Stachelschwein gefunden.
Anscheinend gibt es hier im Nationalpark ein großes Wildvorkommen. Ich vermute, dass hier nur wenig gejagt wird.
Die Vermutung bestätigt sich wenig später, als wir 3 Stück Damwild auf ca 100 im Unterholz sehen. Wir bleiben stehen und beobachten Sie Minuten lang. Obwohl sie in unsere Richtung blicken, lassen Sie sich nicht beim Äsen stören.
Wie cool ist das denn!!
Wir gehen weiter und erreichen kurz darauf unseren Ziel Ort Campagna. Es besteht aus 5 Häusern, einem geschlossenen Hotel und unserem „ Albergo Scoiattolo“. Auch das ist gerade geschlossen und wird renoviert. Trotzdem nimmt uns der Wirt, der gerade in der Küche einen Hirsch zerwirkt, auf.
Dank Leonardo, der gestern diese Übernachtung für uns organisiert hat.
Heute ist Halbzeit.
Kurze Zwischenbilanz:
Tage unterwegs: 30
Gelaufene Strecke: 574 km
Zusätzlich mit Zug/Bus gefahren: ca 60 km
Reel zurück gelegte Strecke: 544 km
Höhenmeter
Aufstieg: 7.960 m
Abstieg: 6.985 m
Die mehr zurückgelegten Kilometer resultieren aus Umwegen wegen Verlaufen, gesperrter Straßen und Brücken, zusätzliche Wege für Versorgung und Übernachtung.
Verluste: zwei Paar Socken, zwei Paar Unterhosen, eine Lesebrille
Reel noch zu laufende Strecke über Assisi nach Rom: 516 km
Fazit: wir liegen gut in der Zeit und im Budget !