Tag 11


Datum: 14.06.2024

Etappe: von Mont Roland nach Saint Jean de Losne

Gelaufen: 22 km ( 4,4 km/h ) 

Reine Gehzeit: 5 h

Höhenmeter ↗️ 0  hm ↘️ 200 hm

Wetter: bewölkt, kühl, stürmisch, hin und wieder Regen, 17 °


Um 8:30 Uhr hört es auf zu regnen und wir gehen sofort ohne Frühstückl los. Ein letzter Blick in die Ferne, und wir schauen, dass wir von diesem stürmischen Berg runterkommen.


Gleich im ersten Dorf namens Sampans, nach 2,5 km, kaufen wir uns in einer geöffneten Bäckerei ein kleines Frühstück. Wir suchen uns ein trockenes Plätzchen in einer Bushaltestelle, wo es einigermaßen windstill ist. 


Lange verweilen wir nicht, es ist einfach zu kalt zum Sitzen.


Nach dem Frühstück legt Sabine den Turbo ein, zumal die Strecke Potteben ist.

Auf kleinen Teerwegen geht’s entlang der Autobahn, unter der Bahn hindurch, bis zu einer Brücke. 


Die eigentlich Route  führt hier in einem großen Bogen bis hinunter an den Uferweg der Saône.

Ich entscheide mich für eine kleine Abkürzung, welche uns Minimum 1 km erspart. Die Abkürzung hat natürlich auch ihren Preis. Durch dichtes Gestrüpp auf rutschigem Untergrund, und Geröll geht’s den Hang hinab.


Sabine interveniert heftig, aber ich lasse ihr keine Wahl und gehe voraus.


Danach geht’s einige Kilometer immer am Fluss entlang, teils im nassen, kniehohen Gras und auf aufgeweichten Wegen. Zusätzlich machen uns der stürmische Gegenwind und kleine Regenschauer ziemlich zu schaffen.


Rast -Möglichkeiten gibt es keine, somit laufen wir einfach immer weiter. Bei Kilometer 16 stoßen wir auf den Rhein-Rohne Kanal, wo wir zuschauen können, wie 2  Hausboote auf die Saone geschleust werden. 


Danach wird Sabine immer schneller.


1 km vor dem Ziel, wir sehen schon die Verbindungbrücke der beiden Stadtteile, bleibt sie abrupt stehen und verlangt Brot und Käse.

Wir Vespern 5 Minuten im Stehen, und danach geht’s nur noch im Schneckentempo weiter, über die Brücke in die Stadt St. Jean de Losne hinein bis zur Tourist-Info.


Der kompetente junge Mann hinterm Tresen besorgt uns eine Unterkunft mit Fernseher, da heute um 21:00 Uhr das Eröffnungsspiel der Fußball EM stattfindet. Wir hoffen sehr, dass Deutschland gegen Schottland gewinnt.


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Tag 12


Datum: 15.06.2024

Etappe: von Saint Jean de Losne nach Abbey de Citeaux

Gelaufen: 21 km

Reine Gehzeit:  6 h

Höhenmeter ↗️ 0  hm ↘️ 0 hm

Wetter: bedeckt, hin und wieder sonnig, sehr windig, 20 °


Voller Erwartung stehen wir heute Morgen vor dem Rollladen des angekündigten Frühstücksbuffets im schmucken, kleinen Frühstücksraum.

Schlag 8:00 Uhr geht der Rollladen automatisch hoch und was ist dahinter?Baguette, Butter, Marmelade und Nutella - praktisch alles wie immer.


Der Frühstücksraum ist ziemlich voll, und die Frühstücksdame kommt kaum hinterher mit Baguette auffüllen, obwohl es das Einzige ist, was sie nachfüllen muss. Außer uns sitzen Hausboot-Fahrer, Radfahrer und ein weiterer Jakobspilger an den Tischchen verteilt im Raum.


Nach dem Frühstück geht’s zum fünften Mal seit unserer Ankunft gestern Nachmittag über die Brücke, die die beiden Stadtteile miteinander verbindet. 


Anschliessend bummeln wir gemütlich durch den Hafen und schauen uns die Yachten und Hausboote an. Der Hafen geht dann über in den Kanal de Burgund, dem wir einige Kilometer auf dem Treidelpfad folgen. 


Die Strecke ist schön und kurzweilig. Rechts des Weges  stehen hohe Pappeln, die bei Hitze schön Schatten spenden, Links des Weges, im Wasser, sehen wir Schleusen und Hausboote, die teilweise permanent bewohnt sind.


Danach geht’s, vorbei an einem herrschaftlichen Chateau, durch zwei Ortschaften, ehe wir in den Wald gelangen. Hier sind die Wege wieder aufgeweicht und teilweise müssen wir Schlamm und Wasserlöcher umschlagen.


Die letzten 2 km laufen wir, aus Mangel an Alternativen, auf der mäßig befahrenen Hauptstraße, ehe wir auf einen Schotterweg Richtung Klosterkomplex abbiegen können.


Nach weiteren 500 m sind wir am Ziel. Das Kloster Abbey de  Citeaux wurde 1098 als Mutterhaus der Zisterzienser gegründet, aber in der französischen Revolution 1790 komplett zerstört. Die Mönche wurden vertrieben und für 100 Jahre war das Kloster außer Betrieb, lag  brach, oder wurde anders genutzt. 

1891 wurde es dann von einer Handvoll Mönchen wieder aufgebaut, und in den 1990 Jahren aufwändig renoviert.


Nach dem Besuch der abendlichen Vesper in der Kirche essen wir im Gästehaus zusammen mit einer Familie, die hier ihren Sohn besucht (30 Jahre alt), welcher vor sechs Monaten ins Kloster eingetreten ist. 


Zuvor war er als Berufssoldat bei der französischen Armee in Mali und im Libanon eingesetzt. Krasses Kontrastprogramm.


Sie haben nach dem Abendessen die Möglichkeit mit ihrem Sohn zu sprechen, deshalb übernehmen wir den Abwasch alleine.

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Tag 13


Datum: 16.06.2024

Ruhetag im Kloster „Abbey de Citeaux“

Wetter: bedeckt, ein paar Tropfen Regen, 22 °


Unser Tag beginnt, wie es sich für einen Ruhetag gehört, um 6:45 Uhr, da es um 7:00 Uhr Frühstück gibt.


Danach geht’s zum Morgen- Gebet „Laudes“

Hinterher gehen wir nochmals hurtig sich ins Bett und schlafen bis 10.30 Uhr - der Gottesdienst beginnt.


Wir schlafen tief und fest, gut, dass das Gästehaus direkt neben der Kirche steht, so dass die Glocken uns rechtzeitig wecken.


Nach dem Gottesdienst steht bereits das Mittagessen auf dem Programm, welches wir zusammen mit der Familie von gestern Abend einnehmen.


Nach dem Essen kommt der Abt mit deren Sohn Metheuw in den Speiseraum und gibt der Familie Gelegenheit, miteinander zu sprechen. 


In dem Fall kümmern wir uns zusammen mit dem Küchen Mönch Jean wieder um den Abwasch. Das wiederum gibt uns Gelegenheit, uns mit ihm in gutem Englisch zu unterhalten. Im Gästehaus gilt das Schweigegelübde nicht, somit kann er alle unsere Fragen ausgiebig beantworten.


Er erzählt uns zum Beispiel, dass er vor Eintritt ins Kloster als Flugbegleiter bei British Airways gearbeitet hat. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die angehenden Mönche vor Eintritt eine Ausbildung absolviert haben und schon etwas Lebenserfahrung mitbringen, da dies bei der Entscheidungsfindung hilfreich sei.


Besuche von der Familie und Freunden dürfen sie einmal im Jahr für drei Tage empfangen. Sie selbst haben 4 Tage im Jahr frei, das heißt, 361 Tage um 4:00 Uhr aufstehen und bis 20.00 Uhr streng durchgetaktet beten und arbeiten. Wobei beten den größten Teil des Tages in Anspruch nimmt - sieben mal, jeweils ca. 30-60 Minuten ! 


Dazwischen gibt es nur zwei Mahlzeiten. In der Regel Fleischlos, höchstens einmal Fleisch von Tieren mit maximal zwei Beinen. Lediglich die Kranken dürfen Fleisch von vierbeinigen Tieren essen.


Wenig essen, kein Fleisch und wenig schlafen - für mich wär das nichts.


Das Kloster finanziert sich über die eigene Landwirtschaft mit 400 ha Feld, 150 ha Wald und 150 Kühe, die eigene Käserei, den Klosterladen und das Gästehaus.


Um die ganze Arbeit zu bewältigen, braucht es zu den 15 Mönchen noch circa 20 zivile Angestellte.


Das Kloster kann sich trotz eigener Einkünfte nicht selbst tragen. Gelder aus der Kirchensteuer gibt es auch nicht, weshalb es auf Spendengelder angewiesen ist.


Während die Kirchenglocken den Mönch bereits wieder in die Kirche rufen, gehen wir erst mal zu unserem wohlverdienten Mittagschlaf, und verschlafen prompt die „Vesper“, die Sonntags 1 Stunde früher beginnt.


Am späten Nachmittag machen wir einen Rundgang durch die weitläufige Klosteranlage mit Besichtigung des Kreuzgangs, Klosterladen, Garten und alter Bibliothek, die heute eine Ausstellung über die Historie des Klosters beherbergt.

Wirklich interresant!


Danach ist es schon wieder Zeit zum Abendessen, wo wir auf unseren altbekannten Pilger aus Calw treffen, der Heute hier eingetroffen ist.


Wir speisen zusammen, spülen ab und decken den Tisch für das morgige Frühstück.


Im Anschluss geht’s zum letzten Gebets des Tages „Complies“ in die Kirche.


Fix und fertig von dem vielen Beten fallen wir jetzt todmüde ins Bett. 



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Tag 14


Datum: 17.06.2024

Etappe: von Abby Citeaux nach Nuits St. George’s 

Gelaufen: 22 km

Reine Gehzeit: 7 h

Höhenmeter ↗️ 100 hm ↘️ 0 hm

Wetter: durchweg Regen, späten Nachmittag bewölkt, 20 °


Ich schaue heute Morgen aus dem Fenster und sehe nur Regen. Oh nein.


Wir starten also in voller Regenmontur und überlegen kurz, ob wir auf der Straße laufen sollen, entscheiden uns dann aber auf den anfänglich festen Schotterweg durch den Wald.


Aus dem anfänglich leichten Regen wird nach kurzer Zeit ein ergiebiger Dauerregen.

Wie das Wetter, werden auch die Wege immer schlechter. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als einfach weiter zu laufen, Augen zu und durch.


Bei Kilometer 14 entdecken wir rechter Hand im Ort Vougeod eine Frittenbude mit kleinem Zelt, perfekt für uns. Wir retten uns unters Zelt, und breiten erst mal unsere Klamotten auf den Stühlen aus. Pommes rot-weiß mit Merquez Würstchen wecken unsere Lebensgeister.


Trotz neuem Elan bleiben wir sitzen, bis der Regen aufhört, 1,5 Stunden, danach gehen wir hurtig los, auf unsere letzten 7 km. 


Das Wetter wird jetzt immer besser. Die Kleider trocknen an sich schnell ab, nur die Socken und die Schuhe bleiben pitschepatsche nass. 


Egal, wir laufen zwischen den Weinreben und der Straße „der großen Weinlagen“ auf einem Feldweg bis zu unserem Zielort „Nuits St. George’s“.


Auf der rechten Seite kommt ein Weingut nach dem anderen, auf der linken Seite ist alles voller Weinreben, an welchen kräftig gearbeitet wird.


Die bekanntesten Burgunderrebsorten sind 


Spätburgunder auch Blauburgunder ( Pino Noir )

Schwarzriesling

Grauburgunder ( Pinot Gris )

Weißburgunder (  Pinot Blanc )

Frühburgunder

St. Laurent 


Auch der weltbekannte „Creme de Cassis“ hat seinen Ursprung aus dieser Region.

Die verwendeten Früchte der schwarzen Johannisbeere müssen alle aus dem Gebiet von Dijon bis Macon genommen werden. 


Er ist Bestandteil von verschiedenen Cocktails, wie zum Beispiel den 

„Kir Royal“( Champagner + Cassis )  


Im schönen Zentrum von Nuits ist alles bereits für die bevorstehende Tour de France geschmückt. Überall Fähnchen und Fahrräder. Am 5. Juli findet hier ein Einzelzeitfahren statt.


Wir gehen zur Touristinfo, um uns eine Unterkunft zu besorgen. Leider hat die zuständige Dame keinen Plan. Wir helfen uns einfach selber, und entscheiden uns für das „Ibis low Budget“ was 1 km außerhalb direkt neben dem Carfour Supermarkt steht. Wir kaufen unser Abendessen ein, und können im Frühstücksraum auch die Mikrowelle benutzen. 


Wichtig für mich ist heute, gutes WLAN und der Fernseher, damit ich am Abend das Spiel Österreich gegen Frankreich anschauen kann.

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Tag 15


Datum: 18.06.2024

Etappe: von Nuits St. George’s nach Beaune

Gelaufen: 21 km

Reine Gehzeit: 6 h

Höhenmeter ↗️ 150 hm ↘️ 200 hm

Wetter: leicht bewölkt, teils sonnig 25 °



Erwartungsgemäß sind unsere Schuhe heute Morgen nicht trocken. In dem Fall rein in die nassen Schuhen und los geht’s.


Es geht 1,5 km zurück in die Stadt, vorbei an der Kirche bis ins Zentrum vom Village. 


Unter den Tour de France Fähnchen mit den verschiedenen Trikots für Bergwertung, Sprintwertung und Gesamtwertung frühstücken wir im schönen Stadt-Café. 

Es ist so gemütlich und sonnig,, dass wir vorsichtshalber einen zweiten Cappuccino trinken, um noch ein bisschen sitzen bleiben zu können. 


Irgendwann denken wir auch noch mal daran, dass wir noch ca. 20 km vor uns haben und starten schließlich um 10.00 Uhr. 


Ein interessanter Weinlehrpfad führt uns hinauf in die Weinberge. Alle 100 m kommt eine Steintafel mit Informationen über den Wein An- und Ausbau in der Region.


So zum Beispiel erfahren wir, dass die Mönche im 11. Jahrhundert vom Abbey Citeaux den Steinbruch abgebaut haben, um ihr Kloster zu bauen. Dadurch wurde der Platz für den ausgedehnten Weinanbau erst geschaffen. 


Das aus Esche herstellte Burgunder Weinfass - genannt Münze, hat ein Fassungsvermögen von 228 Liter .


Die Qualität des Weines wird nicht nur durch Klima, Hanglage und unterschiedlichen Bodenverhältnisse beeinflusst, sondern auch durch den persönlichen Einsatz des Winzers der einen großen Einfluss auf den Charakter des Weines nimmt.


Im herrlichen langsam Modus steigen wir immer höher. Wir freuen uns über das sonnige Wetter, genießen die schöne Aussicht und schauen den fleißigen Arbeitern bei der Rebenpflege zu.


Obwohl wir erst 8,5 km gegangen sind, machen wir um 12:30 Uhr eine ausgedehnte Mittagspause am Sportplatz in Corgoloin an einem wirklich schönen Rastplatz.

Mehr als 1 Stunde verweilen wir.


Nach so viel Gebummelt und Pausen, ziehe ich das Tempo dann mal etwas an, zumal es auf einem kleinen Sträßchen eben dahin geht. 


An einem Kiosk gibt es noch mal einen kleinen Quick-Stop, wo wir uns zwei Dosen eiskaltes Orangina kaufen und sie an Ort und Stelle in uns hineinschütten.


Danach führt der Weg an der Hauptstraße entlang, auf dem breiten Seitenstreifen, bis kurz vor Beneau. 


Hier treffen wir auf eine „Yellow Burger Bar“ mit Beach Charakter. Da es so einladend aussieht, ist es für uns unmöglich, daran vorbei zu laufen.


Ich bekomme ein Bier, Sabine ein Eis und wir rasten 15 Minuten.


Am Stadtrand angekommen, laufen wir auf direktem Weg in die historische Altstadt mit schöner Kirche, wo wir uns in einem netten kleinen Boutique-Hotel einmieten.


Die Stadt ist ziemlich groß und voller Touristen. Zu dem gibt’s auch hier ein Ladschari Zünglein für Stadtrundfahrten.


Heute Abend steht noch italienisches Essen auf dem Programm, danach geht’s hurtig ins Bett, mit Fernseher!!

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Tag 16


Datum: 19.06.2024

Etappe: von Beaune nach Chagny

Gelaufen: 20 km

Reine Gehzeit: 6 h

Höhenmeter ↗️ 100 hm ↘️ 100 hm

Wetter: sonnig, wolkenlos, heiß 29 °


Nach dem, für hiesige Verhältnisse, „bombastischen“ Frühstück, schlendern wir noch kurz über den Markt, ehe wir losgehen. Der Trüffelstand hat mir am besten gefallen, während Sabine länger am Korbstand verweilt.


Wie gestern geht’s auch Heute durch die Reben. Zunächst auf einem guten, festen Radweg, später auf Feldwegen. Diese sind, durch den neuerlichen starken Regen heute Nacht, stark aufgeweicht, so dass sich größere Schlammklumpen unter den Schuhen bilden, was das Laufen ziemlich erschwert.


Nach kurzer Zeit entscheiden wir uns deswegen, kurzfristig auf die Straße auszuweichen. Entgegen unserer ursprünglichen Planung bleiben wir dann aber auf der Straße, bis sie auf den Radweg stößt, der uns auf festem Untergrund schlussendlich bis nach Chagny führt.


Kurz vor dem Ziel - ca 3 km- laufen wir durch den Ort Corpeau. Hurra, hier gibt’s ein Restaurant. Voller Euphorie betreten wir das Lokal, da unser Getränkevorrat komplett aufgebraucht ist, und fragen nach Wasser und Bier.


Der Kellner sagt allen Ernstes: no !

Hier gibt’s nur etwas zu trinken, wenn man auch hier isst !


In dieser unfreundlichen Location wollen wir auch gar nichts und laufen einfach weiter bis zum Zielort. 


Wie bereits geplant, steuern wir als erstes den Campingplatz „La Paguer Fane“ an, unweit vom Stadtzentrum. Die Rezeption öffnet erst ab 15:30 Uhr, d.h. in einer halben Stunde. Sabine wartet unter der Pergola an Rezeption, ich zieh mich aus und spring in den Pool, obwohl wir gar nicht wissen, ob wir hier überhaupt bleiben können. 


Pünktlich um 15:30 Uhr kommt die brasilianische Rezeptionistin und öffne die Pforten. Ich erkläre ihr, patschnass wie ich bin, dass ich unbedingt eine Unterkunft mit Fernseher benötige. Um 18:00 Uhr ist Anpfiff.


Sie lacht und weist uns einen kleinen Bungalow mit Fernseher in der Küche zu. Dabei erzählt sie uns, dass sie seit der 1:7 Niederlage von Brasilien gegen Deutschland ein Fußball Trauma hat,  und sich seither keine Spiele mehr anschaut.


Dennoch wünscht sie mir für heute Abend ein gutes Spiel.

Nach den üblichen Pilgeraufgaben liegen wir regulär in den Liegestühlen am Pool, bis das Spiel beginnt.


Ich schaue schon mal, während Sabine Pizza und Eis ran schafft.


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Tag 17


Datum: 20.06.2024

Etappe: von Chagny nach Mellecey

Gelaufen: 19 km

Reine Gehzeit: 7 h

Höhenmeter ↗️ 200 hm ↘️ 200 hm

Wetter: bedeckt, hin und wieder sonnig, 23 °


Ich wache um 7:00 Uhr auf und höre wie der Regen auf das Blechdach prasselt.


Um Gottes willen, schnell weiter schlafen. 


1 Stunde später hört der Regen auf und wir packen zusammen. Sabine macht noch kurz den Hausputz, da hier die Gäste die Unterkünfte bei Abreise selbst reinigen müssen (Sabine überlegt, ob sie das bei uns im Hotel auch einführt).


Wir warten an der Rezeption, bis der männliche (!!) Housekeeper unsere Unterkunft kontrolliert hat und frei gibt. Es dauert keine 5 Minuten und wir erhalten das okay und somit unsere Kaution von Euro 250 zurück.


Wir gehen zunächst ins Centre Ville zum Frühstück, ehe wir um 10:00 Uhr endgültig loslaufen. 


Unterwegs freuen wir uns nochmal darüber, wie toll es war, am heißesten Tag der ganzen Tour einen Pool gehabt zu haben. Glück und super Timing!


Das heutige Streckenprofil ist etwas bergiger als zuletzt und führt uns über feste Schotterwege, gute Feldwege und Pfade durch die Reben und durch einen mystischen anmutenden Wald.


Im Wald fällt mir auf, dass wir mitten durch einen Bogenparcour laufen.

Das Jagd in Frankreich mit Armbrust und Pfeil + Bogen ist erlaubt, weit verbreitet und wird von der Bevölkerung anders als in Deutschland weitgehend toleriert.


Im Ort Mercurey machen wir gegen 14.30 Uhr große Mittagspause, da es in unserem Zielort heute Abend keine Restauration gibt und auch in der Unterkunft kein Essen serviert wird.


Wir gönnen uns eine Pizza vom Pizza take away.


Essen dürfen wir in der gegenüberliegenden Bäckerei an einem der kleinen Tischchen, wo wir hinterher auch gleich unseren Nachtisch samt Café o lait kaufen können. Vielen Dank an die freundliche Bäckerin!


Weiter geht’s dann durch die Hanglagen der Weinberge, vorbei an einzelnen Wein Châteaus. 

Bei einem der Winzer war die Türe weit geöffnet und der Eigentümer war gerade dabei, seine Weinflaschen zu verpacken. Wir schauen durch die Türe, und er bittet uns hinein.


Er erklärt uns in gutem Englisch die Vorgänge und wir sehen, wie die Flaschen auf dem Fließband verschlossen und etikettiert werden. In Kartons verpackt werden sie dann manuell.  Äußerst interessant. 


In der Ecke sitzt unauffällig ein großer, schwarzer Schäferhund und achtet darauf, dass wir keine falsche Bewegung machen.

Als der dann auch noch zu uns rüberkommt, findet es Sabine hier nicht mehr so toll und möchte dann doch schnell weiter gehen.


Keine 3 km später sind wir an unserem eigentlichen Zielort St. Martin, wo wir die Route um 500 m verlassen, um zu unserer Unterkunft im Nachbardorf zu gelangen.


Diese entpuppt sich als ein äußerst charmantes chambre d‘hotes ( B&B ) in einem ehemaligen Weingut. Im Frühstücksraum steht noch die alte Weinpresse.


Wir erhalten ein großes Zimmer mit Bad und vespern heute Abend in der ehemaligen Kellerei unsere Vorräte aus dem Rucksack.

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Tag 18


Datum: 21.06.2024

Etappe: von Mellecey nach Buxy

Gelaufen: 19 km

Reine Gehzeit: 6 h

Höhenmeter ↗️ 450 hm ↘️ 350 hm

Wetter: wechselhaft, Sonne Wolken, Wind, von allem ein Bisschen, meist bedeckt,

 21 °


Nach schweren Gewittern heute Nacht, hört um 7:00 Uhr der Regen auf.

Wir beeilen uns, frühstücken und gehen los, bevor der nächste Schauer kommt.


Heute steigen wir auf den höchsten Punkt der gesamten Tour, auf den  Mont Borge mit 450 m. 


Deswegen geht es auch von Anfang an bergauf. Kaum oben, geht es auf der anderen Seite alles wieder runter, was ein bisschen knifflig ist, da die Steine und das lose Geröll auf dem Weg ziemlich rutschig sind.


Dennoch sind die Wege einigermaßen fest und gut zu gehen. Nur einzelne Wasserlöcher müssen umschlagen werden.


Wir laufen zügig und ohne Rast, da die schwarzen Wolken am Himmel nichts Gutes verheißen.


Nach zwei weiteren kleinen Bergen, vorbei an einem Wanderzirkus, erreichen wir unser geplantes Tagesziel „Moroges“.


Keine Sekunde zu früh, die ersten Tropfen fallen, und es wird immer dunkler und stürmischer. Wir laufen ein Weingut mit Übernachtungsmöglichkeiten an und fragen, ob noch ein Zimmer zur Verfügung steht. 


Prinzipiell ja, aber für eine Nacht möchte der Winzer uns das Zimmer nicht zur Verfügung stellen. Hmm.


Wir bleiben unterm Vordach stehen, bis sich das Wetter verzogen hat, und loten zwischenzeitlich unsere weiteren Übernachtungs- Optionen aus.


Der Winzer schlägt uns vor, die Route nach Buxy zu nehmen, da es sich um eine größere Stadt handelt, die mit Sicherheit freie Übernachtungsmöglichkeiten hat.


Nach kurzem Check auf der Karte stelle ich fest, dass es sich um eine Stadt auf der ebenfalls markierten Alternativroute handelt.


Der Umweg ist minimal, deswegen laufen wir zügig los, der einfachheithalber und aus Mangel an Ortskenntnis auf der wenig befahrenen Landstraße, 5 km direkt bis in die Stadtmitte von Buxy.


So groß wie angekündigt ist die Stadt nun auch wieder nicht. Doch nach kurzer Zeit sehen wir ein großes Schild mit „Chambre d‘hotes“.


Wir fragen an, und können sofort bei der älteren Dame einchecken. Sie betreibt hier im Haus 4 Gästezimmer und einen Antiquitätenladen. Im Haus herrscht ein fürchterliches Chaos, überall steht altes Zeug rum, wie auf einem Flohmarkt. Die Zimmer sind ebenfalls antiquiert, was uns aber völlig egal ist. 


Während ich auf Sabine warte, die ja noch waschen darf, spiele ich der alten Dame auf dem uralt verstimmten Klavier vor, was ebenfalls im Laden steht.


Als Sabine fertig ist, gehen wir in die Stadt und trinken in einer Bar Kaffee. Die süßen Teilchen holen wir uns vorab beim gegenüberliegenden Bäcker.


Und für heute Abend suchen wir auch gleich eine passende Location aus, bis dahin bleibt aber noch Zeit für ein kleines Schläfchen.

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Tag 19


Datum: 22.06.2024

Etappe: von Buxy nach Saint Gengoux

Gelaufen: 17 km

Reine Gehzeit: 4 h

Höhenmeter ↗️ 0 hm ↘️ 0 hm

Wetter: wechselhaft, erst Regen, dann Sonne, dann Regen,  21 °


Nach dem Frühstück geht Sabine in voller Montur wieder ins Bett, da es regnet.

Ich richte derweil noch meine Sachen, und lege mich dann neben sie.


Wir warten bis 9:30 Uhr, da hört der Regen auf und wir gehen dann sofort los. Im Zickzack geht es raus aus der Stadt, bis wir auf dem Fuß-und Radwanderweg „Voie Verte“ Richtung Süden sind.


Es handelt sich wieder um eine ehemalige Bahntrasse, die zum Rad und Wanderweg umfunktioniert wurde. Immer geradeaus und ohne jegliche Steigung. 

Etwas monoton, aber wir haben immer wieder Weitblick über Felder, Dörfer und die letzten Weinberge vom Burgund. 


Wir laufen durch bis Kilometer zwölf und machen dann an einem Bänkchen in der Sonne unsere Mittagspause. Äpfel, Käse und Müsliriegel, Brot ist leider aus.


Außer uns sind etliche Radfahrer unterwegs, Wanderer sehen wir keine.


Am Zielort angekommen, treffen wir als erstes auf den alten Bahnhof, der umfunktioniert wurde in einen großen Freizeitpark mit: Sportfeldern, Geschicklichkeits -Parkour, Spielplatz, Fitnessgeräten und einem Wohnmobil-Stellplatz. Das Bahnhofsgebäude, der ehemalige Bahnsteig und einige alte Elemente sind gut restauriert in den Park integriert.


Um unsere Fitness zu verbessern, nutzen wir das eine oder andere Gerät. Sabine ist voll  übermotiviert und macht tatsächlich mit Rucksack auf dem Buckel alle Geräte durch. 


Voller Euphorie gehen wir weiter und lachen über uns selbst, wie wir unbeholfen die Geräte benutzt haben. Dabei übersehen wir promt den Abzweig in die Stadtmitte. 


Munter laufen wir auf der „Voie Verte“ weiter bis zu einem Wegweiser, der bereits das nächste Dorf anzeigt. Hoppla, da stimmt doch was nicht!


Absatz kehrt und 500 m wieder zurück. Wir nehmen den Abzweig und es geht noch 1,5 km bis ins Zentrum. 


Die Stadt wurde nach dem heiligen Gengaux benannt, der von seiner Frau und deren Liebhaber umgebracht wurde. Deswegen ist er der „Schutzpatron der hintergangenen Ehemänner“.


Wir schauen in Sabines schlaues Buch, was es hier für Übernachtungsmöglichkeiten gibt, da wir auf den ersten Blick nichts sehen. Bereits bei der zweiten Nummer haben wir Erfolg und checken, unweit vom Zentrum, in ein „Chambre dˋ Hotes“ ein.


 Wir sind kaum im Zimmer, öffnet der Himmel seine Schleusen, wir haben mal wieder ein super Zeitmanagement bewiesen, was für ein Glück!


Jetzt gibt’s erst mal Mittagsschlaf und später geht’s dann zum Italiener gegenüber.


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Tag 20


Datum: 23.06.2024

Etappe: von Saint Gengoux über Taizé nach Cluny

Gelaufen: 28 km

Reine Gehzeit: 8 h

Höhenmeter ↗️ 50 hm ↘️ 50 hm

Wetter: bedeckt, 22 °


Bei einem netten Frühstück mit Madame Claude geht’s bei bestem Pilgerwetter um 8.30 Uhr auf die Piste.


Unser Zwischenziel ist Taizé, was wir über die Voie Verte (ehemalige Bahntrasse, jetzt Radweg) schnell erreichen. 

Beim Abzweig „Taizé“ geht’s 2 km auf den Hügel und schon sind wir da.


Die Kommunität wurde 1944 von Roger Schutz gegründet, zur Betreuung von Kriegsgefangenen und Kriegswaisen. Zunächst evangelisch, irgendwann traten auch einige Katholiken bei, somit wurde die Kommunität ökumenisch. 


Wir laufen über die weitläufige Anlage und sehen uns alles an, während immer mehr Jugendgruppen mit Bussen anreisen. Sonntags ist immer große An- und Abreise. 


Die Comunity möchte, dass man eine Woche bleibt, um ganz in den Rhythmus der Mönche einzutauchen. 


Die Jugendlichen Teilnehmer verteilen sich auf kleine Gruppen und sitzen überall auf dem Boden oder den zahlreichen  Bänken. Tische gibt es keine. Auch die riesige Kirche ist ohne Sitzgelegenheit. Hier sitzen die Teilnehmer wohl alle auf dem Boden.


Immer mehr Busse kommen angefahren:

Aus England, Polen, Litauen, Schweiz, Deutschland und Österreich. Die offenen Zelte füllen sich mehr und mehr.


Für die Jugendlichen werden Seminare mit Gebetsstunden, Bibelkreisen und Workshops angeboten. Dies soll Ihnen helfen, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und der Suche nach Gott.


Wir kaufen uns zwei Essens - Bons und stellen uns in die ewig lange Schlange vor der Essensausgabe. Das Menü ist eher karg: Kartoffelstock, zwei Scheiben Brot, zwei Scheiben Salami und ein Pfirsich. Dazu eine Schale Tee. 


Nach dem Essen gehen wir weiter, zurück auf  die Voie Verte wo wir noch 10 km bis zu unserem finalen Ziel Cluny laufen.


Am Ortseingang findet gerade auf einer riesigen Pferdeanlage ein Springreitturnier statt. Wir nehmen uns die Zeit und schauen eine Weile zu.


Danach geht’s in die Altstadt zur Tourist- Info,  wo wir auf einen weiteren Pilger aus Bayern treffen. Auch er ist auf der Suche nach einer Unterkunft, und somit bucht uns die Angestellte in  der hiesigen Pilgerherberge 3 Betten.


Auf dem Weg dorthin, stelle ich noch sicher, dass ich das Fußballspiel Deutschland gegen die Schweiz in der Bar um die Ecke anschauen kann. 


Aber vorher geht’s noch zum Essen, und zwar was richtiges !



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Tag 21


Datum: 24.06.2024

Etappe: von Cluny nach Marcon

Gelaufen: 7 km Stadtbesichtigung 

Transfer: mit dem Bus nach Marcon

Reine Gehzeit: 3 h 

Höhenmeter ↗️ 50 hm ↘️ 50 hm

Wetter: sonnig, 26 °


Wir frühstücken noch mit unserem Mitbewohner, und die Frühstücksfrau erzählt uns, dass wir heute Nacht alleine in der riesigen 72  Betten Herberge waren.


Nach dem Frühstück entlassen wir ihn auf seinen Weg, und wir schlendern noch ein wenig durch die Stadt und schauen uns die Kirche und die Abtei an.


Sabine kauft auch gleich noch den Anschluss Reiseführer „Orange Guide“ 

von Cluny nach Le Puy.

Zufällig stoßen wir dabei auf den Abzweig wo der Weg beim nächsten Mal weitergeht. Raus durch das Stadttor geht’s dann sportlich steil bergauf - gut zum warm werden, das wird lustig, gleich am ersten Tag. 


Danach besteigen wir den Bus und treten den ersten Teil unserer Heimreise an.

Es geht in die größere Stadt Macron, mit einen großen Bahnhof mit TGV Anschluss.


Die Rückreise aus der Pampa ist doch etwas komplizierter, weshalb wir den ersten Teil bereits heute erledigen.


1 Stunde geht die Fahrt, und wir verlieren jetzt endgültig unseren Pilgerstatus.


In Macon angekommen, spazieren wir in die Innenstadt, wo bereits alles für die bevorstehende Tour de France geschmückt ist. Der Start der 4. Etappe von Macon nach Dijon, findest am 4. Juli vor dem dekorierten Rathaus statt.

Die ersten Meter führen dann durch die Fußgängerzone. 


Wir sind richtig auf die live Bilder im Fernsehen gespannt, da wir doch durch viele Orte der Tour gelaufen sind.


Nach Besichtigung der großen Kathedrale „Catedrale de Saint Vincent“ checken wir ins „Brit Hotel“ unweit vom Bahnhof ein und schlafen erst mal satte zweieinhalb Stunden.


Um 18.00 Uhr laufen wir bei warmem Sommerwetter entlang der Saône zurück in die Altstadt, um neben duftendem Rosmarin, Lavendel, Estragon, Thymian und Salbei am „Place aux Herbes“ das letzte Abendessen dieser Reise einzunehmen.


Ein wirklich schöner Ausklang einer tollen Pilgerreise.


Fazit:

Es war eine wunderbare Pilgerwanderung von insgesamt 370 km über meist einfaches Streckenprofil, perfekt markiert!


Die Route führte uns durch dünn besiedeltes Gebiet, mit schönen Dörfern, tollen Landschaften, vorbei an vielen Schlössern, Klöstern und Kirchen, ebenso an Flüssen, Kanälen und Hausbooten, durch Wälder und Weinberge mit großen Weinlagen und durch kleinere Städtchen. 


Die Kirchen sind alle im gleichen Stil gebaut, nur in Taizé und im Kloster Citeaux sind sie durch ihre moderne Architektur aufgefallen. 


Einige andere Pilger haben wir auch getroffen, die Meisten auf dem Weg nach Santiago, einige auf dem Weg nach Rom.


Wir hatten jeden Tag eine schöne bezahlbare Unterkunft mit netten Gastgebern, auch wenn die Suche danach manchesmal schwierig war. Teuer war hier allerdings das Essen, vor allem im Restaurant und auch der Cappuccino!