Tag 13.08.2018
Rheinfelden Rom
Gelaufene Kilometer : 7
Reine Gehzeit: 1,5 Std
Am Flughafen dürfen wir unser auffälliges Gepäckstück (Eierschachtel im Müllsack) nicht am normalen Schalter aufgeben, sondern am Sperrgutschalter. Alles kein Problem. Nach ein bisschen suchen haben wir die Lage wieder im Griff. In Rom angekommen fahren wir mit dem Bus zum Vatikan. Wir trotzen der Hitze und den Menschenmassen, und kämpfen uns zum Petrus Grab vor. Hier beginnt offiziell unsere Reise. Anschließend besuchen wir noch kurz den Dom und anschließend geht’s ins Pilgerbüro. Wir haben unseren 1. Stempel !!! Im Pilgerbüro reserviert man uns auch gleich 2 Betten mit Abendessen und Frühstück in unserer Herberge vom letzten Mal . Bei unserem Eintreffen erkennt man uns auch sofort wieder, da ich das letzte mal für den erkrankten Koch eingesprungen bin. Ich weiß noch genau was es damals gab, Risotto speziale.
Heute sitzen elf Pilger am Tisch. Neun am Ende ihrer Reise und zwei am Anfang.
Vor dem Essen gibt es noch das Ritual der Fußwaschung und nach dem Essen wird sich noch ein wenig unterhalten. Im Anschluss geht’s zügig ins Bett, denn morgen geht es richtig los!
Tag 2 14.08.2018
Von Rom City nach Ciampino
Gelaufen 18 km
Reine Gehzeit 5 Stunden
Wetter: bedeckt, 30 Grand, am Nachmittag schweres Gewitter
Nach einer mäßigen Nacht bei tropischen Temperaturen, geht pünktlich um 5:15 Uhr der Wecker der italienischen Radfahrer Jungs los. Ganz toll, der ganze Saal ist wach.
Für uns kein Problem, wir wälzen uns noch ein bisschen hin und her, und stehen dann auch bald auf. Nach dem Frühstück verlassen wir, wie immer als letzte, gestärkt an Körper und Geist die schöne Herberge.
Die via Francigena meint es gut mit uns, und führt uns gut markiert vorbei am Zirkus Maximus und der Therme di caracalla aus Rom heraus. Wir stoßen auf die Via Appia Antica die endlos und schnurgerade gerade ohne Höhen und Tiefen bis zu unserem Tagesziel Marino führen soll. Eine körperliche wie emotionale Herausforderung. Das Kopfsteinpflaster geht wahnsinnig auf die Gelenke und die monotone Streckenführung aufs Gemüt. Nichts desto trotz ist es schon ein unglaubliches Bauwerk, genauso wie die Monumente , die rechts und links des Weges auftauchen und für etwas Abwechslung sorgen. Eine bombastische architektonische und logistische Meisterleistung, leider durch Sklaven gebaut. Während wir so dahin laufen, baut sich hinter uns eine schwarze Gewitterfront auf. Ich versuche Sabine ein bisschen Dampf zu machen, aber weit und breit gibt es eh nur die Via Appia und uns. Zum Glück entdecken wir linker Hand, abseits vom Weg, eine Unterstellmöglichkeit. Keine Sekunde zu früh,, kaum sind wir unter dem Dach, öffnet der Himmel seine Schleusen und es gießt wie aus Kübeln. Circa 1 Stunde müssen wir ausharren, bis das Unwetter vorbei ist. Blöd nur, dass der Unterstand in einer Senke steht, und wir jetzt vom Wasser eingeschlossen sind. Während wir diskutieren, wie wir durch diesen See um uns einigermaßen trocken wieder zur Straße kommen, fährt ein Auto rückwärts direkt vor unserer Unterstand. Der Fahrer fragt uns, ob er uns durch die Fluten fahren soll. Dankend nehme ich mit meinem perfekten Italienisch das Angebot an. Anscheinend war mein Italienisch doch nicht fehlerfrei, weil er fährt uns nicht zurück auf den besprochenen Weg, sondern setzt uns direkt auf der entgegengesetzten Autobahn ab. Zufällig stehen zwei Carabinieri dort, die uns ungerührt empfehlen, einfach Richtung Marino auf dem Standstreifen zu laufen. Es handelt sich lediglich um 700 m bis zur Ausfahrt, die wird dann auch nehmen. Somit laufen wir zumindest in die richtige Richtung. Wenige Kilometer vor Marino fängt es wieder heftig an zu regnen und wir flüchten in eine Pizzeria. Der Wirt reserviert für uns ein Privatzimmer bei einem guten Freund von ihm. Anscheinend gleich um die Ecke. Der Vermieter holt uns freundlicherweise mit dem Auto ab, doch oh Schreck, er fährt alles wieder zurück Richtung Flughafen. Soviel dazu, „gleich mal um die Ecke.“ Anscheinend bringt er uns morgen wieder zurück zur Pizzeria.
Das Zimmer ist schön, 200 m von der Start und Landebahn des Flughafens entfernt und lediglich alle 15 Minuten startet oder landet ein Flugzeug - gute Nacht Freunde.
Tag 3 15.08.2018
Von Ciampino nach Velletrie
Gelaufen 18 km +3 km mit dem Auto
Reine Gehzeit 5 Stunden
Wetter: bedeckt, 23 Grand, am Nachmittag hin und wieder heftige Schauer
Mit Kind und Kegel fährt uns der Vermieter tatsächlich wieder zurück. Allerdings schießt er ein wenig über das Ziel hinaus. Er hält dort, wo er mit seiner Familie hin will - und das ist der Anfang von Marino. Auch gut, somit sparen wir 3 km steil Berg auf.
Als erstes steuern wir eine Bar an, da sich das B & B als B ohne B herausgestellt hat.
Hier wollen wir nochmals kurz unsere Route Checken, ich hab ja gestern die Karte heruntergeladen. Dachte ich, leider wurde sie wie von fremder Hand gelöscht. Dies ist Anlass genug, dass Sabine die ersten hektischen Flecken am Hals bekommt, da die Route erwartungsgemäß nicht markiert ist und wir auf eine Karte angewiesen sind. Dies verbessert sich nicht gerade, als sie feststellt, dass sie auch noch Ihren Hut im Auto zurück gelassen hat. Kein Problem, wir sind ja in einer kleinen Stadt mit Restaurants und diversen Läden. Stimmt zwar, doch leider erwischt uns wieder mal Maria Himmelfahrt - somit ist alles geschlossen.
Ganz am Ende der Stadt finden wir doch noch eine Bar mit Wifi und können unsere Karte abermals herunterladen. Die Strecke an sich ist unspektakulär, führt erst mäßig Berg auf, dann wieder bergab. Leider geht es meist entlang der Hauptstraße. Immer wieder werden wir mit schönen Ausblicken auf den See und das Castel Gondolfo ( Sommersitz des Papstes ) belohnt. Zusätzlich werden wir ab und zu durch einige heftige Schauer erfrischt. Unser Regen Equipment kommt am dritten Tag bereits zum zweiten Mal zum Einsatz. Am Zielort angekommen, checken wir in einer netten kleinen Pension mit Pizzeria ein.
Sabine wäscht die Wäsche, während ich die klatschnassen Schuhe mit Zeitung ausstopfe. Anschließend geht’s zur Pilgermesse, Abendessen und dann hurtig ins Bett. Ich bin richtig müde.
Und jetzt Übergabe an Sabine:
Hallo ihr Lieben zu Hause, herzlichen Dank für eure aufmunternden Worte, es ist schön, dass ihr an uns denkt, wir können jede Unterstützung gebrauchen :)
Tag 4 16.08.2018
Von Velletri nach Artena
Gelaufen 20 km
Reine Gehzeit 6 Stunden
Wetter: sonnig und heiss, später bewölkt 30 Grad
Pünktlich um neun Uhr ziehen wir nach einem ausbaufähigen Frühstück los. Dass wir bis zum finden des Einstiegs einmal im Kreis laufen, hat den Vorteil, das Sabine sich einen neuen Hut kaufen kann. Das Streckenprofil ist einfach, trotzdem kommen wir nicht wirklich zügig vom Fleck. Wir müssen immer wieder stehen bleiben, und uns den Weg in der heruntergeladenen Karte suchen, da es keinerlei Markierung gibt.
Bereits um 15:00 Uhr erreichen wir unser Etappenziel Artena. Alles easy, dachten wir, wir müssen nur noch in die Altstadt laufen, die komplett in den Berg hinein gebaut ist. Die einzig freie Übernachtungsmöglichkeit befindet sich ganz oben auf dem Berg. Für diese 3 km Mega steile Serpentinen benötigen wir glatte 2 Stunden. Aber Die engen , steilen Gässchen, der mittelalterlichen Altstadt sind sehr schön und bieten immer wieder tolle Ausblicke ins Tal.
Ganz oben auf dem Berg übernachten wir im wunderschönen Hotel Chiocchio.
Zimmer mit Balkon und tollem Rundumblick. Wir lecken unsere ersten Wunden, diese Etappe ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen(Blasen, Hüfte, Knie).Vor dem Essen nehmen wir noch einen Drink an der Hotelbar, im Anschluss geht’s nur noch ins Bett. Wir sind gespannt, wie‘s uns morgen geht :) !
Tag 5 17.08.2018
Artena nach Anagni Industriegebiet
Gelaufen 21 km
Reine Gehzeit 5 Stunden
Wetter: erst locker bewölkt, später Gewitter Schauer 28 Grad
Ein letzter Blick vom Balkon und wir gehen getaped( mein Knie und Sabines Hüfte ) und abgepflastert (mein rechter und linker kleine Zeh) los. Nach einem mühsamen Aufstieg, erfolgt nun ein mühsamer Abstieg. Volle Konzentration ist gefragt. Wir schlängeln uns vorsichtig durch das Labyrinth von Treppen, Gassen und Tunneln der einzigartigen Altstadt. Unten angekommen, erblickten wir tatsächlich eine via Francegina Markierung, (Fisch mit Kopf in Laufrichtung) der wir den ganzen Tag folgen können, da sie ununterbrochen vorhanden ist. Die Strecke läuft sich ausgesprochen gut, ruhige Sträßchen immer leicht bergauf und bergab.
Alles wäre gut, wäre da nicht das ständige Donnergrollen im Hintergrund. Kurz vor Schluss, erwischt s uns dann doch noch volle Kanne. Sabine meint, das sind die vielen Sünden, die ich abzubüßen habe. Dem ist natürlich nicht so, es muss hundert prozentig mit Sabine zusammen hängen.
Wie dem auch sei, nach 1 km im Regen, erreichen wir das Industriegebiet von unserem Zielort Anagni. Hier gibt es ein Trucker Hotel, in welches wir sofort ein checken. Gegenüber vom Hotel zeigt unsere Wegmarkierung nach rechts, hätten wir nicht stop gemacht, wären wir glatt daran vorbei gelaufen.
Sabine muss sich jetzt nur noch ihre 37 Mückenstiche kümmern, ich habe keinen einzigen. Nur soviel zum Thema „Sünden abbüßen.“
Die heutige Aussicht vom Balkon: Lastwagen in allen Variationen !
Tag 6 18.08.2018
Von Anagni Industriegebiet nach Veroli
Gelaufen 23 km + 5 km Mitfahrgelegenheit
Reine Gehzeit 6 Stunden
Wetter: erst sonnig und heiß, später Gewitter Schauer, 30 Grad
Nach dem Frühstück starten wir um 8:30 Uhr sofort los. Bereits nach 50 m beginnt der erste steile Aufstieg in die wunderschöne Altstadt von Anagni. Die erste Cappuccinopause ist bereits notwendig. Bei schönem Ambiente bleiben wir länger sitzen als geplant. Wie immer nach einem Aufstieg kommt auch ein Abstieg. Dies zieht sich so durch den ganzen Tag. Wegen widersprüchlicher Wegmarkierung verlaufen wir uns auch noch. Ein megasteiler Abstieg muss dann wieder hinauf geklettert werden. Um meine Knie zu schonen, bin ich den Abstieg rückwärts gelaufen - es war echt fett steil. Die ganze Aktion kostet uns 45 Minuten. Durch die anspruchsvolle Strecke, rasten wir heute immer wieder. Am späten Nachmittag zieht wie immer ein heftiges Gewitter auf. Diesmal können wir uns in eine Gelateria flüchten - ich hab mein erstes Eis gegessen. Sabine begnügt sich wie immer mit einer Tasse Cappuccino. Wir warten das Gewitter ab und erreichen somit erst um 18:00 Uhr unser Tagesziel Tecchiena . In einem Pizza Express erhalten wir WLAN Zugang und versuchen eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Vergeblich, alle Hotels sind jetzt am Wochenende komplett ausgebucht. Via Bocking com finden wir im 5 km entfernten Veroli ein Hotel. Die Angestellten vom Pizza Express aktivieren sofort ihre Verwandtschaft und tatsächlich findet sich jemand der uns hinbringt. Grandios, da wir Schnitzel fertig sind und es bereits wieder anfängt,heftig zu regnen. Vor der Stadtmauer werden wir ausgesetzt und wir beginnen sofort mit der Suche nach unserem Hotel in der Altstadt.
Endlich um 19:30 Uhr beziehen wir unser Zimmer. Ich kümmere mich heute um die Wäsche, da Sabine sofort für mich in die Farmacia stürmt um Salbe zu kaufen, da ich mir einen schmerzhaften Wolf gelaufen habe.
Essen gibt’s heut erst um 21:00 Uhr, allerdings in einer richtig netten kleinen Trattoria.
Tag 7 19.08.2018
Von Veroli nach Stangolagalli
Gelaufen 21 km
Reine Gehzeit 6 Stunden
Wetter: erst sonnig und heiß, später Gewitter Schauer, 30 Grad
Wie immer wenn wir die Route verlassen haben, müssen wir unseren Weg erstmal suchen. Kaum haben wir unseren liebgewonnenen Fisch gefunden, ist er auch schon wieder weg. Macht nix , wir laufen einfach nach unserer Karte auf dem iPad. Wie gestern geht es auch heute steil bergab und bergauf durch diese wunderschöne Bergregion. Tolle Ausblicke und ein paar Umwege inklusive. Unterwegs werden wir von den Einheimischen reich beschenkt mit Wasser, Kaffee, Kuchen und Feigen. Wir freuen uns über alles, denn die Infrastruktur ist ziemlich dürftig. Das Highlight des Tages ist aber Zweifellos die private Pilgerherrberge in Strangolagalli, direkt am Weg. Selbst Monika D´ Atti — die Autorin unseres Buches hat schon hier geschlafen. Die Großfamilie Cinelli hat in ihrem Garten neben Kühen, Schafen und Schweinen einen Wohncontainer zusammengeschweißt . Direkt neben Fahrrädern und ausrangierten Möbeln steht unser Ausziehbett mit eigenem Bad . Zum Essen sind wir an den großen Tisch der Familie eingeladen. Pilgerherz , was willst du mehr!
Das obligatorische Gewitter kommt heute wie immer um 16:00 Uhr, aber da sind wir bereits in unserer Pilger Unterkunft.
Tag 8 20.08.2018
Von Stangolagalli nach Cassio
Gelaufen 18 km + 2 km mit dem Auto + 15 km mit dem Zug
Reine Gehzeit 4,5 Stunden
Wetter: wie immer erst sonnig und heiß, später Gewitter Schauer, 30 Grad
Trotz opulentem Abendessen ( Spaghetti + Pizza) habe ich- im Gegensatz zu Sabine - sehr gut geschlafen. Anscheinend hat die ganze Nacht ein Hahn gekräht - ohne Worte. Mit einem starken Kaffee ohne Milch und mit viel Zucker werden wir in den neuen Tag entlassen. Enzo, der Hausherr, hat sich noch persönlich bei uns verabschiedet und bedankt, ehe er zur Arbeit gegangen ist. Auf mässig steilen Wegen marschieren wir hoch motiviert los. Erst auf Feld- dann auf Teerwegen führt uns die vorgegebene Route nach Ceprano. Und prompt passiert es, wir haben einen Abzweig verpasst! Nach 2 km bemerken wir unser Missgeschick. Während wir unentschlossen und wohl hilflos wirkend auf der Straße herumstehen, hält ein Auto neben uns an. Die Fahrerin erfasst die Situation sofort, sie bittet uns in ihr Auto, und fährt uns bis zum verpassten Abzweig zurück. Mille Grazie !!!
Guter Dinge marschieren wir bis Ceprano weiter. Hier holen wir um ca 12 Uhr unser wohl verdientes Frühstück nach. Wir checken nochmals genau unsere Route welche links am Lago di S. Giovanni vorbeiführen sollte. Wohl wissend, dass in einer Stadt keine Markierungen vorhanden sind, verlassen wir nach Gefühl Ceprano in Richtung Süd Ost.
Einmal sehen wir sogar den Fisch und wiegen uns in Sicherheit. Am nächsten Ortsschild - nach 8 km - kommt das große Erwachen, wir sind auf der falschen Seeseite angekommen. In Anbetracht des ersten Donnergrollens beschließen wir in Isoletta zu übernachten. Beide Hotels im 700 Seelendorf sind ausgebucht. Zum Glück gibt es hier einen Bahnhof. Mit dem Zug fahren zur nächsten Stadt auf unserer Route. Kaum sitzen wir im Zug, beginnt ein heftiger Gewitterschauer, der den Zug mitten auf der Strecke zum Anhalten zwingt. Mit zehnminütiger Verspätung erreichen wir wohlbehalten Cassino. Auf dem Weg ins Zentrum besorge ich mir in einem Sportladen eine Fahrradhose, um meine wundgelaufenen Oberschenkel besser zu schützen. Beim zweiten Hotel, das wir anfragen checken wir ein. Sabine freut sich ganz besonders über die Lavandaria, welche gleich neben an ist.
Der Angestellte verspricht uns, in einem perfekten Englisch, die Wäsche bis morgen Früh um 9:00 Uhr fertig zu machen. Da sind wir mal gespannt, ob das funktioniert.
Heute habe ich einen Heißhunger auf Wiener Schnitzel, die Aussichten darauf sind aber eher schlecht.
Tag 9 21.08.2018
Von Cassio nach Mignano Monte Lungo
Gelaufen 21 km
Reine Gehzeit 4,5 Stunden
Wetter: wie immer erst sonnig und heiß, später heftiger Gewitter Schauer, 33 Grad
Mit geöffnetem Fenster, mitten in der Stadt, schlafen wir trotz Geräuschkulisse wunderbar.
Wegen unserer abgegebenen Wäsche kommen wir erst relativ spät los. Zu allem Übel fehlt auch noch einer meiner Lieblingswandersocken. Ich mach ein bisschen Alarm, aber er ist einfach nicht mehr auffindbar.
Die heutige Strecke ist im Grunde gut zu gehen, allerdings gibt es nur eine Versorgungsstelle, und die bedeutet auch noch einen Umweg von 800 m.
Wir haben keine Wahl, wir müssen daran vorbeigehen, da unser Wasservorrat zu Neige geht. Wir decken uns zusätzlich noch mit Brot und Käse ein und machen dort gleich unsere Mittags Rast. Danach gibt es ein paar knackige Anstiege, und auch die Hitze macht uns heute ein bisschen zu schaffen. Bei einer weiteren Rast an einem Mäuerlein stelle ich mit Entsetzen fest, dass ich mir drei Blasen gelaufen habe. Ich bin mir ganz sicher, es liegt daran, dass ich nicht meine Lieblingssocken anziehen konnte. Sabine beruhigt mich und verpflastert mich wie gewohnt professionell. Danach mahnt sie mich zur Eile, da im Hintergrund schon wieder Donnergrollen zu hören ist.
Sie wird noch hektischer als sie feststellt, dass hinter ihr uns ein mittelgroßer Hund interessiert zuschaut. Dies ist nicht ganz unbegründet, schließlich haben wir schon einige Erfahrungen mit aggressiven Hunden gemacht. ( aber kein Hund auf der ganzen Welt ist so aggressiv wie meine Frau, wenn ich ihr von hinten aus Versehen auf die Stöcke trete )
Nach einer weiteren Stunde auf der Piste erwischt uns das Gewitter volle Kanne.
Völlig gelassen und routiniert packen wir unseren Poncho aus und laufen einfach im selben Tempo weiter (wir können eh nicht schneller).
Wir erreichen Monte Lungo im strömenden Regen. Leider gibt es nicht, wie im Buch beschrieben, eine Übernachtungsmöglichkeit. Wir steuern eine Bar an, und checken die Lage bei Booking. com. Wir finden ein Hotel in der Nähe, aber niemand kann uns sagen wo sich dieses befindet. Kein Problem, ich rufe dort an und spreche von Hotelier zu Hotelier - selbstverständlich auf perfektem Italienisch. Siehe da, er holt uns ab und fährt uns irgend einen Berg nach oben zu seinem Hotel. Der Wahnsinn, ein wunderschönes Hotel, einsam und allein am Berg gelegen mit einer super Aussicht. Getoppt wirft das ganze noch durch einen Empfangs-Apero.
Wir freuen uns schon auf das Abendessen, was der Chef extra für uns kocht, weil außer uns niemand im Hause ist. ( vielleicht gibt es ja heute Wienerschnitzel )
Tag 10 22.08.2018
Von Mignano Monte Lungo nach Marzanello
Gelaufen 15 km
Reine Gehzeit 4 Stunden
Wetter: sonnig und heiß, später leichtes Gewitter, 30 Grad
Getapedt, gepflastert und bandagiert gehen wir um 9.00 Uhr los. Laut Buch stehen heute 40 km ohne Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeit an.
Dies ist für uns nicht machbar. Deswegen ändern wir die Route ab, was bedeutet, dass wir viel an der Hauptstraße SS6 entlang laufen müssen. Somit haben wir nach 15 km definitiv eine Unterkunft. Links und rechts der Hauptstraße befinden sich immer wieder große Haselnnussplantagen - die Ernte ist bereits in vollem Gange - Ferrero Küsschen lässt grüßen.
Wir beziehen unser Hotel und Sabine beginnt sofort die Wäsche zu waschen. Just in dem Moment als ich die Wäsche auf dem Balkon aufhängen möchte beginnt der Regenschauer. Nicht so heftig wie sonst, dafür 1 Stunde früher. Wir freuen uns, Heute trockenen Fußes in der Unterkunft zu sein und schlafen erst mal satte 2 Stunden.
Danach geht’s zum Essen zur nächst gelegenen Pizzeria, und danach wieder schlafen.