Tag 0

Nur noch einmal schlafen dann geht’s morgen los. Wir freuen uns schon sehr. Das Wetter soll ja ganz toll werden zum Start in Cluny


Tag 1


Datum: 7.9.2025

Etappe: von Lindenstraße –Rheinfelden SBB–Cluny – Taizé

Zug: 5 h

Bus: 1 h

Gelaufen: 8 km 

Zugfahrt: 400 km

Reine Gehzeit: 2,5 h

Höhenmeter ↗️ O  hm ↘️ 0 hm

Wetter: sonnig, warm, 28°


Herzerfrischend weckt uns heute Morgen unsere Enkelin Mia, die mit ihren Eltern den Hund abholt. 

Nach dem Abschied von Kind und Hund gehen wir bei strahlendem Sonnenschein los.


Die erste Pause gibt’s im Café Graf, wo wir ein feines Frühstück zu uns nehmen.

Danach geht’s dann endgültig zum Bahnhof. 


Störungsfrei und pünktlich erreichen wir mit der Schweizer und französischen Bahn unseren Zielort Macon.

Von hier aus geht’s weiter per Bus nach Cluny. Da der Bus weiterfährt bis Taizé entscheiden wir uns spontan, nicht in Cluny auszusteigen, sondern erst in Taizé, um in der „Kommunität Taizé“ zu übernachten. Wohl wissend, dass das Essen mit Sicherheit sehr spartanisch sein wird, und es absolut keinen Luxus gibt aber dafür internationalen Flair. 

Die Kommunität Taizé ist eine Männer Bruderschaft , die sich der Versöhnung und den Frieden verschrieben hat. Die Gemeinschaft ist bewusst ökumenisch und verbindet verschiedene Konfessionen, anstatt sich von Ihnen abzusondern.

Viele 100.000 Jugendliche aus der ganzen Welt kommen jährlich zu den angebotenen Workshops.


Der Check in verläuft komplett analog, es ist kein einziger Computer zu sehen.



Wir bekommen in der Pilgerbaracke zwei Betten zugewiesen, eins im Frauentrakt und eins im Männertrakt. Die Matratze ist 5 cm hoch darunter ist ein pickelharter Gitterrost. Ich bin sofort an meine Zeit bei der Bundeswehr erinnert.


Im Vergleich zum letzten Mal - Juni 2024- sind wesentlich weniger Leute da, was sicherlich damit zusammen hängt, dass die Ferien zu Ende sind. 


Nach einem ziemlich schlichten Abendessen erleben wir einen wunderschönen Gottesdienst der anderen Art, mit vielen Gesängen in unterschiedlichen Sprachen.

Von Deutsch, Französisch über Englisch, portugiesisch und spanisch bis ukrainisch.


Die Lieder von Taizé charakterisieren sich durch wenige einfache Akkorde oft in Dur Tonarten ( C, G, D, A )  oder Moll  ( a-Moll, e- Moll ). Sehr häufige Progressionen sind C-F-G-C, G-C-G-D so dass man nach kurzer Zeit mitsingen kann.


Die wohl bekanntestenLieder sind:

Bless the Lord, Tui amoris ignem, Jesus le Christ sowie das Taizé-Halleluja.


Die Kommunität finanziert sich komplett über den Verkauf ihrer eigenen Musik, den Souvenirladen und die Veranstaltungen und Workshops.


Die vielen internationalen Besucher sind typisch für diesen Ort hier und schaffen eine besondere Atmosphäre.


Lediglich die unbequemen  Sitzgelegenheiten in der großen modernen Kirche,

kleine Schemel mit max 20 cm Höhe, bereiten uns die ersten Schmerzen. 


Bei frischer dunkler Nacht und klarem Sternenhimmel können wir im Anschluss noch die vorhergesagte Mondfinsternis beobachten. Sehr beeindruckend. 


Danach gibt es Katzenwäsche bei fließend kaltem Wasser und dann ab ins Bett. Wir sind richtig müde und freuen uns auf den morgigen Tag, wo s dann ab Cluny auf die Strecke geht.  


Tag 2

Datum: 8.9.2025

Etappe: Taizé - Cluny nach Saint Cecille

Bus: 20 min

Gelaufen: 12 km 

Reine Gehzeit: 3,5 h

Höhenmeter ↗️ 70 hm ↘️ 50 hm

Wetter: Nieselregen, Starkregen, Nieselregen, angenehm warm bei 25°


Wir strecken unseren Kopf aus der Baracke und Stellen mit Entsetzen fest: es regnet.


Ich hab mir heute Nacht eine zweite Matratze geholt. Das war möglich, da ich alleine war. Sabine hingegen hatte eine Mitbewohnerin.


Zuerst müssen wir unsere Knochen sortieren.


Wir packen ohne Eile zusammen, unser Bus fährt erst um 10:20 Uhr Richtung Cluny zu unserem eigentlichen Startpunkt.


Angekommen, suchen wir als erstes die Touristinformation auf, um uns Pilgerpässe zu besorgen. Ohne diese können wir nicht in den Pilgerunterkünften übernachten.


Danach nehmen wir ein kleines Frühstück in einer Bar ein, ehe wir uns auf die Strecke begeben. Als der Regen aufhört, gehen wir sofort los.

Wie beim letzten Mal festgestellt, geht es erst mal einen kurzen, knackigen Anstieg hoch ehe wird durch eine Porta die Stadt verlassen.


Die folgenden 12 km geht es auf einer Hochebene durch Felder und Wälder leicht wellig auf und ab.

Linker Hand zwischen den schneeweißen Kühen erblicke ich zu meiner Freude ein Stück Rehwild. 


Immer wieder gibt es einen erfrischenden Schauer von oben. 


Im Zielort angekommen, möchten wir erst einmal die Lage checken.

 

Das einzige Restaurant im Ort ist ein Michelin Sterne Restaurant, trotzdem werden wir, nass und dreckig wie wir sind, freundlich hereingelassen. 


Die Küche hat natürlich um diese Zeit geschlossen, aber wir erhalten Getränke und einen leckeren Käseteller. 


Im Ort gibt es kein Hotel, nur private Pilgerunterkünfte. Wir zeigen dem Kellner unserer Liste, und er hat die erste Adresse gleich erkannt. Es ist das Haus vom Dorflehrer mit der blauen Türe gleich gegenüber. 


Beim Verlassen des Restaurants kommt die Chefin vorbei und fragt, ob sie uns fotografieren darf und auf Ihre Facebook Seite stellen kann. Wenn’s hilft, selbstverständlich stellen wir uns für Vermarktungszwecke zur Verfügung.

Ich befürchte allerdings, dass es eher der Abschreckung dient.


Wir klingeln also beim Lehrer gegenüber und er hat tatsächlich Platz für uns.

Ein überaus reizendes Apartment, kleines Schlafzimmer, kleine Küche und Bad.

Michelle hat heute nicht mit Pilger gerechnet, deswegen hat er keine Vorräte da.


Im Dorf gibt es keinen Laden zum einkaufen, deswegen schickt er uns zur nahe gelegenen Tankstelle. Alles Super. Wir trinken Kaffee mit süßen Teilchen und das Abendessen, zwei Schinken-Käse Baguette,  nehmen wir mit.


Nach dem waschen und duschen -Steigerung zu gestern, das Wasser ist immerhin lauwarm- schieben wir die Baguette in den Ofen und gehen anschließend sehr früh zu Bett. 


Tag 3

Datum: 9.9.2025

Etappe: Saint Cecille nach Tramayes

Gelaufen: 15 km 

Reine Gehzeit: 4,5 h

Höhenmeter ↗️ 265hm ↘️ 425 hm

Wetter: zu Anfang bewölkt später sonnig bei 25°


Heute Nacht um drei Uhr bin ich aufgewacht und konnte bei endlich gutem WLAN die Bilder  in den Blog einpflegen. Leicht verspätet, aber besser als nie.


Wahrscheinlich möchte ich deshalb heute Morgen gar nicht so richtig aufstehen. Aber Sabine macht mir Beine und als der Kaffe duftet, stehe auch ich auf.


Nach dem Frühstücken - was Michel uns hergerichtet hat- starten wir um 9:30 Uhr los. 


Sofort geht’s bergauf, über die Autobahn, mit Blick zurück zu unserer Tankstelle von gestern, wo wir € 40 liegen gelassen haben.


6 km dauert der mehr oder weniger steile Anstieg. Wir laufen durch schöne Mischwälder, über sumpfige Waldwege und kleine Teersträsschen bis auf den Bergkamm.


Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, eine Wolfsfährte bestätigt zu haben.

Ich muss das gemachte Bild noch genauer auswerten. 


Auf dem Kamm läuft es sich bequem, in kleinen Wellen auf und ab. 


Die eigentliche Schwierigkeit heute ist, dass es keine Rast- Möglichkeiten wie Bänke,  Sitzgelegenheiten, Mäuerlein oder Ähnliches gibt. Auch weil halt alles nass ist.


Wir Durchlaufen keinerlei Dörfer oder Städte und treffen auch auf keinen einzigen Menschen.


Unsere einzige Rast findet im Stehen statt, wo wir in 5 Minuten unser letztes Tankstellen-Brötchen von gestern aufessen.


Nach einem knieunfreundlichen Abstieg erreichen wir unseren Zielort und lassen uns sofort beim erstbesten Hotel nieder, wo wir uns der einfachheithalber auch gleich einbuchen. 


Nach dem Duschen, diesmal wieder mit kaltem Wasser, machen wir noch einen kurzen Rundgang durch das Städtchen, stocken im Supermarkt unsere Vorräte auf und besichtigen die Eglise. Mehr gibt das Dorf nicht her, aber wir sind ja eh kaputt.


Wir essen im Hotel noch einen Salat mit Schinken und Käse ehe wir uns in das für französische Verhältnisse richtig große Bett niederlassen.


Morgen soll es ja hier in Frankreich landesweite Proteste gegen die Regierung geben, wir sind gespannt, ob wir etwas mitkriegen.


Tag 4

Datum: 10.0.2025

Etappe: von Tramayes nach St. Jaques des Arret

Gelaufen: 18 km 

Reine Gehzeit: 5,5 h

Höhenmeter ↗️ 800 hm ↘️ 900 hm

Wetter: heiter bis wolkig bei 25°


Wir steigen aus unserem 2 × 2 m großen Bett. 

Das Frühstück fällt aus, da das Restaurant geschlossen hat. 


Nach 200 hm Abstieg folgt ein 250 hm Aufstieg. 

Durch den Regen der letzten Tage hat sich der Steig in einen kleineren Bach verwandelt, was das ganze nicht wirklich einfacher macht. 


Bei der ersten Steinkbank nehmen wir, bei einem wunderbaren Panoramablick über das Valouzin-Tal im Süden vom Burgund, dann tatsächlich unser Frühstück ein.


Danach geht’s  immer weiter aufwärts und wir passieren dabei die Grenze zur Alpe de Rhone Region, vorbei an vielen Viehweiden, Pferdekoppeln, durch Wälder, hin und wieder über kleine Teersträschen. 


Auf der Passhöhe auf knapp 700 m angekommen wechselt der Untergrund beim 

Abstieg auf einen bockigen Geröll Weg bis ins Dorf Cenves.


Es ist geplant ein kleines Lunch einzunehmen. Wir verlassen uns auf unser Buch, wo ein Restaurant eingezeichnet ist. Weit gefehlt. Alles geschlossen.


Wir haben Glück, vor dem Git gibt’s einen schönen Picknickplatz, wo wir die restlichen Vorräte aus unserem Rucksack essen. 


Danach erfolgt wieder ein Aufstieg von 300 m auf Passhöhe Niveau. 


Immer wieder bleiben wir stehen und genießen den rund um Ausblick. In Wahrheit aber um nach Luft zu Japsten - ich natürlich nicht. Ich japse nur aus Sympathie mit Sabine mit.


Sieht hier ein bisschen so aus, wie im Allgäu oder im Schwarzwald.


Nach munterem auf und ab geht’s irgendwann nur noch steil abwärts bis zu unserem Zielort St. Jacques‘ des Arrets. 

Es ist eine von 13 Gemeinden in Frankreich, die den Namen St. Jacques im Stadtnamen tragen dürfen.


Durch einen entscheidenden Tip einer Passantin finden wir den gemütlichen „Gite d‘Etape“ von Nico, ein wirklich schöner Platz für Pilger und es gibt sogar warmes Wasser!!


Da auch hier das Restaurant geschlossen hat, bietet uns Nico an, uns Lebensmittel aus der Stadt mitzubringen, da er eh grad zum einkaufen fährt.

Dieses unschlagbare Angebot nehmen wir natürlich gerne an.


Zwischenzeitlich besichtigen wir noch die neu restaurierte Kirche, wo Tradition neben Moderne zu finden ist. Die Gemälde und Fresken sind modern bis abstrakt gemalt, die uralten Säulen sind erhalten und der alte Steinboden teilweise freigelegt. Eine wirklich interessante Mischung!


Wieder zurück gibts gemischten Salat mit Käse und Maisbrot, davor eine Nudelsuppe. Ebenfalls eine interessante Mischung, aber es schmeckt prima.


Jetzt aber ab ins Bett, nach dieser Bergtour sind wir echt erschöpft.


Tag 5

Datum: 11.09.2025

Etappe: von St. Jaques des Arret nach Les Ardillats

Gelaufen: 19 km 

Reine Gehzeit: 6.5 h

Höhenmeter ↗️ 450 hm ↘️ 250 hm

Wetter: heiter bis wolkig bei 22°


Eigentlich wollen wir heute Morgen etwas früher los, weshalb Sabine bereits um 7:30 Uhr aufsteht. Sie geht auf die Terrasse und schlüpft anschließend sofort wieder in ihren Schlafsack mit den knappen Worten: nass und kalt.


Das ist wunderbar, Ich brauch nicht mal meine Augen aufzumachen und kann einfach weiterschlafen.


Nächster Versuch um 9:00 Uhr, die Sonne kommt langsam raus.

Jetzt raus aus dem Schlafsack und zusammenpacken. Eine halbe Stunde später begeben wir uns aufgeschnallt und mit langen Hosen bei frischen 15° auf die Strecke.


Es geht zunächst bergab, wo wir einen wunderschönen Regenbogen sehen danach durchwandern ein Tal bis zum Ort Ouroux. 


In einem polyvalenten Laden  mit eingebauter Metzgerei, Bäckerei, Supermarkt und Café-Bar machen wir eine ausgedehnter Pause von 1 Stunde. Wir verschlingen 6 süße/salzige Teilchen und trinken dazu 4 Tassen Kaffee au lait .


Das ist auch bitter notwendig, denn es steht ein weiterer Aufstieg auf den Col de Crie mit über 720 m an. 


Schritt für Schritt schieben wir uns den Berg nach oben, als plötzlich ein lautes Borsten und Krachen in nächster Nähe zu hören ist. Unmittelbar danach gibt es einen dumpfen Aufprall. Was ist passiert? Keine 20 m vor uns fällt ein Baum geradewegs über den Schotterweg. Meine Güte.

Im Grunde kann ich Sabine dankbar sein, dass sie so langsam ist, sonst hätte uns der Baum womöglich noch erschlagen. 


An einem Holzsammelplatz erreichen wir den höchsten Punkt des heutigen Tages, ehe wir zur Passdurchfahrt absteigen. 


Dem großen Rennrad mitten auf dem Kreisel zufolge kommt hier wohl öfters die Tour de France vorbei. 


Im Haus des Waldes „ Maison des Forest“ am Col de Crie auf der Passhöhe nehmen wir einen kleinen Schafskäse Snack mit Baguette ein. Dazu eine Dose Beaujolais und eine Flasche Kirschsaft. Jetzt ratet mal, wer was getrunken hat.


Wärend  wir so snacken besorgt uns die Kioskbetreiberin ein Zimmer in der näheren Umgebung - im Ort Les Ardillats, anscheinend in 5 Minuten erreichbar.

Mit Abendessen inclusive. Perfekt !


Wir machen uns auf den Weg. Nach 1 km kommen die ersten Zweifel auf, ob wir tatsächlich richtig sind, oder gar eine Abzweigung verpasst haben.


Aus Erfahrung wissen wir, dass die Zeit- und Distanzangaben der regionalen Bevölkerung meistens falsch eingeschätzt wird. Da wird es mal schnell 2  statt 1 km.


Wir laufen also erst mal weiter, bis tatsächlich bei der nächsten Kreuzung ein Hinweisschild zu sehen ist. Juhu , nur noch 600 m. Leider hat die Dame vom Kiosk vergessen uns zu sagen, dass die letzten 600 m steil bergab gehen. D.h. im Umkehrschluss: Morgen früh geht’s gleich mal die ersten 600 m steil bergauf. Sabine ist not amused.


Die Location allerdings ist eine Wucht. Mitten  im Wald, großes Zimmer und ein schöner Pool. 15 Minuten nach Ankunft liegt Sabine bereits im Liegestuhl, während ich die ersten Bahnen ziehe. 


Es ist wieder mal ersichtlich, dass ich noch jede Menge Kraftreserven habe, wärend Sabine schon fix und fertig mit rotem Kopf im Liegestuhl liegt und keinen Mucks mehr von sich gibt. 


Ich habe jetzt noch ein wenig Zeit, weil Sabine ja noch die Wäsche machen darf, ehe wir um 19:30 Uhr zum Apero gebeten werden. Wir sind schon sehr gespannt, was es danach zum Essen geben wird.


Tag 6

Datum: 12.9.2025

Etappe: von Les Ardillats nach Azole

Gelaufen: 17 km 

Reine Gehzeit: 6.5 h

Höhenmeter ↗️ 500 hm ↘️ 370 hm

Wetter: heiter bis wolkig, auf den Bergen frisch bei 15° im Tal bei 22°


Um 8:30 Uhr ruft der Hausherr zum Frühstück. 

Die lustige Truppe von gestern findet sich auch heute beim Frühstück wieder zusammen. Zwei Belgier, die hier in der Region Wanderurlaub machen, zwei Briten, auf der Durchreise nach Saint-Tropez und wir. Jeder hat was Interessantes zu erzählen. Deshalb sitzen wir ein bisschen länger als üblich und gehen daher erst um 10:00 Uhr los. 


Beginnend mit dem langen Aufstieg von 600 m zurück zur Route, den wir gestern abgestiegen sind.


Bis 12:00 Uhr haben wir strahlenden Sonnenschein bei wolkenlosen Himmel. 

Erst später ziehen langsam Wolken auf. 


Von Anfang an geht es mäßig steil, dafür sehr lang gezogen ( 12 km ) bergauf. 

Es geht durch dunkle Nadelwälder und schöne Lichtungen mit Ausblick über das Bergmassiv Saint-Regaut, dessen höchsten Berg im Department wir gerade besteigen.


Am höchsten Punk auf knapp 1.000 m rasten wir lediglich 5 Minuten in einer Schutzhütte. Für länger ist es einfach zu kalt. 

Danach erfolgt der Abstieg über einen steilen Weg voller Geröll, Steine, Wurzeln und Löcher. Ich bitte Sabine sich mehr auf den Weg zu konzentrieren und weniger zu quasseln. Hat nur bedingt funktioniert.


Immer wenn die Sonne den Weg durchs Blätterdach findet, bleiben wir kurz stehen, um uns im Sonnenstrahl aufzuwärmen. Es ist wirklich saukalt. Man sieht den eigenen Atem.

Aber je weiter wir absteigen, desto wärmer wird es.


Gegen 14:00 Uhr erreichen wir das Dorf Propieres. Mit voller Begeisterung stürmt Sabine vorne weg in den geöffneten Gasthof. Nach 15 km ohne nennenswerte Pause sind wir nach diesem aufregenden Bergritt völlig k.o. Außerdem haben wir Hunger und Durst.


Die Küche hat schon geschlossen doch als erkennbare Pilger erhalten wir einen Salat mit Bratkartoffeln, Eiern, Käse, Speck und Baguette sowie Kaffee, Wasser und natürlich den für diese Region wichtigen Beaujolais Wein. Einfach Lecker.


Nach dem Essen checken wir unsere Übernachtungsmöglichkeiten, die in den nächsten Kilometern vorhanden sind. 

Fündig werden wir auf dem 2 km entfernten Campingplatz, wo wir uns für die heutige Nacht ein Holzhäuschen mieten können. 

Da der Campingplatz geschlossen hat, die Saison ist bereits vorbei, läuft die Abwicklung über das Postamt hier im Ort. 


Hier erhalten wir nach dem Registrieren und Bezahlen den Schlüssel Code und auf geht’s die letzten 2 km steil bergab ab zum direkt am Weg liegend Campingplatz mit unserem Holzhäuschen mit der Nummer 8 direkt am See.


Als sich der Nachbar auf den Weg macht, zum Einkaufen ins Zentrum zu fahren, fragen wir ihn, ob er uns mitnehmen kann. Wir haben Glück. Er hat Platz im Auto und nimmt uns gerne mit.

Als wir uns nach dem einkaufen auf dem Rückweg befinden, sammelt er uns auf halber Strecke wieder ein. Was für ein Service ! 

Unverhofft fällt somit unser Abendessen etwas üppiger aus als gedacht.


Tag 7

Datum: 13.9.2025

Etappe: von Azole nach Le Cergne

Gelaufen: 24 km 

Reine Gehzeit: 7,5 h

Höhenmeter ↗️ 390  hm ↘️ 250 hm

Wetter: bewölkt, Regen, Starkregen, Nieselregen bei 20°


Heute Morgen bringt mir Sabine als erstes den Kaffee ans Bett. 

Lecker, Nescafé mit Milchpulver.


Wir trinken den Kaffee in unseren Schlafsäcken, es ist ziemlich kalt.

Gegen 9:30 Uhr wird es wärmer und wir packen zusammen und brechen um 10:15 Uhr auf.


Mit etwas Wehmut verlassen wir unseren schönen Campingplatz mit dem Bade- und Angelweiher.


Wir sind gespannt, was der heutige Tag so bringt, meine Wetter App verheisst niichts Gutes. 


Die Etappe heute scheint etwas länger, aber dafür etwas flacher zu sein.

Allen Prognosen zum trotz geht es die ersten Kilometer über einen, wie Sabine sagt,„unmöglichen“ Karrenweg steil nach oben. 


Ich erblicke auf circa 300 m auf einer Wiese ein großes Rotwildrudel. Geschätzt circa 25-30 Stück.

Wir laufen beide äußerst leise den Steig weiter nach oben. Oben angekommen waren sie trotzdem schon alle weg. Schade, ich dachte ich kann noch ein schönes Bild machen.


Kurz darauf erreichen wir die Passhöhe Col de Echarmeaux auf 710 m. 

Hier möchten wir in der Bar frühstücken. Sie hat geöffnet, aber leider gibt es nur Getränke. Wir fragen die Barfrau, ob wir unser eigenes Vesper aus dem Rucksack in in ihrem Gastraum verzehren dürfen. Draußen ist es zu kalt zum sitzen.


Die nächsten 15 km gibt es nur Natur pur, weshalb wir hier unter Mithilfe der Barfrau in Le Cergne, dem ersten Ort der kommt, unsere Übernachtung klar machen. Man muss wissen, es gibt heute für uns nur diese Möglichkeit zum übernachten.  


Wir sitzen ziemlich lange in der gemütlich Bar. 


Nach der Hälfte der Strecke wird das Wetter ziemlich abwechslungsreich:

Trockene Abschnitte, Starkregen, Nieselregen, Sturmböen. Richtig kurzweilig.


Das positive daran ist, dass wir beide schneller laufen,und keinen der schönen Picknickplätze nutzen. So kommen wir umso schneller ans Ziel.


Zum Ende der Tour wird das Wetter wieder besser, so dass wir immerhin noch einigermaßen abtrocknen. 


Wir passieren im Wald etliche Drückjagd- und Hochsitze, großflächige Moosflächen sowie Polterholz, welches wunderbar nach frisch geschlagenem Duglasienholz duftet.


Der Weg führt uns noch mit einem kleinen Umweg an der Kapelle Notre-Dame de Fatima vorbei. War ja ganz nett.


Den Ort erreichen wir von oben kommend über 67 Stufen. Meine Güte, und das zum Ende des Tages. 


Zielsicher steuern wir im Städtchen unter Mithilfe einer Horde Jugendlicher die Chalets der Gemeinde an - circa 10 an der Zahl.

Wir haben für das apricot-farbene den Schlüsselcode erhalten.

Ähnlich wie gestern, eine wirklich reizende Unterkunft.


Für 19:00 Uhr hat sich die Dame der Touristinfo angekündigt, um zu kassieren und die Piger-Pässe abzustempeln.

Sie empfiehlt uns fürs Abendessen, die Bar in der Stadtmitte, wo es anscheinend eine „kreative Platte mit Käse“ gibt. Wir sind gespannt. 


Tag 8

Datum: 14.09.2025

Etappe: von Le Cergne nach Charlieu

Gelaufen: 21 km 

Reine Gehzeit: 7 h

Höhenmeter ↗️ 300 hm ↘️ 480 hm

Wetter: bewölkt, Nieselregen bei 23°


Aufgrund des Schuhwärmer im Badezimmer sind unsere Schuhe tipptopp trocken.

Wir verlassen unser Chalet bei leichtem Nieselregen und frühstücken nach 1 km in einer Frühstücksbar in der Ortsmitte.

Die kreative Platte ist gestern Abend ausgefallen, da wir die falsche Bar angesteuert haben. Da es deswegen nur Reste vom Rucksack gegeben hat, haben wir heute Morgen einen Mordshunger. Wir futtern uns einmal quer durchs Sortiment mit vier Croissant, zwei Pizzaecken und zwei Nutella-Taler. Dazu Kaffee, Wasser und Orangensaft. 

Wir sitzen über 1 Stunde in der gemütlichen Bar, bis der Regen aufgehört.

Dann geht’s aber sofort los, wir sind schon 1 Stunde in Verzug. 

Beim Verlassen der Bar fotografiere ich noch die sechs Motocrosser, die auch hier frühstücken.

Der Abstieg beginnt sofort und steil.

So geht es den ganzen Tag. Dazwischen gibt’s zur Abwechslung immer mal wieder einen giftigen Anstieg.

Nach einigen Kilometern überholen uns die Motocrosser, die sichtlich Spaß haben, an dem matschigen Untergrund und den steilen Steigen. 


Wir laufen frohen Mutes durch die großen Viehweiden und überwiegend freies Gelände, in Vorfreude auf den angekündigten Laden mit Kaffeebar, bei ungefähr der Hälfte der Strecke. 

Bei der Ankunft beim vermeintlichen Laden trifft uns fast der Schlag.

Müllberge, soweit das Auge reicht, und natürlich geschlossen. Da es just in diesem Moment anfängt zu regnen, stehen wir sprichwörtlich da, wie zwei begossene Pudel.

Es hilft alles Nix, Regen Poncho raus und weiter geht’s. 


Im weiteren Tagesverlauf, laufen wir an zwei Drückjagden vorbei. Signalhörner und Schüsse inklusive. Sabine möchte sofort ihr altbekanntes „Hoch auf dem gelben Wagen“ Lied anstimmen, um auf uns aufmerksam zu machen. Ich beruhige sie, wir sind weit genug weg.


Das letzte Stück zieht sich endlos, wir denken schon, die Stadt gibt’s überhaupt nicht, oder wir haben uns dermaßen verlaufen. Aber wenigstens hört der Regen auf.


Irgendwann erreichen wir die Stadt Charlieu , in einem Kessel liegend, doch noch, und bekommen sofort einen Kulturschock. 


Nach tagelangem einsamen Pampalaufen und ausgestorbenen Dörfern, tanzt hier der Bär. Chilbi ist angesagt. Aus jedem Fahrgeschäft eine andere Musik, voll gestopfte Straßen und volle Cafés.


Wir finden einen freien Platz in einer Taverne, wo wir uns eine Unterkunft suchen.

Wegen des Festes ist die Stadt ziemlich voll doch wir werden bei Booking. Com fündig.

Ein kleines Studio, keine 100 m von der Stadtmitte entfernt. 


Wir kommen hin und klingeln vergeblich an der Türe. Leider habe ich versäumt, die Buchungsbestätigung richtig zu lesen. Hier läuft alles kontaktlos.


Wir haben keine Ahnung und fragen eine Passantin, die uns sofort behilflich ist.


Sie liest die Buchungsbestätigung kurz durch und weiß sofort Bescheid.

Zielsicher führt sie uns zum Haus, öffne die Türe mit den Worten: „it’s Always Open“ und führt uns mit dem erhaltenen Code in unser Studio.


Mit dieser Vorgehensweise tun wir uns einfach etwas schwer, doch wahrscheinlich wird das in Zukunft mehr und mehr aufkommen.

Nach dem duschen und waschen ( mit Waschmaschine!!!) Machen wir uns auf den Weg zurück zum Stadtzentrum, heute essen wir hoffentlich mal was Richtiges. 


Tag 9

Datum: 15.9.2025

Etappe: von Charlieu nach Roanne

Gelaufen: 16 km 

Bustransfer: 6 km

Reine Gehzeit: 5 h

Höhenmeter ↗️ 10 hm ↘️ 10 hm

Wetter: sonnig und warm bei 28°


Heute gibt’s das Kontrastprogramm.

Wir trödeln erst mal durch die Stadt, frühstücken nett, besichtigen den historischen Stadtkern mit seiner alten Kirche und der Benediktinerabtei, ehe wir über den Radweg die Stadt in Richtung Süden verlassen.


Landschaftlich gibt’s heute Industriegebiete, Kläranlagen, Schrottplatz und Sportplätze und dazwischen ein Vogelparadies.


Wird durchwandern den Vogel- Lehrpfad und erfahren, dass hier Schwarz-Spechte Rauhfusskauze, Lerchenammem, Baum-Falken, Wiesenweihen, Bachstelzen und Wasseramseln bevorzugt leben.


Gesehen habe ich lediglich einen Grünspecht und hoch über uns fliegende Milane. Sabine meint, es sind vielleicht schon die Geier die über uns kreisen. 

Rechts und links in den dichten Büschen und Bäumen zwitschert es allerdings wild durcheinander.


Im Ort Briennon machen wir Rast am Hausboot Hafen des Kanals Loire. 


Hier lote ich eine grandiose Abkürzung aus, Sabine ist zwar nicht ganz begeistert, folgt mir dann aber brav.


Ich gehe zügig voraus. Sabine folgt mir auf circa 50 Meter. Ein Auto fährt auffallend langsam an ihr vorbei, öffnet das Fenster und und hält dann schließlich neben mir an.

Die zwei Männer sprechen mich erst auf französisch, dann in einem gebrochen Englisch an, fragen, wo wir herkommen, was wir hier machen und wohin die Reise geht. Ich bin ein bisschen irritiert, sehe dann aber, dass sie Waffen tragen und eine große Taschenlampe und Polizeikelle in der Mittelkonsole liegt. Es handelt sich offensichtlich um eine Zivilstreife.


Jedenfalls sind sie mit meinen Auskünften zufrieden und fahren weiter. 


Der Weg geht idyllisch entlang der viel befahrenen Hauptstraße D43, wunderbar in der prallen Sonne, immer geradeaus und ohne Steigung.

Kurzweilig sind die vielen verschiedenen Autos und Lastwagen, die in unmittelbarerem Abstand an uns vorbei donnern.


Nach einigen Kilometern machen wir Rast an einer Bushaltestelle und sehen mit Entsetzen, wie eine dunkle, schwarze Wolkenwand von Westen her auf uns zukommt. Es beginnt bereits leicht zu stürmen. 


Der Bus kommt in 2 Minuten, das passt ja wunderbar, fast wie geplant.

Er bringt uns 6 km in die nächste größere Stadt Roanne, welche überhaupt nicht auf unserer Route liegt. 


Sabine macht mir Augen aber ich beruhige sie dahingehend, dass ich ihr sage: die Abkürzung ist auch noch nicht fertig sie geht morgen weiter…………


Angekommen am Hauptbahnhof schlendern wir gemütlich ins Zentrum und durch die Fußgängerzone. Sabine kann hier sogar ihr aufgetretenes Brillenproblem lösen. 


Wir setzen uns in ein Café und suchen uns eine Unterkunft in näherer Umgebung. Wir werden fündig im 500 m entfernten Hotel la Grenette. Das ist insofern lustig, da wir gestern im „Petit La Grenette“ übernachtet haben.


Wir beziehen unser Zimmer, und es beginnt zu regnen.

Was für ein super Timing!!!


Tag 10

Datum: 16.9.2025

Etappe: von Roanne nach Saint Jean Maurice

Gelaufen: 19 km 

Reine Gehzeit: 6,5 h

Höhenmeter ↗️ 50 hm ↘️ 50 hm

Wetter: sonnig und warm bei 23°


Um Gewicht zu reduzieren, frühstücken wir heute Morgen Vorräte aus dem Rucksack, aus Platzmangel direkt im Bett.


Nach dem auschecken holen wir uns in der futuristisch anmutenden Touriinfo noch den Stempel, ehe wir zum zweiten Teil der Abkürzung aufbrechen.


Zweimal rechts und dann durch die Fußgängerzone 6 km stadtauswärts und im Anschluss nochmals 8 km auf der Landstraße, immer Schnur geradeaus.


Schon nach kurzer Zeit nimmt man die Autos gar nicht mehr wahr, finde ich.

Da es potteben ist und wir von dieser lauten Landstraße möglichst schnell runter wollen, sind wir flotten Fußes ziemlich zügig unterwegs.

 

Wir stoßen auf unseren regulären Weg im Gewerbegebiet von Lentigny, wo wir zwischen Baumarkt, Supermarkt und Tankstelle eine Bäckerei mit Cafeteria vor finden. Perfekt!


Hier hier pausieren wir erst mal mehr als 1 Stunde, um uns von den Strapazen der Landstraße zu erholen, gleichzeitig nehmen ein kleines Lunch ein.


Danach geht’s nur noch im Schneckentempo weiter.

Nicht zuletzt, weil Sabine die vielen, vielen Pferde am Wegesrand auf den riesigen Weiden genau anschauen möchte. 


Die Gutshöfe dazu ähneln eher kleinen Schlösschen als Bauernhöfen.

Sabine ist ganz begeistert und kann sich gar nicht satt sehen. 

Ich vermute eher, dass es sich um eine Ausrede handelt, und sie komplett schwächelt.


Dennoch erreichen wir relativ früh am Tage gegen 16.00 Uhr unseren Zielort Saint -Jean - Saint -Maurice, direkt an der Loire gelegen.


Unsere Unterkunft im Gite „la Cure“ teilen wir uns heute mit einer weiteren Pilgerin aus Frankreich. Sie ist in Avignon gestartet mit Ziel „St. Jean Piet de Port“.


Auf einem Künstler Areal, wo sich auch unsere Unterkunft befindet, hat es mehrere kleine Werkstätten, wo junge Künstler sich für fünf Jahre ausprobieren können, ehe sie dann in die Selbstständigkeit starten.


Schade nur, dass heute und morgen beide Restaurants  in diesem WLAN freien Ort geschlossen haben, und Laden gibt’s hier sowieso keinen.


In dem Fall gibt’s halt wieder Reste aus dem Rucksack.