Tag 51 - 55


Tag 51 - 20.9.2016
Von Montefiascone nach Santa Martino 
Gesamtstrecke: 30.5 km
Reine Gehzeit: 8 Stunden
Wetter: sonnig, wolkenlos, 28 Grad

Trotz Strohmatratzen haben wir beide heute erstaunlicherweise gut geschlafen. Um 7:00 Uhr werden wir mit einem lauten Klopfen an unserer Zimmertüre geweckt. Es ist Lorenzo. Er teilt uns mit, dass er heute Geburtstag hat - allerdings ohne Angabe seines Alters - und möchte uns für heute Abend in Viterbo zu Kaffee und Kuchen einladen. Leider müssen wir ablehnen, da wir bereits im Vorfeld entschieden haben, noch 6 km weiter zu gehen und bereits über Booking.com ein kleines Casa gebucht haben. Der Grund ist ganz einfach, eine für uns bessere Verteilung der Strecke. Wir hoffen aber stark, dass wir ihn morgen in Sutri nochmals antreffen werden. Da wir nun wach sind, frühstücken wir im Kloster und können zeitig losgehen. Entgegen meiner Annahme, dass wir auf den letzten 100 km vor Rom auf viele Pilger treffen werden, stelle ich fest, dass dem nicht so ist. Es ist kein Unterschied zu vorher festzustellen. Es bestätigt sich, das die via Francigena eben noch nicht so stark frequentiert ist wie der Camino de Santiago. Trotz alledem treffen wir auf bekannte und auch ein paar neue Gesichter.
Ein absolutes Highlight heute sind natürlich die heißen Quellen von Bacucco- für Pellegrini frei zugänglich. Das Wasser kommt mit 58° an die Erdoberfläche. Es werden vier Becken damit aufgefüllt. Warm, mega warm, heiß, mega heiß. Wir testen alle Becken durch, allerdings im letzten Becken können wir nicht einmal die Füße eintauchen. Wir genießen diese Oase circa eineinhalb Stunden. Danach geht es weiter auf der stehts flachen Strecke nach Viterbo. Eine richtig tolle Großstadt, viele Portas, Kirchen, Ampeln, Menschen, und noch mehr Autos. Am Ende der Stadt stärken wir uns noch einmal in einem Café, da es anschließend laut Buchangabe ca 6 km steil bergauf geht. Wir laufen sorglos und folgen stets der Markierung, bist wir vor einem verschlossenen Tor stehen. Die Straße endet hier. Weitere Zeichen führen rechts ab in den Wald. Es handelt sich wohl um eine Umleitung. Wir freuen uns so lange über die gute Wegbeschilderung, bis wir feststellen, dass es sich um einen Umweg von ca 5 km handelt. Und dies immer steil  Berg auf. Bravo. In San Martino angekommen werden wir mit einer grandiosen Unterkunft entschädigt. Wir schlafen heute in einem Turm der Stadtmauer. Unten eine Küche und Bad, oben ein Schlafzimmer. Im Garten steht eine Waschmaschine, bewacht von 15! Katzen. Hier dürfen wir uns an Trauben und Mirabellen bedienen. 
Ich muss gestehen, dass ich heute mehr Fußschmerzen habe, als Sabine. Das will was heißen. Wir verlassen unsere wunderschöne Unterkunft heute nicht mehr und bestellen den Pizza Express. 
Tag 52 - 21.9.2016
Von Santa Martino nach Sutri
Gesamtstrecke: 22 km
Reine Gehzeit: 6 Stunden
Wetter: heiter bis wolkig, 25 Grad

Erst spät verlassen wir unser schönes Casa und sofort geht es steil auf der Straße bergauf. Wir erklimmen eine Serpentine nach der anderen und wechseln dabei stetig die Straßenseite um von den Autos immer rechtzeitig gesehen zu werden. Ein vorbeifahrender Omnibus mit einer ganzen Horde von Pellegríni an Board überholt uns. Wir winken ihnen freudig zu, während sie uns mitleidige Blicke zuwerfen. 
Heute gibt es zwei alternativ Routen. Wir entscheiden uns für die Bergtour, die allerdings sehr spärlich ausgeschildert ist. Doch dank Sabine mit ihrem schlauen Buch, kombiniert mit meinem pfadfinderischen Spürsinn, stellt dies für uns kein Problem dar. 
Der Weg führt ca. 4 km durch einen gemischten Hochwald voller Losung, Fährten und Trittsigel von Rot- Reh- und Schwarzwild. Links und rechts vom Weg ist frisch gebrochen. Ein dauernder Geruch von Maggi ist in der Luft, so dass die Sauen nicht weit weg sein können.
Hier könnte man bestimmt toll jagen. Schade nur, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt und ich nicht weiß, wie die ital. Gesetzgebung hierfür ist.
Auf 911 Höhenmeter haben wir die Spitze vom Berg erreicht. Von nun an geht's stehts bergab. So langsam lichtet sich der Wald und wir bekommen einen tollen Blick auf den Lago di Vici, den wir von Norden kommend dreiviertel umrundet haben. Weiter geht's durch riesige Haselnuss- Plantagen, welche gerade abgeerntet werden. Sie sind alle durchweg mit Elektrozäunen mit bis zu 4 Litzen vor Wild und Pilgern geschützt. Eine letzte Rast gönnen wir uns in Ronciglione, ehe wir die restlichen 6 Kilometer nach Sutri zurücklegen.
Die ursprünglich geplante Herberge der Carmelitinerinnen ist ausgebucht, sodass wir die Tourismus- Info ansteuern. Ehe wir sie betreten können, hält uns ein Einheimischer auf, und zieht uns zu einem Hauseingang nebenan der Touri- Info. Eine Frau öffnet die Türe und zeigt uns eine Wohnung welche sie an Pilger vermietet. Bis zu 5 Pellegríni können hier übernachten.  Wir belegen ein Zimmer - es kommen keine weitere Pilger hinzu. Am Abend gehen wir noch in das einzige aber erstklassige Ristorante, was in dieser verschlafenen Stadt geöffnet hat, zum Essen.


Tag 53- 22.9.2016
Von Sutri nach Campagnano di Roma
Gesamtstrecke: 27 km
Reine Gehzeit: 7.5 Stunden
Wetter: sonnig, 28 Grad

Während wir in unserer Unterkunft frühstücken, überrascht uns die Vermieterin mit einem Kurzbesuch. Sie serviert uns frischen Cappuccino. Es ist offensichtlich, dass diese Geste nur als Vorwand dient. Natürlich möchte sie kontrollieren, ob wir in der Nacht weitere Pilger mitgebracht haben. Um 8.45 Uhr legen wir gestärkt los.
Nach ca 10 km rasten wir in Montrosi und nehmen unseren 2. Cappuccino ein. Beim weiterlaufen überqueren wir eine Piazza und wen treffen wir da an ? Maria, die Holländerin, die wir ganz zu Anfang in den Alpen am Großen St. Bernhard kennengelernt haben! Was für eine Riesenfreude! Sabines größter Wunsch, jemand vom Anfang der Reise auch am Ende wieder zu treffen ist in Erfüllung gegangen. Sie ist total aus dem Häuschen. Wir dachten, sie ist längst in Rom. 
Der weitere Streckenverlauf ist gut und neu markiert, da die  Strecke neuerdings von der Straße weg führt. Dieser Umweg von ca. 3 km ist sinnvoll, da die alte Strecke für ca. 12 km komplett an der Hauptstraße entlang führt. 
Der neu angelegte Weg führt wunderbar über Schotter und Waldwege vorbei an Wiesen und Haselnuss-Plantagen. Ein Großteil der Nüsse wird anscheinend von Ferero für seine Küsschen aufgekauft.
Ca. 6 km vor dem Tagesziel taucht überraschender Weise eine Art Adventure -Biergarten auf. Diesen steuern wir sofort an. Umringt von freilaufenden Hühnern genießen wir die Pasta im Plastik Teller. Auch mein obligatorisches Weißwein 1/8 tele wird im Plastikbecher serviert. Interessanter Weise bekommen die Gäste am Nachbartisch Tischdecke, Porzellanteller, Gläser und Speisekarte vorgelegt. Frei nach dem Motto "der Tourist verlangt, der Pilger dankt" sind wir mit dem zufrieden was wir bekommen haben, und freuen uns über eine wirklich günstige Rechnung. Zügig gehen wir die letzten Kilometer und wie aus dem nichts steht plötzlich die Stadt senkrecht über uns. Ein knackiger Anstieg führt uns nach Campagnano di Roma. Nach dem Durchqueren der Altstadt und der Porta treffen wir auf eine junge einheimische Italienerin, welche uns direkt zum 500 m entfernten Ostello San Giovanni führt - vielen Dank !
Den Abend lassen wir in der Stadt in einem Ristorante ausklingen, wo wir nicht nur auf Maria und Gisela treffen, auch auch viele weitere Pilger die wir im heutigen Tagesverlauf angetroffen haben.  


Tag 54 - 23.9.2016
Von Campagnano di Roma nach La Storka
Gesamtstrecke: 24 km
Reine Gehzeit: 5.5 Stunden
Wetter: sonnig, 29 Grad

Schon früh am Morgen um 8:30 Uhr macht Sabine Stress und reisst mich aus dem Tiefschlaf. Eine dreiviertel Stunde später stehen wir parat vor der Herberge und gehen los. Irgendwie komme ich heute überhaupt nicht in die Gänge, im Gegensatz zu Sabine, sie macht von Anfang an richtig Dampf. Nach zehn Kilometer treffen wir auf unsere Berliner Zimmergenossinen und ich lade Sie spontan auf ein Bier ein. Während ich noch Stunden sitzen bleiben könnte mahnt Sabine zum Aufbruch. Die Strecke läuft sich gut und bietet keine Schwierigkeiten. Allerdings dürfen wir einen weiteren Bach überqueren, ich sage nur eines: Gakseleimer die zweite. Diesmal hat es fast geklappt mit dem Foto des Jahres, doch wild fuchtelnd kann sie sich noch abfangen. Mit hochrotem Kopf und voller Zorn wartet sie am anderen Ufer auf mich. Ich beeile mich und Rutsche dabei auf dem Trittstein aus und stehe mit einem Bein im Wasser. Auf der anderen Uferseite angekommen ist mir klar, warum Sabine so außer sich ist: keine 10 m weiter ist eine nagelneue Brücke über den Bach gebaut. Die Beschilderung führt die Pilger aber nach wie vor durch den Bach. Weiter auf dem Weg treffen wir auf einen Bauern auf seinem Traktor, der auf der Suche nach seinen ausgebüxtden Kühen ist. Leider können wir Ihm nicht weiterhelfen. Der Weg führt weiter durch ein Villenviertel mit Pool, Tennisplätzen und tollen Häusern, sowie an der Wallfahrtskirche Madonna del Sorbo - bekannt durch das Schweinewunder.
Wir gehen kurz hinein hinein und holen uns selbstverständlich einen Stempel ab. 
Auf einem Hügel angekommen erblicken wir zum ersten Mal in der Ferne unser Endziel Rom. Das heutige Tagesziel ist aber La Storta, welches wir gegen 17:00 Uhr erreichen.
Wir erkundigen uns in einem Hotel über ein freies Zimmer, doch leider ist es ausgebucht. Der freundliche Hotelier reserviert uns aber zwei Betten im Casa Nostra bei den Nonnen. Das heißt wohl oder übel 1 km zurück laufen. In der Begegnungsstätte der Nonnen ist es sehr schön und wir erhalten auch ein günstiges Abendessen.
Außerdem treffen wir auf Maria und Gisela sowie die italienische Gruppe aus Trient, und wir essen alle gemeinsam.
Nur noch einmal schlafen und morgen erreichen wir hoffentlich Rom. 

Tag 55 - 24.09.2016

Live Ticker
8.37 Uhr: machen uns jetzt auf den Weg - sind 15 km vor Rom 
10.44 Uhr: nach 8 km Kaffee- Pause und bereits Reduktion der Croissant, Wetter richtig gut, gefährliche Strecke zwischen La Storka und Ottavia, noch ca. 7 km
12.22 Uhr: Laufen auf der Strecke nach wie vor heavy, Verkehr nimmt noch mehr zu, Wetter wird heißer, sind an der Kirche San Francesco d' Assi in Monte Mario 
13.09 Uhr: sind im Park Riserva Naturale di Monte Mario mit einem wahnsinns Panoramablick auf Rom, wir freuen uns
15.00 Uhr: wir sind am Ziel - Hurra 



Von La Storka nach Rom - Unterkunft 
Gesamtstrecke: 20 km
Reine Gehzeit: 6 Stunden
Wetter: sonnig, warm, 28 Grad

Ein wenig erschöpft, aber unversehrt erreichen wir glücklich die ewige Stadt Rom. Die Pilger- Beschilderung ist komplett verschwunden. Wir kämpfen uns durch Menschenmassen, Autos, Ampeln und Verkehr durch zum Vatikan. Nach Durchlaufen einer Porta und stehen auf dem Petersplatz. Ein wahrhaft emotionaler Augenblick! Wir mussten sicherlich das eine oder andere Mal auf die Zähne beißen und auch zweimal mit dem Zug fahren, haben einige Apothekenbesitzer glücklich gemacht, aber nie ans Aufgeben gedacht! Es bleiben viele unvergessliche Momente, Begegnungen, tolle Städte, mittelalterliche Dörfer und herrliche Landschaften, viel Schweiß, viel Lachen und ein paar Tränen, besinnliche Momente und fröhliches Beisammensein, gutes Essen und Trinken, und immer nach dem Motto: der Weg ist das Ziel. Ein würdiger Abschluss der Reise kann natürlich nur in einer spirituellen Herberge erfolgen. Wir wählen das Spedale della Prowidenza san Giacomoe san Benedetto rund 4 km vom Petersdom entfernt. Eine gute Wahl, hier treffen wir viele unserer Weggefährten wieder. Abends gibt es das Ritual der Fusswaschung und wir essen danach alle gemeinsam. 
Morgen früh besuchen wir die Sonntagsmesse auf dem Petersplatz, am Montag ziehen wir in ein Hotel um und sind von da an da ganz normale Touristen. 
Nochmals vielen Dank für die vielen netten Kommentare! 
Auswertung der gesammelten Daten:
1.127 km zu Fuß 
45 km mit dem Zug
12 km mit dem Auto 
Höhenmeter total: 32.330 m
Davon aufgestiegen: 15.915 m
Davon abgestiegen: 16.415 m